Vorsichtiger Optimismus

Regionaler Konjunkturbericht Jahresbeginn 2026

J: Jahresbeginn, F: Frühjahr, H: Herbst
Die Wirtschaftslage in der Region stagniert noch zum Jahresstart, ergibt der Konjunkturbericht der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim aus den Rückmeldungen von 280 Unternehmen. „Insgesamt spiegelt unsere Konjunkturumfrage keinen breiten Aufwärtstrend“, stellt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes bei der Vorstellung der Ergebnisse mit IHK-Präsident Christian Volkmer fest. Dabei gibt es verhalten positive Signale: So verlasse die Kurve bei der heimischen Industrie langsam dem negativen Bereich. Bei Handel, Tourismus und Dienstleistungen überwiegt eine positive Geschäftslage. Im Hotel- und Gaststättengewerbe sorgten Urlaubsreisende und die Weihnachtssaison für Umsätze. Die erwartete Erholung des Baugewerbes bleibt bislang aus.
Der Wirtschaft fehlen nach wie vor politische Impulse: „Das Konjunkturprogramm der Bundesregierung übt bislang keinen spürbaren Einfluss auf die regionalen Unternehmen aus“ sagt IHK-Präsident Volkmer. Und auch die Belastungen durch höhere Energiepreise steigen wieder. 32 Prozent der Industriebetriebe sehen darin ein erhebliches Geschäftshemmnis. „Viele Umfrageteilnehmer zeigen sich enttäuscht, da die Politik trotz klarer Signale die wirtschaftliche Realität verkennt und sich auf hohen Staatsausgaben ausruht“, so Volkmer. Notwendige Reformen, etwa bei der Kranken- und Rentenversicherung, werden nicht angegangen.

Träges Auslandsgeschäft

Beim Auslandsgeschäft zeigt sich wenig Dynamik. Bestelleingänge aus China und der Eurozone sind rückläufig, während Absatzmärkte in Afrika sowie im Nahen und Mittleren Osten zulegen. Die Kurve bleibt dabei im negativen Bereich. „Kein Wunder“, so Helmes, „denn die geopolitische Lage bleibt instabil. Das Auslandsgeschäft unserer Unternehmen ist geprägt von Protektionismus, Handelshemmnissen und Zöllen.“ In der Industrie berichten 16 Prozent der Unternehmen über erhebliche und 29 Prozent über teilweise Einschränkungen ihrer Geschäftsabläufe.
In das Mercosur-Abkommen legten viele der Befragten zum Zeitpunkt der Umfrage noch ihre Hoffnungen für die Märkte in Süd- und Mittelamerika. „Die EU erweist der Wirtschaft einen Bärendienst, indem sie das Abkommen jetzt verschleppt“, stellt Helmes bitter fest. Für die Geschäfte mit Afrika und Asien, ohne China, werden mittelfristig gute Entwicklungen erwartet. Größere Unternehmen zeigen sich optimistischer als kleine und mittlere Betriebe. Das jüngst verkündete Freihandelsabkommen der EU mit Indien dürfte sich positiv auf die Stimmung bei der nächsten IHK-Umfrage auswirken.

Trend nach oben?

Die Erwartungen der regionalen Unternehmen steigen zum Jahresbeginn an, „ähnlich wie in den Vorjahren“, zeigt sich IHK-Konjunkturexpertin Sibylle Aumer verhalten. Einer skeptischen Industrie halten optimistische Dienstleister die Waage. Der Negativtrend im Wohnungsbau ist gestoppt, 15 Prozent rechnen im Bauwesen mit mehr Aufträgen. Dienstleister, Handel und Tourismus planen mehr Investitionen.
Trotz einer Besserung des Investitionsklimas fehlt jedem zehnten Unternehmen die notwendige Liquidität. Der Anteil der Betriebe, die künftig in der Finanzierung Risiken sehen, steigt von zehn auf 14 Prozent. Die Erhöhung des Mindestlohns führt zu einer Verschiebung des Lohngefüges nach oben. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil der Unternehmen, die steigende Arbeitskosten als Konjunkturhemmnis wahrnehmen, um zehn Prozentpunkte gestiegen. Wenn in konjunkturell schwierigen Zeiten höhere Arbeitskosten auf eine geringere Produktion verteilt werden, steigen die Lohnstückkosten. Zudem rechnen die Betriebe damit, dass der gestiegene CO2-Preis künftig Waren und Dienstleistungen weiter verteuern wird.

