26.07.2022

Nach Hoffnung kommt Ernüchterung: Kein Ende der Energiekrise in Sicht

Die angekündigte weitere Senkung der Gas-Lieferungen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 zeigt noch einmal deutlich, dass in Thüringen und im gesamten Osten schneller agiert werden muss, um unabhängiger vom russischen Gas zu werden.
Zwei Wochen lang haben die Hauptgeschäftsführerin Dr. Cornelia Haase-Lerch und der Präsident Dieter Bauhaus der Industrie- und Handelskammer Erfurt regionale Unternehmen besucht, um die aktuelle Krisenlage zu analysieren und zu besprechen. „Durch das große Kosten- und Versorgungsrisiko geht es um das Überleben von Unternehmen, um die Sicherung von Arbeitsplätzen und unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt”, mahnt Haase-Lerch und drängt auf ein schnelles Handeln der politischen Akteure.
Es sind vor allem drei Dinge gefordert, um die Energiewende in Thüringen auf den Weg zu bringen:
Wir fordern einen schnellen Energieplan für Thüringen: Das Thema Energie darf nicht in die Sommerpause gehen. Alle Beteiligten müssen in einem Energiegipfel zusammengeführt werden, um notwendige Lösungen schnellstmöglich auf den Weg zu bringen. Hundertausende von Thüringern fahren morgens zur Arbeit in ein Unternehmen, das Gas bzw. Energie benötigt. Fachkräfte und Unternehmen brauchen Sicherheit und Perspektiven. Unternehmer können jedoch aktuell kaum planen, wissen nicht, ob und wie sie umrüsten können oder sollten. Hier braucht es dringend mehr Planbarkeit.
Wir fordern Technologieoffenheit und einen Mix verschiedener Energieformen: Nur damit kann man den verschiedenen Energieanforderungen der Unternehmen gerecht werden und nur so kann der gesamte Energiebedarf der Unternehmen gedeckt werden.
Wir fordern einen Bürokratieabbau-Booster: Kraftraubend und entmutigend für die Wirtschaft sind insbesondere unverhältnismäßig viele Regularien und unsäglich lange Bearbeitungszeiten von zu vielen Genehmigungen. Die anstehende Transformation muss durch einfachere, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren unterstützt werden. Neben vielen anderen Unternehmern verdeutlichte auch Dieter Ortmann, Geschäftsführer der maxx solar & energie GmbH & Co. KG, dass die notwendige Energiewende durch hohe bürokratische Hürden ausgebremst wird. „Energie haben wir genug. Und die Bereitschaft von Unternehmen und Investoren auf alternative Energieformen wie Solar umzustellen ist sehr hoch. Nun müssen jedoch dringend und zeitnah verkrustete, bürokratische und baurechtliche Hürden beseitigt werden. Während die Installation einer Solaranlage maximal vier Wochen dauert, beträgt die Bearbeitungszeit aller auferlegten Regularien für eine Anlage bis zu 1,5 Jahre. Die Landespolitik kann die Firmen unterstützen, indem sie sich beim Bund für eine Deregulierung einsetzt und die regionalen Netzbetreiber maximal unterstützt.“
Die  aktuelle Umfrage zum DIHK-Energiewendebarometer zeigt, dass  fast zwei Drittel der Industriebetriebe (63 Prozent) in den hohen Stromkosten und Gaspreisen eine Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland sehen. Die Auswertung zeigt außerdem: Die hohen Energiepreise zwingen immer mehr Unternehmen zu einer Drosselung ihrer Produktion oder gar zur Aufgabe ganzer Geschäftszweige. Lt. Umfrage des DIHK betrifft das bereits 16 Prozent der Industriebetriebe.