Hidden Champions

Beton ist gut, Kontrolle ist besser

Dass auch moderne Ingenieurbauten nicht für die Ewigkeit gemacht sind, erfährt man erst dann, wenn Brücken oder Gebäude wegen Einsturzgefahr gesperrt werden müssen. Dass es nicht soweit kommt, dafür sorgt die Bauschutz GmbH aus Asperg (Kreis Ludwigsburg).
Es gibt scheinbar nichts Solideres als Beton, insbesondere Stahl- oder Spannbeton. Fernsehtürme, Windkraftanlagen, Luftschutzbunker und der neue Stuttgarter Tiefbahnhof – all dies gibt es nur dank der Verbindung von Zement, Sand und Wasser, verstärkt durch Armierungsstahl. „Hoffentlich ist es Beton“, lautet ein Marketingslogan der Branche. Doch diese imponierenden Ingenieurbauwerke sind weniger unangreifbar, als man es sich vorstellt. Auch an ihnen nagt der Zahn der Zeit.
Bewusst wird uns das nur, wenn wir wieder einmal wegen einer Tunnelsanierung einen weiten Umweg fahren müssen. Oder wenn, im schlimmsten Fall, eine Brücke einstürzt – etwa das Polcevera-Viadukt bei Genua 2018 oder die Wiener Reichsbrücke vier Jahrzehnte zuvor. „Ein Brückenpfeiler aus Stahlbeton kann von außen völlig intakt aussehen“, erklärt Jens Windisch, Geschäftsführer der Bauschutz GmbH & Co. KG. „Wie er im Inneren beschaffen ist, kann aber nur eine Potenzialfeldmessung zeigen.“ Dies ist das Geschäft der Asperger Firma. Ob Wasserkraftwerke oder Chemieanlagen, ob Parkhäuser oder Rheinbrücken – wo es darum geht, Schäden an Anlagen und Gebäuden aus Beton und Stahl aufzuspüren, diese wiederherzustellen und gegen Korrosion zu schützen, ist das Unternehmen dabei – mit insgesamt 300 Mitarbeitern an bundesweit sieben Standorten.

Kohlendioxid nagt an der Substanz

Warum liegt das Problem oft im Inneren eines Bauwerks? Windisch erklärt das so: Der Armierungsstahl in den Betonstrukturen gibt  diesen ihre Zugfestigkeit. Gegen Korrosion, die diese Festigkeit schwächen würde, ist er gut geschützt, weil der umgebende Beton  alkalisch ist. Über die Jahre dringt aus der Luft jedoch Kohlendioxid (CO2) ein und erzeugt ein neutrales, korrosionsförderndes Milieu. Die Stahlmatten beginnen zu rosten, es entstehen Lücken wie in einem zerrissenen Netz. Obendrein dehnen sie sich aus und  schädigen so den mit ihnen verbundenen Beton.
Ein Aussichts- und Sendeturm aus Beton ist mit einem Gerüst umgeben, damit die Experten ihn wiederherstellen können.
Ein Aussichtsturm wird zur Wiederherstellung mit einem Gerüst umgeben. © Bauschutz GmbH
Die Folgen sind nicht immer so schlimm wie in Genua. Zumindest dann nicht, wenn die Experten aus Asperg zur Stelle sind. Haben sie die Schwachpunkte in den Tiefen der grauen Materie mit ihren Messgeräten aufgespürt, beginnt die eigentliche Instandsetzungsarbeit. Hierzu wird der Beton mit Höchstdruckwasserstrahlgeräten lokal abgetragen – mit mehr als 2000 bar ist der Strahl so scharf, dass er Beton mühelos schneidet. Um Mitarbeiter nicht zu gefährden, werden hierbei gerne Roboter eingesetzt. Ist die schadhafte Stelle dann freigelegt, wird der zerstörte Stahl ausgetauscht und neuer, alkalischer Beton aufgetragen.

Schwerpunkt Tiefgaragen

Sehr gefragt sind die Dienste von Bauschutz bei den Betreibern von Tiefgaragen und Parkhäusern. „Die Autos bringen im Winter Streusalz mit hinein, und das beschleunigt die Korrosion erheblich“, sagt Albert Vött, zweiter Geschäftsführer des Unternehmens und wie Windisch mehr als 30 Jahre in der Führung des Unternehmens.In Stuttgart haben die Asperger unter anderem die Hofdienergarage, das Parkhaus Schöttlestraße sowie die Tiefgarage Schillerplatz wieder instandgesetzt.
Auch Chemie- und Lebensmittelunternehmen sind unter den Auftraggebern. Die BASF in Ludwigshafen stattet ihre zuweilen riesigen Chemikalientanks mit so genannten Auffangtassen aus. Das sind Wannen, die den gefährlichen Inhalt der Tanks auffangen, falls diese undicht werden.
Die Bauschutz-Experten sorgen für eine geeignete Beschichtung dieser „Tassen“, damit die ätzenden oder giftigen Flüssigkeiten nicht ins Erdreich eindringen und das Grundwasser schädigen können. Bei der Bodenseewasserversorgung in Sipplingen galt es, gewaltige Leitungsnetze, Aufbereitungsanlagen und Wasserbehälter instand zu setzen und danach mit einer neuen und  natürlich trinkwassertauglichen Schutzbeschichtung zu versehen.

Fachkräfte als Engpass

Corona hat in den Bilanzen des Unternehmens kaum Spuren hinterlassen. Mehr Sorge bereitet dem Führungsduo der Fachkräftemangel, der die Baubranche insgesamt besonders hart trifft. In den letzten Jahren erlöste die Bauschutz GmbH & Co. KG stets um die 50 Millionen Euro, und die Auftragsperspektiven sind gut. Dafür sorgen Wind und Wetter, Streusalz und der Zahn der Zeit.