IHK-Standortumfrage: Note „gut“ mit Warnsignalen
Die Unternehmen in der Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim bewerteten ihren Standort und meldeten der IHK, was ihnen dort fehlt. Die Ergebnisse sind auch eine Hausaufgabe für die Kommunalwahl 2026.
Wenn Schlagworte wie „Deindustrialisierung“, „Standortkrise“ und „Transformationsdruck“ die Debatte beherrschen, sind Fakten unerlässlich. Alle fünf Jahre führt die IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim ihre große Standortumfrage durch. Das Ergebnis der neuesten Befragung 2025 unter knapp 730 Unternehmen quer durch alle Branchen liefert ein realistisches Bild. Anders als andere Standortrankings basieren die Ergebnisse nicht auf der amtlichen Statistik, sondern zeigen die unternehmerische Sicht auf den Wirtschaftsstandort.
IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes präsentierte zum Jahreswechsel die Ergebnisse, die eine klare Botschaft an die Politik senden: „Während die Standortzufriedenheit weitestgehend stabil ist, bricht die Investitionsfreude ein. Das ist ein ernstes Alarmsignal für den Kommunalwahlkampf.“
Klarer Auftrag an die Politik
Die IHK-Umfrage zeigt, woran es den Firmen in der Region fehlt. „Wir decken die standortrelevanten Missstände vor Ort auf und sensibilisieren die Politik und Verwaltung für den Bedarf der Unternehmen“, adressiert Helmes direkt einen Handlungsauftrag: „Politikerinnen und Politiker, die bei der Kommunalwahl 2026 Verantwortung übernehmen wollen, sollten notwendige Maßnahmen zur Verbesserung der Standortbedingungen vor Ort ergreifen. Die IHK steht ihnen mit ihren regionalen Gremien zum Dialog bereit.“
Gesamtnote 2,5 – Licht und Schatten
Die ansässigen Unternehmen geben der Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim im Durchschnitt die Schulnote 2,5. 11 Prozent der Betriebe vergeben die Note „sehr gut“, 49 Prozent geben dem Standort die Note 2. Es ist also noch Luft nach oben.
Die größten Standortschwächen sehen die Unternehmen in der Dauer von Genehmigungsverfahren, der Verfügbarkeit beruflich Qualifizierter, den digitalen Verwaltungsverfahren und dem Strompreis.
Positiv ist hervorzuheben: Die Region punktet auch mit weichen Standortfaktoren, wie etwa dem Sport-, Kultur- und Freizeitangebot sowie der Lebensqualität – was wichtig für die Fachkräfte-Akquise ist. Zu den größten Standortstärken zählen zudem die Zuverlässigkeit der Energieversorgung, die Loyalität und Motivation der Mitarbeitenden, die Qualität der Energieversorgung sowie die Erreichbarkeit des Unternehmens für Mitarbeitende und Kunden per Straße.
Investitionsbereitschaft halbiert / 8 Prozent erwägen Betriebsschließung
Besonders besorgniserregend ist der Blick in die Zukunft: Seit 2020 hat sich der Anteil der Unternehmen mit Erweiterungsplänen halbiert. „Das ist ein deutliches Zeichen für den Verlust der Standortattraktivität, getrieben durch bürokratische Hürden und hohe Kosten“, sagt IHK-Konjunkturexpertin Sibylle Aumer, die die Umfrage ausgewertet hat. Nur noch 28 Prozent der Betriebe planen Erweiterungen am Standort, 8 Prozent erwägen sogar Schließungen.
Um gegenzusteuern, wird die IHK gemeinsam mit ihren ehrenamtlich engagierten Unternehmerinnen und Unternehmern die auf die Gremien Amberg-Sulzbach, Cham, Kelheim, Neumarkt, Nordoberpfalz, Regensburg und Nordoberpfalz heruntergebrochenen Ergebnisse veröffentlichen. Dies dient als Auftakt, um konkrete Forderungen für die kommende Legislaturperiode direkt mit den Kandidaten zur Kommunalwahl 2026 zu diskutieren.
Teilnehmer: 730 Unternehmen (repräsentativ)
Gesamtnote: 2,5 (11 Prozent „sehr gut“, 49 Prozent „gut“)
Top-Stärken:
- Zuverlässigkeit der Energieversorgung
- Loyalität und Motivation der Mitarbeiter
- Lebensqualität (wichtig für Fachkräfte)
Top-Schwächen (Handlungsfelder für die Politik):
- Dauer von Genehmigungsverfahren
- Verfügbarkeit von beruflich qualifizierten Fachkräften
- Mangelnde digitale Verwaltungsverfahren
- Strompreis
Investitionsklima:
- Erweiterungsabsichten seit 2020 halbiert
- Nur 28 Prozent der Betriebe planen Erweiterungen
- 8 Prozent planen Betriebsschließungen