29.09.2022

Umfrage der IHK Erfurt zur Energiekrise: Energiepreisdeckel muss kommen, Kernkraft soll weiterlaufen

Ungeduld nach wirksamen Maßnahmen der Politik wächst in regionaler Wirtschaft

Die Energiekrise treibt die hiesigen Unternehmen immer mehr um. Eine
aktuelle Befragung von 350 Unternehmen aus dem Kammerbezirk der IHK
Erfurt zeigt, dass Energie mit Abstand (91 %) die größte
Herausforderung für die Unternehmen ist, gefolgt vom Fachkräftemangel
(67 %), Inflation (60 %) und Bürokratie (43 %). Drei Viertel der
Unternehmen können eine Reduzierung von Produktion oder
Geschäftstätigkeit nicht mehr ausschließen. Von Bundes- und
Landesregierung werden die Einführung eines Energiepreisdeckels (75 %),
der Abbau bürokratischer Hürden (74 %) und steuerliche
Vergünstigungen (52 %) gefordert. Auch der Weiterbetrieb von
Kernkraftwerken (91 %) wird klar befürwortet.
„Die Ergebnisse spiegeln eine große Ungeduld der Unternehmerschaft
nach wirksamen Maßnahmen gegen die explodierenden Energiepreise und
zeigen ganz klar die wachsende Bedrohung der Energiekrise für die
Geschäftstätigkeit unserer regionalen Wirtschaft. Das sorgt nicht nur
für schlechte Stimmung, sondern auch für sinkende Produktivität und
letztlich für eine rückläufige Wirtschaftskraft in Deutschland. Die
Unternehmen benötigen dringend eine verlässliche Perspektive",
erklärt Dieter Bauhaus, Präsident der Industrie- und Handelskammer
Erfurt.
Die Vollversammlung diskutierte lebhaft zur aktuellen Situation in den
Unternehmen. Dabei wurde mehr Einbeziehung wissenschaftlicher Expertise
und mehr marktwirtschaftliche Orientierung für die anstehenden
politischen Entscheidungen gefordert. Auch die grundsätzliche
Bereitschaft von Politikern, sich den Anforderungen und
Problemstellungen der Unternehmen auch im persönlichen Austausch zu
stellen und Anregungen in Entscheidungen mit einfließen zu lassen, ist
laut Mitgliedern der Vollversammlung dringend notwendig.
Die Vollversammlung der IHK Erfurt schloss sich zudem einer Resolution
zur Energiekrise des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK)
an. Darin werden unter anderem der Weiterbetrieb von Kohle-, Öl- und
Kernkraftwerken, die Einführung einer Preisbremse, die Absenkung von
Strom- und Energiesteuer auf den europäischen Mindestsatz, eine
dauerhafte Ersatzversorgung von Strom und Gas, die Liquiditätssicherung
von Energieversorgern und die stärkere Nutzung heimischer
Energieressourcen gefordert. Die IHK-Organisation warnt vor
"Wohlstandsverlusten in bislang unvorstellbarem Ausmaß", sollten immer
mehr Betriebe ihre Tätigkeit zurückfahren, unterbrechen oder sogar
ganz einstellen müssen.
„Die Resolution markiert den möglichen Beginn einer Exitstrategie aus
der Notsituation in der deutschen Energiepolitik. Selten war der
Maßnahmenstrauß an Mitteln zur Krisenbewältigung derart umfangreich.
Darüber hinaus müssen langfristige strategische Ziele für eine
Energiewende definiert werden, um die jahrelangen politischen
Versäumnisse zu beheben. Politik muss nun endlich die Belange der
Unternehmen berücksichtigen und schnell entscheiden, um die
schleichende Deindustrialisierung zu verhindern. In diesem Zusammenhang
wird die ausdrückliche Beachtung der Belange der mittelständischen
Wirtschaft in der Positionierung der Regierungschefs der Länder zur
anstehenden Ministerpräsidentenkonferenz begrüßt.