Was es für den Aufschwung braucht

Die IHK sieht mehrere Handlungsfelder, in denen die Politik wirtschaftliche Impulse setzen könnte. „Mit Blick auf die steigenden Investitionsabsichten bei gleichzeitig angespannter Finanzlage wäre ein enges Zusammenspiel von Banken, öffentlichen Fördermitteln, steuerlichen Investitionsanreizen und schnellere Genehmigungsverfahren erforderlich“, so Helmes. Die hohen Personal- und Energiekosten werden zunehmend zum Standortproblem: „Wir haben einen nicht unbedeutenden Anteil in der Industrie, die eine Teilverlagerung ins Ausland plant“, warnt der IHK-Hauptgeschäftsführer. Die Verzögerung des Mercosur-Abkommens vonseiten der EU-Institutionen sei nicht akzeptabel. „Handelshemmnisse müssen ab-, nicht aufgebaut werden!“
IHK-Präsident Volkmer sieht dringenden Anpassungsbedarf bei der deutschen Digitalisierungsstrategie. „Der Fokus des Bürokratieabbaus darf nicht nur auf die Bedürfnisse der internationalen Digitalindustrie ausgerichtet sein, sondern muss vor allem die deutsche Wirtschaft berücksichtigen. Darüber hinaus brauchen die generellen Rahmenbedingungen für die Finanzierung und Förderung digitaler Unternehmen dringend viel größere Kraftanstrengungen und deutliche Erleichterungen, wenn wir im weltweiten digitalen Markt noch eine Chance haben wollen.“
  • Geschäftslage mit Seitwärtsbewegung: IHK-Konjunkturklimaindikator legt um sechs Punkte auf 110,4 zu
  • Geschäftserwartungen verlassen negativen Bereich
  • Industrie kämpft sich langsam nach oben
  • Größter Optimismus seit vier Jahren im Dienstleistungssektor
  • Baubranche noch ohne Schwung
  • Kapazitätsauslastung über alle Branchen leicht über Vorjahreswert
  • Keine Kehrtwende bei negativen Beschäftigungsabsichten
  • 35 Prozent aller Befragten planen keine oder geringere Investitionen am heimischen Standort
    TOP-3-Zielländer für Auslandsinvestitionen in der Industrie: Eurozone (49%), Nordamerika (31%), China (29%). Im Fokus stehen dabei Kostenersparnisse und Markterschließung
  • 66 Prozent der Industrieunternehmen wollen trotz Auslandsinvestitionen den Inlandsstandort erhalten, 25 Prozent planen eine Teilverlagerung in andere Länder
zum IHK-Konjunkturbericht Jahresbeginn 2026

Unternehmenszitate

„Die aktuelle Geschäftslage ist durchwachsen, aber wir bleiben guter Dinge und arbeiten weiter an Ausgabenoptimierungen und Effizienzsteigerungen.“
Wolfgang Doll, Geschäftsführer Papier Liebl GmbH, Regensburg
„Bei Privatkunden und auch bei vielen Unternehmen merken wir eine spürbare Investitionszurückhaltung: Entscheidungen ziehen sich, Angebote werden öfter erst mal auf Eis gelegt und Projekte werden in kleinere Schritte aufgeteilt. Man sieht aber auch Unterschiede: Wenn es um Effizienz, Sicherheit oder gesetzliche Vorgaben geht, wird eher investiert.“
Franz X. Breu, Geschäftsführer Breu Bürotechnik e. K., Furth im Wald
„Während die Zementindustrie insgesamt stark unter der Baukrise leidet, verzeichnen wir am Standort Burglengenfeld eine Sonderkonjunktur mit voller Auslastung. Dieser positive Trend ist jedoch ein lokaler Effekt und spiegelt nicht die schwierige Lage der gesamten Branche wider.“

Bernhard Reindl, Werkleiter Heidelberg Materials AG, Burglengenfeld