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Zu wenig Köche für den Brei?
Seit der Corona-Pandemie hat sich auch im Gastgewerbe vieles verändert: Auch Hotels und Restaurants in der Region sind auf der Suche nach qualifizierten Fachkräften. Für das Wirtschaftsmagazin schildern sie ihre Erfahrungen und zeigen ihre Strategien auf, wie sie bei der Personalsuche vorgehen.
Mehr als zwei Millionen Beschäftigte, über 50.000 Auszubildende und viele zufriedene Gäste: Das deutsche Hotellerie- und Gastronomiegewerbe (Dehoga) ist ein wichtiger Dienstleistungssektor, der die Wirtschaft bundesweit und regional stützt. Doch in vielen Hotels, Restaurants und Cafés im ganzen Land fehlt qualifiziertes Personal. Die Corona-Pandemie hat das Gastgewerbe stark getroffen, das sich nicht von den Nachwirkungen erholt hat.
➡️ Lesen Sie dazu auch das Interview mit IHK-Vizepräsident und Gastronom Rainer Dietz: Fachkräftemangel im Gastgewerbe
Zwar hat sich die Fachkräftelücke laut Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) beinahe halbiert, doch die Gründe dafür stimmen wenig optimistisch. Denn: Steigende Kosten für Personal und Lebensmittel führen dazu, dass Betriebe seltener expandieren und weniger Stellen ausschreiben. Trotz oftmals verkürzter Öffnungszeiten bleibt jedoch der Mangel an qualifizierten Fachkräften bestehen. Dies zeigte die DIHK-Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn 2026, in der nur sechs Prozent der Dehoga-Betriebe mit mehr Beschäftigten rechneten.
Für eine hohe Qualität in Küche und Service braucht es genügend Fachkräfte – Gastronomen aus dem IHK-Bezirk geben Einblicke in die aktuelle Lage.
Nehmen auch die Betriebe im Bezirk der IHK Gießen-Friedberg den Fachkräftemangel wahr? Und wenn ja, was unternehmen sie dagegen? Wir haben mit Unternehmern im Gastgewerbe gesprochen.
Wenig Nachwuchs aus Deutschland
„Wir sind derzeit dünn besetzt“, sagt Marcus Geist, Betreiber des Restaurants Zeitgeist in Bad Nauheim. Gemeinsam mit seiner Frau Annika Geist zog der ehemalige Betreiber der Alten Klostermühle am Kloster Arnsburg nach einem Brand am alten Standort in das Teichhaus Bad Nauheim. Derzeit beschäftigt der Gastronom einen Koch, einen Beikoch, einen Auszubildenden sowie zwei Servicekräfte und einen Quereinsteiger. Dies reiche jedoch nicht immer aus. „Vor allem die Urlaubszeit wird schwierig“, verrät Geist. Im dazugehörigen Kiosk greift die Familie auf Aushilfen zurück.
Um qualifizierte Fachkräfte anzuwerben, arbeitet Zeitgeist mit Online-Stellenausschreibungen. „Über Instagram und über unsere Website versuchen wir, darauf aufmerksam zu machen“, unterstreicht Geist.
In Deutschland finden wir kaum noch Nachwuchs.
berichtet er. Diese Entwicklung habe mit der Pandemie begonnen. „Wir hatten großes Glück, dass ein ehemaliger Koch zurück zu uns gekommen ist und uns weiterhin unterstützt“, freut sich Geist.
Praktika als Einstiegsmöglichkeit
Markus Müller, Geschäftsführer des Landhaus Klosterwald in Lich, blickt bei der Personalsuche durchaus in die Ferne: „Wenn überzeugende Bewerbungen kommen, können wir uns ausländische Fachkräfte sehr gut vorstellen“, betont er. Derzeit beschäftigt der Hotellerie- und Gastronomiebetrieb sechs Auszubildende, von denen fünf in der Küche arbeiten. „Ein Azubi ist aus der Türkei, und wir sind sehr zufrieden“, hebt Müller hervor. Die Übrigen kommen aus der unmittelbaren Nähe, den Städten Lich und Hungen. Diese Nähe ist für Müller der Grund dafür, dass sein Landhaus keine Probleme mit dem Fachkräftemangel habe.
Wir bieten seit vielen Jahren Praktika für junge Menschen aus der Nähe an und machen sie auf diese Weise früh auf uns aufmerksam
verrät der Küchenchef.
Zurzeit beschäftigt der Betrieb 41 Mitarbeiter und schafft es damit, das ganze Jahr über von morgens bis abends geöffnet zu haben. „Ohne unsere hohe Anzahl an Beschäftigten wäre dies nicht möglich“, erklärt Müller und verweist darauf, dass nur wenige Restaurants auf dem Land jeden Tag geöffnet hätten. Als Familienunternehmen versucht das Landhaus Klosterwald, nicht zuletzt auch mit einem angenehmen Umfeld zu punkten, und setzt auf Ausbildung. „In den vergangenen 20 Jahren hat kein Azubi abgebrochen, worauf wir sehr stolz sind.“
Aushilfen statt fester Mitarbeiter
Jeremias Rockel, Geschäftsführer der Agentur Zweikopf und Betreiber der Zweibar Lauterbach, sitzt im Berufsbildungsausschuss des Dehoga-Landesverbandes Hessen. „Ich habe beim bundesweiten Treffen aller Landesverbände in Hannover wahrgenommen, dass wir den Fokus auch wieder mehr auf die Förderung qualifizierter regionaler Fachkräfte legen sollten“, berichtet er. Rockel findet, Projekte mit ausländischen Fachkräften müssten idealerweise deutschlandweit einheitlich gestaltet werden.
Seine Cocktailbar beschäftigt auch viele Aushilfen. „Derzeit sind wir nicht auf der Suche nach weiteren festen Mitarbeitern“, unterstreicht Rockel. In den vergangenen fünf Jahren sei es jedoch immer schwieriger geworden, motivierte Aushilfen zu finden und zu verpflichten. Die Firma plant eine eigene Eventlocation im ehemaligen Lauterbacher Güterbahnhof und wird dafür neues Personal einstellen müssen. Erfreuliche Zwischenbilanz: Eine Veranstaltungskauffrau konnte bereits als Auszubildende gewonnen werden.
Kontakt
Andreas Mertenbacher
Stand: 02.07.2026