Deutscher Buchhandlungspreis 2021

„Die Ware allein macht es nicht“

Manchmal wacht Manfred Keiper morgens um 5 Uhr auf. Dann nimmt er sich ein Buch und liest, solange bis es draußen hell wird. Erst wenn er hungrig wird, löst er sich von seiner Lektüre. „Dann bin ich oft richtig traurig, dass ich aufhören muss.“
Diese Leidenschaft für das geschriebene Wort kann er als Buchhändler auch beruflich voll ausleben. In der Anderen Buchhandlung, die er in Rostocks Kröpeliner-Tor-Vorstadt betreibt, setzt er auf ein Sortiment mit Qualität. Geformt wird dieses nicht nur durch die persönlichen Vorlieben der Belegschaft, sondern auch durch Interessen der Stammkunden. Feministische und LGBTQ-Themen findet man hier genauso wie die neuesten Bestseller und klassische Werke. Mit regelmäßigen Lesungen und Aktionen, auch für Kinder, ist die Andere Buchhandlung zudem auch in der Szene der Kulturveranstaltungen eine Marke.
Dieses Rundum-Paket, das Keiper in den vergangenen Jahrzehnten ausbaute, konnte sich nun im Wettbewerb um den Deutschen Buchhandlungspreis durchsetzen. „Beste Buchhandlung Deutschlands“ – diesen Titel darf die Andere Buchhandlung nun tragen. Manfred Keiper und sein Team erfüllt das mit viel Freude und Stolz.

Rostock bietet gutes Umfeld für Kulturarbeit

Die Bewerbungsunterlagen ausgefüllt habe in diesem Jahr die Auszubildende, erzählt Keiper. „Das war eine gute Entscheidung“, sagt er lachend. Doch bei allem Stolz möchte er die Auszeichnung auch richtig eingeordnet wissen.
„Unter den Bewerbern war schon die Creme de la Creme der inhabergeführten Buchhandlungen. Daher freut uns der Preis natürlich sehr. Dazu muss man aber auch sagen, dass sich durch die Folgen der Pandemie viele nicht beworben haben, weil sie sich nicht halten konnten oder keinen Kopf dafür hatten. Daher sind wir also die besten von denen, die sich beworben haben.“

Manfred Keiper

Zudem sei ihm deutlich bewusst, dass er in Rostock ein sehr gutes Umfeld habe, um kulturell aktiv zu sein und viele Menschen zu erreichen. „Das kann man nicht eins zu eins vergleichen mit den Buchhandlungen in besonders kleinen Orten, die in vielen Fällen großartige Arbeit leisten.“
Doch bei aller Bescheidenheit, die Freude über den Titel ist nach wie vor groß. Wochenlang gratulierten Stammkunden, Geschäftspartner und Freunde persönlich oder mittels Paketen voller Prosecco. „Hinten stapeln sich die Kisten“, erzählte Manfred Keiper wenige Tage nach der Preisverleihung. Darauf ausruhen kommt für ihn – und sein Team – aber nicht in Frage. Der größte Ansporn ist für alle, dass Kultur verbreitet und gefördert wird.

Keine Angst vor dem Digitalen

Besonders am Herzen liegt dem Buchhändler auch die Situation der Innenstädte, mit inhabergeführten Geschäften. So ist die Andere Buchhandlung auch Mitglied im Verein „Buy Local“, in dem sich inhabergeführte Geschäfte organisieren, um der Konkurrenz durch reine Onlinehändler entgegenzutreten.
Dass Kunden aber nicht allein durch Kampagnen gebunden werden, darüber ist sich der Rostocker im Klaren. Deswegen lautet sein Tipp an alle, die sich mit einem eigenständigen Buchladen selbstständig machen: „Seid kreativ. Die Ware allein macht es nicht!“ Lesungen, Aktionen, Veranstaltungen – all das gehöre einfach zu einem Kulturzentrum dazu. Und genau das seien Buchhandlungen für ihn. Hinzu kommt: Reine Onlinehändler bedrohen zwar das innerstädtische stationäre Geschäft, sich dem Digitalen aber ganz zu verschließen bringe nichts. Über Jahre hat die Andere Buchhandlung Ihren Webshop weiterentwickelt – etwas, das in den schlimmsten Phasen der Corona-Lockdowns half, die Geschäfte am Laufen zu halten.

Video-Interview: Aus dem Alltag eines Buchhändlers

Welche Maßnahmen Manfred Keiper und sein Team während der Krise ergriffen haben, erfahren Sie in unserem Video-Interview.
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