Go.for.europe

Erasmus für Azubis

Wer studiert, geht oft für ein bis zwei Semester mit dem Erasmus-Programm ins Ausland – und sammelt dabei Sprachkenntnisse, Lebenserfahrung und Eindrücke jenseits des Tellerrands. Das Projekt „Go.for.europe“ sorgt dafür, dass auch Azubis von einem Auslandsaufenthalt profitieren können.

Flexibilität und Mobilität als Lernziele

Schließlich lernen die angehenden Fachkräfte dadurch Flexibilität und Mobilität und bringen neue Ideen und Arbeitsmethoden mit nach Hause. Sie lernen aber auch das internationale Geschäft kennen und profitieren langfristig von der interkulturellen Kompetenz und den Kontakten, die sie geknüpft haben. Ausbildungsbetriebe profitieren noch zusätzlich, weil eine duale Ausbildung so gerade für leistungsfähige junge Leute attraktiver wird.
Go.for.europe ist eine branchenübergreifende Servicestelle, die Azubis für jeweils vier Wochen in einen EU-Mitgliedsstaat entsendet. Sie stellt Praktikumsplätze in Partnerbetrieben in verschiedenen europäischen Ländern zur Ver­fügung. Außerdem begleitet sie jungen Leute, damit sie wirklich profitieren. Vor der Abreise be­suchen die Azubis deshalb ein Pflichtseminar, in dem sie interkulturell geschult und organisatorisch vorbereitet werden.

Mindestalter ist 18

Bewerben können sich Auszubildende ab dem zweiten Lehrjahr aus kaufmännischen oder HoGa-Betrieben, die IHK-Mitglied sind. Außerdem müssen Sie mindestens 18 Jahre alt sein und ihren Wohnsitz in Baden-Württemberg haben.
Nach der Ankunft im Zielland steht dann in der ersten Woche ein Intensivsprachkurs auf dem Programm. In den drei darauffolgenden Wochen sind die jungen Leute in einem Prak­tikumsbetrieb tätig, dessen Metier zum Ausbildungsberuf passt. Im Nachgang zum Praktikum findet eine Nachbereitungsveranstaltung statt, in dem die Ergebnisse reflektiert werden und die Teilnehmer den Europass ­Mobilität erhalten, der die erworbenen fachlichen, sprachlichen und interkulturellen Kompetenzen bestätigt.
Die Spanier arbeiten, um zu leben. Bei uns ist es umgekehrt, aber ich glaube, bei jüngeren Menschen gleicht sich das an.

Aaron Martin, Industriekaufmann-Azubi im 2. Lehrjahr über seine Erfahrung mit „Go.for.europe“

Die Teilnehmer wohnen entweder in Gastfamilien oder in Gemeinschaftsunterkünften. Die Reise- und Aufenthaltskosten werden durch ­Stipendien aus dem EU-Berufsbildungsprogramm „Erasmus + Berufsbildung“ ­finanziell unterstützt. In der Regel reichen diese Fördermittel aber nicht aus, um alle anfallenden Kosten zu decken. Deshalb erhebt „Go.for.europe“ eine Eigenbeteiligung, die zwischen 350 und 500 Euro liegt.

Das Praktikum ist Teil der Ausbildung

Das Auslandspraktikum wird als Bestandteil der Ausbildung anerkannt und unterbricht deswegen nicht das Ausbildungsverhältnis. Das bedeutet, dass Azubis während ihres Auslandsaufenthalts ihre Ausbildungsvergütung weiter erhalten. Die Lehrlinge sind auch während des Praktikums über ihre Krankenversicherung versichert. Zusätzlich wird eine Kranken-, Haft- und Unfallversicherung für die Azubis abgeschlossen.

Interview: ...eigentlich war alles toll!

Portrait von Martin
Aaron Martin © Martin
Und wie kommt das Projekt bei jungen Leuten an? Wir haben Aaron Martin, Industriekaufmann-Azubi im 2. Lehrjahr nach seinen  Erfahrung mit „Go.for.europe“ gefragt:
Magazin Wirtschaft: Wie haben Sie von „Go for Europe“ erfahren?
Aaron Martin: Über meinen Klassenlehrer an der Berufsschule. Ich habe gleich meinen Chef gefragt, und der hat das gleich unterstützt. Er hat sogar den Eigenanteil übernommen, den ich eigentlich bezahlen müsste.
Magazin Wirtschaft: Wo sind Sie gewesen und warum gerade dort?
Aaron Martin: Ich war in Valencia. Dort ist es echt schön. Spanisch hatte ich zwar nur drei Jahre in der Schule, aber ich mag die Sprache einfach! Zum Glück haben wir im Unterricht gelernt, wie man einfache Gespräche führt. Das hat mir zusammen mit dem einwöchigen Intensivkurs sehr geholfen.
Magazin Wirtschaft: Außer sprachlich: haben Sie auch sonst vom Aufenthalt profitiert?
Aaron Martin: Auf jeden Fall. Ich habe so viele Kontakte geknüpft – zu spanischen Arbeitskollegen, aber auch zu Mitschülern aus ganz Europa und den USA, die mit mir in dem Sprachkurs vor Ort ­waren. Ich lerne Industriekaufmann, da kann ich solche Kontakte zukünftig sicher gut gebrauchen. Ich finde es auch gerecht, dass wir Azubis endlich auch die Chance haben, ins Ausland zu gehen. ­Studenten können das ja schon lange mit Erasmus.
Magazin Wirtschaft: Gibt es etwas, das Ihnen nicht so gefallen hat?
Aaron Martin: Vielleicht das Essen… Aber eigentlich war alles toll. Klar, sind vier Wochen etwas kurz, aber länger zu Hause auszufallen, das wäre schwierig gewesen. Ich kann das Programm auf jeden Fall weiterempfehlen. Es ist eine super Chance und alles war perfekt organisiert. Es gab eine Vor- und eine Nachbereitung, und unsere Betreuer haben uns sogar vor Ort besucht.
Magazin Wirtschaft: Arbeitet man in Valencia eigentlich anders als hier in Schwaben?
Aaron Martin: Das ist mir schon etrem aufgefallen: Die Spanier arbeiten, um zu leben. Bei uns ist es umgekehrt, aber ich glaube, bei jüngeren Menschen gleicht sich das an.
Interesse geweckt? Dann sollten Sie sich für das Webinar zum Thema Go.for.europe am 15. Februar von 15 bis 16 Uhr anmelden.