Interview Magazin Wirtschaft

Großes Interesse an Zusatzqualifikation

Ein Vorreiter der neuen Zusatzqualifikation Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung ist die Esslinger Firma Festo. Was man dort geplant hat, schildert Stefan Dietl, Leiter Vocational Education der Festo Didactic SE und Mitglied des  Berufsbildungsausschusses der IHK Region Stuttgart.
Bestenehrungen 2023

Herr Dietl, Sie haben an der Ausarbeitung der Zusatzqualifikation Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung maßgeblich mitgewirkt. Was steckt dahinter?

Der Klimaschutz, die Nachhaltigkeitsbestrebungen der internationalen Organisationen und die biologische Transformation der Wirtschaft betreffen buchstäblich alle Unternehmen. Dabei werden junge Fachkräfte gebraucht, die ihr Unternehmen, seine Prozesse und Lieferketten unter genau diesem Blickwinkel betrachten und dabei helfen, zu Lösungen zu kommen. Die ZQ kann während der Ausbildung absolviert werden und wird sich an ein breites Spektrum von Branchen richten – von der Automobilindustrie bis zur Chemie.  

Welche Schwerpunkte setzen Sie bei Festo?

Unsere Kernkompetenz ist die Automatisierung, zugleich haben wir große Erfahrung in der Bionik. Bei der ZQ Klimaschutz stellen wir deshalb die Automatisierung der biologischen Transformation in den Mittelpunkt. Ein Beispiel: Mit Hilfe von Mikroalgen werden wertvolle Wirkstoffe für Nahrungs- und Arzneimittel hergestellt. Dabei müssen die Wachstumsbedingungen – etwa Licht, pH, Nährstoff- und CO2-Gehalt automatisch so eingestellt werden, dass die Algen stets optimal produzieren.

Sie werden die ersten sein, die ihren Azubis die Zusatzqualifikation anbieten?

Schon jetzt ist klar, dass der erste Kurs für die ZQ bei uns starten wird – in unserem Ausbildungszentrum planen wir, hierfür extra ein Minilabor einzurichten. In Esslingen haben wir an die 150 Auszubildende. Ich gehe davon aus, dass sich viele von ihnen für die Zusatzqualifikation anmelden werden. Bei einer ersten Abfrage war das Interesse jedenfalls gewaltig. Es macht eben Spaß, sich mit der Zelle, der kleinsten Fabrik der Welt, zu beschäftigen!

Denken Sie darüber nach, das Thema noch stärker in Ihrer Ausbildung zu verankern?

Ja, später wollen wir die Zusatzqualifikation möglicherweise allen Mitarbeitern anbieten. Und in Zusammenarbeit mit der Hochschule Reutlingen entwerfen wir zurzeit einen Studiengang Biomechatronik, der dort im nächsten Wintersemester starten soll.