Wirtschaftsmagazin
Nr. 6977870
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Mercosur-Abkommen: Die Inhalte auf einen Blick

Aktuell sind 85 Prozent der europäischen Exporte in die Mercosur-Staaten noch mit Zöllen belegt. Jährlich verursachen diese rund vier Milliarden Euro Zusatzkosten. Mit dem Mercosur-Abkommen sollte sich das eigentlich grundlegend ändern. Doch das Abkommen wurde vom Europaparlament in die Warteschleife geschickt.
Tabelle mit Wirtschaftsdaten zu Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay
Von Gabriele Reinartz
„Mit dem Handelsabkommen zwischen den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay und der EU könnte die aktuell größte Freihandelszone der Welt mit 700 Millionen Menschen entstehen“, sagt Tim Müller, stellvertretender Leiter des Geschäftsbereichs International bei der IHK Gießen-Friedberg. „Schon heute sind in der Region rund 12.500 deutsche Unternehmen aktiv; zwei Drittel davon sind kleine und mittlere Betriebe. Durch das Abkommen mit seinen Handelserleichterungen könnten laut EU-Kommission die jährlichen EU-Exporte um bis zu 39 Prozent steigen und in der Europäischen Union 440.000 Jobs entstehen.“ Alles in allem würden deutsche und europäische Exportgüter im Mercosur-Markt wettbewerbsfähiger und Mercosur-Produkte für europäische Verbraucher erschwinglicher. So der Plan – wenn die Entscheidung des Europaparlaments nicht wäre, das Abkommen vom Europäischen Gerichtshof auf EU-Verträge-Tauglichkeit überprüfen zu lassen. Die Ratifizierung des Abkommens ist damit verschoben – gegebenenfalls um bis zu zwei Jahre. Eine vorläufige Anwendung der Verträge könnte jedoch möglich sein.

Vorteile für deutsche Unternehmen

Aus deutscher Sicht sprechen folgende Argumente für das Abkommen:
1. Deutsche Unternehmen erhalten einen besseren Zugang zu den Wachstumsmärkten mit einer Bevölkerung von rund 260 Millionen Menschen. Bisher schotten Brasilien und Argentinien ihre Märkte weitgehend ab.
2. Die Mercosur-Länder sind demokratische Rechtsstaaten, die traditionell eng mit Europa verbunden sind. Viele deutsche Unternehmen sind mit Tochtergesellschaften vor Ort und in die lokale Industrie integriert.
3. Auch wenn der Fachkräftemangel in Südamerika ebenfalls eine Herausforderung ist, gelingt es vielen deutschen Unternehmen, die dort vor Ort sind, motivierte Arbeitskräfte intern aus- und weiterzubilden und langfristig für sich zu gewinnen.
4. Durch die Partnerschaft kann die EU treiben. Denn die Länder in Südamerika sind nicht nur Vorreiter bei erneuerbaren Energien, sondern sie verfügen auch über kritische Rohstoffe.

Branchen, die vom Abkommen profitieren

Maschinenbau: Maschinen und Anlagen sind das wichtigste EU-Exportgut in den Mercosur-Markt. Laut Eurostat machten sie 2024 21,5 Prozent der gesamten EU-Exporte in die Region aus. Damit sind die Europäer noch die wichtigsten Maschinenlieferanten, wenngleich China rasant aufholt.
Automotive: Südamerika ist ein wichtiger Produktionsstandort für Autobauer und Kfz-Teile-Hersteller aus Europa. Viele deutsche Branchenunternehmen haben schon seit Jahrzehnten eigene Werke vor Ort wie beispielsweise Mercedes Benz, Volkswagen, Audi oder auch Suzuki.
Chemie: Chemische Erzeugnisse sind das zweitwichtigste Exportgut der EU in die Mercosur-Staaten. 2024 machten sie laut Eurostat 14 Prozent der EU-Ausfuhren aus. Die Südamerikaner können mit eigenen Chemiewaren ihren Bedarf nicht decken. Getrieben wird die Nachfrage vom Agribusiness, von der verarbeitenden Industrie und der Bauwirtschaft.
Pharmazeutika: Schon heute ist die EU der mit Abstand wichtigste Arzneimittellieferant der Mercosur-Staaten.
Ernährungswirtschaft: Deutsche Hersteller von Lebensmitteln und Getränken profitieren durch den Abbau von Zöllen und der nicht-tarifären Handelshemmnisse. 2023 importierten die Mercosur-Staaten aus Deutschland Nahrungsmittel und Getränke im Wert von 238 Millionen US-Dollar. Rund 79 Prozent dieser Importe entfielen auf Brasilien, gefolgt von Argentinien (14 Prozent), Paraguay (4 Prozent) und Uruguay (3 Prozent). In Brasilien werden vor allem deutsches Bier und Schokolade geschätzt. Nahezu die Hälfte des importierten Biers stammte 2024 aus Deutschland, während deutsche Schokolade 13 Prozent der Gesamtimporte ausmachte.
Insgesamt profitieren Verbraucher durch den Abbau von Zöllen, von potenziell niedrigeren Endpreisen und dem Zugang zu einem breiteren Sortiment an Produkten.
„Wie auch immer die Entscheidung am Ende ausgehen wird. Fakt ist, dass Europa verlässliche Handelspartner braucht. In geopolitisch instabilen Zeiten, wie wir sie zurzeit haben, sind sie umso notwendiger“, betont Müller.
Stand: 25.02.2026