Pressemeldung

Arbeit braucht Flexibilität

Rund ums Arbeitsleben kursieren heutzutage viele Thesen: beispielsweise, dass die Leistungsbereitschaft der Gesellschaft abnehme, oder dass die junge Generation nicht mehr arbeiten wolle. Bei der IHK-Veranstaltung „Was ist Arbeit heute?!“ diskutierten Experten und Unternehmen aus der Region darüber, wie unterschiedliche Anforderungen an die Arbeitswelt vereinbart werden können und ob Arbeit neu definiert werden muss.
„Wir haben heute eine Rekordzahl von Menschen, die arbeiten. Doch während die Anzahl der Erwerbstätigen steigt, nimmt gleichzeitig die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden seit vielen Jahren ab“, sagte Moderator Dr. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim.

Maßgeschneiderte Lösungen

Gründe, weshalb Menschen vorübergehend oder langfristig weniger arbeiten wollen, gibt es viele: vom Wunsch nach einer besseren Work-Life-Balance über Weiterbildungen bis zur Pflege von Angehörigen. Auch strukturelle Gründe wie fehlende Betreuungsmöglichkeiten oder ein eingeschränktes ÖPNV-Angebot können dazu führen, dass Menschen ihre Arbeitszeit reduzieren. „Um die unterschiedlichen Anforderungen und Bedürfnisse von Mitarbeitern und Unternehmen in Einklang zu bringen, braucht es vor allem Flexibilität“, beobachtet Helmes.
Das kann Alfons Weiß, Direktor des familiengeführten Wellnesshotels Bayerwaldhof in Bad Kötzting, bestätigen. „So vielseitig und vielschichtig wie unsere Gäste, sind auch unsere Mitarbeiter.“ Wie man heutzutage auf diese unterschiedlichen Bedürfnisse eingehe, sei für ihn einer der größten Unterschiede zu früher. „Heute brauchen wir maßgeschneiderte Lösungen für jeden Einzelnen.“ Sein Erfolgsgeheimnis: gezielte, regelmäßige Gespräche auf Augenhöhe und kontinuierliche Mitarbeiterbefragungen. „Der gemeinsame Erfolg mit meinen Mitarbeitern ist unser Rückenwind und den spüren unsere Gäste.“

Veränderte Anforderungen

Auch die Vorstellung über Arbeit an sich verändere sich. „Bei Stellenanzeigen überlegen wir uns inzwischen viel genauer als früher, wen wir erreichen wollen und wer auf der gesuchten Position am besten ins Unternehmen passt“, sagte Sandra Wimmer, Vorstand bei der REWAG. „Das fängt schon bei der Frage an, ob wir in der Stellenausschreibung duzen oder siezen. Je nachdem bewerben sich ganz unterschiedliche Personen.“ Wichtig sei zudem, auch diejenigen in den Blick zu nehmen, die bereits länger im Unternehmen arbeiten.
Häufiger als früher werde die Frage nach dem Sinn der Arbeit gestellt – da sind sich alle Podiumsgäste einig. Nicht bestätigen können sie das Vorurteil, dass junge Menschen grundsätzlich nicht mehr arbeiten wollen. „Die These, dass man mit jungen Leuten nicht so viel anfangen kann wie mit der älteren Generation, ist sehr alt“, betonte OTH-Professor Dr. Matthias Weiss. Schon Sokrates habe vor weit über 2000 Jahren über die Jungend und ihre Arbeitsmoral geschimpft.

Gesellschaftliche Veränderung

„Was wir aber sehen, ist, dass der Druck zunimmt, sich im Job selbst zu verwirklichen“, sagte der Wissenschaftler. Ein Beruf müsse heutzutage oft vorzeigbar sein – gerade bei jungen Menschen auch auf sozialen Medien. Hoteldirektor Alfons Weiß und REWAG-Vorstand Sandra Wimmer bestätigen diese Erfahrung aus ihren Unternehmen. „Wir sehen, dass die Ansprüche an das Arbeitsleben sich verändert haben“, resümierte IHK-Hauptgeschäftsführer Helmes. „Allerdings weniger bei einzelnen Generationen als bei der Gesellschaft insgesamt.“
(06.05.2024)
„Die IHK fragt nach“ ist eine neue Veranstaltungsreihe der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim. Einmal im Halbjahr lädt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes Gäste aus Wirtschaft, Politik und / oder Gesellschaft ein, um mit ihnen gesellschaftliche Fragestellungen mit wirtschaftlichem Bezug zu diskutieren. Das Publikum ist eingeladen, sich mit Fragen zu beteiligen. Nach der Diskussionsrunde besteht Gelegenheit zum Netzwerken.