Wirtschaftsmotor Tourismus

Welche politischen Impulse braucht der Tourismus in der Region, um weiter erfolgreich zu sein? Darüber diskutierten die Mitglieder des Tourismusausschusses der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim im Hotel „Der Eisvogel“ in Bad Gögging. Gastgeberin Margit Zettl-Feldmann stellte den traditionsreichen Familienbetrieb vor, der mittlerweile in vierter Generation geführt wird. Eine besondere Auszeichnung erhielt in diesem Jahr Seniorchef Karl Zettl: Er wurde mit dem Preis der bayerischen Tourismusbranche für sein Lebenswerk geehrt.

Schnelles Handeln nötig

Im Fokus der Sitzung standen die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen der Branche. Ausschussvorsitzende Kathrin Fuchshuber berichtete von der jüngsten IHK-Konjunkturumfrage: „Nach einem leichten Aufwärtstrend im Frühjahr dieses Jahres – verbunden mit der Bundestagswahl und den Hoffnungen auf positive politische Weichenstellungen – sind die konjunkturellen Erwartungen für den Herbst 2025 leider wieder negativ ausgefallen. Nur einige Unternehmen aus der Tourismusbranche sind leicht positiv gestimmt und können zumindest auf einen relativ erfolgreichen Sommer zurückblicken.“
Hohe Energiepreise, die bevorstehende Mindestlohnerhöhung, steigende Kosten sowie der anhaltende Fachkräftemangel belasten die Betriebe. Fuchshuber forderte schnelle Impulse seitens der Politik und einen wirksamen Bürokratieabbau „Wir brauchen jetzt verlässliche Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Der Tourismus ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor für die Region – das muss auch in der Politik ankommen.“

Bedeutende Querschnittsbranche

Ausschussgeschäftsführerin Silke Auer stellte die aktuelle Studie „Wirtschaftsfaktor Tourismus“ vor. Bereits zum dritten Mal wurde die Untersuchung des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr (dwif) im Auftrag der IHK in Regensburg, der IHK Niederbayern sowie des Tourismusverbandes Ostbayern durchgefürt. Ziel der Studie sei es, die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus anhand belastbarer Zahlen zu untermauern.
„Weltweit zählt die Tourismusbranche zu den größten Wirtschaftszweigen und trägt auch in unserer Region maßgeblich zu Einkommen, Beschäftigung und regionaler Entwicklung bei“, betonte Auer. Der Tourismus sei eine klassische Querschnittsbranche. Egal ob Gastgewerbe, Einzelhandel, Dienstleister oder Zulieferer wie regionale Produzenten und Handwerksbetriebe, es gebe kaum einen Wirtschaftsbereich, der nicht vom Tourismus profitiere.

82.000 Arbeitsplätze in der Region

Die Untersuchung belegt die hohe Bedeutung des Tourismus für die Region Ostbayern: Der Bruttoumsatz in der Branche stieg von 4,4 Milliarden Euro (2014) auf 5,2 Milliarden Euro (2024). „Besonders hervorzuheben ist der Umsatz von 2,4 Milliarden Euro, der auf die Oberpfalz und den Landkreis Kelheim entfällt“, sagte Auer. Der Tourismus schafft in Ostbayern rund 82.000 Arbeitsplätze und generiert Einkommenseffekte von etwa 2,5 Milliarden Euro.
„Wesentlich für die Region ist der Tagestourismus, der mit 45,4 Prozent des Umsatzes einen Großteil des wirtschaftlichen Beitrags leistet“, so Tourismusexpertin Auer. Die Branche profitiere zudem von den Übernachtungen, die 2024 19,9 Millionen erreichten, wobei die durchschnittlichen Ausgaben der Touristen bei 144 Euro pro Tag lägen. Darüber hinaus stärke der Tourismus auch die Infrastruktur der Region, betonte Auer: „Aus den touristischen Umsätzen fließen etwa 573 Millionen Euro Mehrwertsteuer an den Bund. Die kommunalen Steuereinnahmen in Ostbayern belaufen sich auf etwa 481 Millionen Euro.“
Die Mitglieder des Ausschusses waren sich einig, dass der Tourismus ein treibender Wirtschaftsmotor sei – er sichere Einkommen, Arbeitsplätze und trage zur Lebensqualität in der Region bei. Damit die Betriebe auch künftig erfolgreich wirtschaften können, müsse die Politik baldmöglichst entscheidende Stellschrauben neu justieren. „Dazu zählt die Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes, der Abbau bürokratischer Hürden sowie die Sicherung der Bargeldzahlung. Die Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen auf sieben Prozent bleibt zudem eine zentrale Forderung, auch wenn sie vermutlich keine unmittelbare Preisreduzierung erwarten lässt“, fasste Ausschussvorsitzende Fuchshuber zusammen.