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„Es sollte der Innovationskraft der Wirtschaft überlassen bleiben, verschiedene Antriebe zu entwickeln“
5 Fragen an Sebastian Retzlaff. Im Interview stellt sich der Betriebsleiter der Noweda eG in Langgöns und neuer Vorsitzender des IHK-Arbeitskreises Verkehr vor und spricht über die aktuelle Lage der Verkehrsbranche.
Sebastian Retzlaff von Noweda
Herr Retzlaff, Sie führen nun den Vorsitz im Arbeitskreis Verkehr. Bitte sagen Sie ein paar Worte zu Ihrem Werdegang.
Ich bin 45 Jahre alt und komme gebürtig aus der Rhön. Nach meiner Ausbildung zum Industriekaufmann, meinem BWL-Studium und zahlreicher Weiterbildungen war ich zunächst in einem technischen Großhandel tätig, bevor ich 2021 als Betriebsleiter bei Noweda in Langgöns begonnen habe. Ich bin verheiratet, habe vier Kinder und wohne in Weilburg. Privat engagiere ich mich ehrenamtlich für die IHK und den Naturschutzbund. Außerdem setze ich mich, vor allem auch im Betrieb, für Inklusion ein. Mir ist wichtig, nicht auf Einschränkungen zu blicken, sondern auf die Fähigkeiten der Menschen.
Welche Ziele haben Sie sich für den Arbeitskreis gesetzt?
Mir liegt vor allem die Vernetzung untereinander am Herzen, um dadurch gemeinsam Probleme lösen zu können. Zudem halte ich den Know-how-Transfer zwischen Jung und Alt für sehr wichtig – diesen Austausch möchte ich fördern.
➡️ Lesen Sie dazu auch unseren Bericht zum Arbeitskreis Verkehr
Noweda ist als Apothekergenossenschaft in der Versorgung der Menschen mit Arzneimitteln tätig. Wo liegen hier aktuell die größten Herausforderungen?
Wir arbeiten für die Apotheken und betrachten das aktuelle Apothekensterben mit Sorge. Auf Dauer wird das zu Versorgungsschwierigkeiten führen, vor allem im ländlichen Bereich. Unsere Aufgabe ist es, uns gegenüber der Politik für den Fortbestand einzusetzen und die Apotheken im Tagesgeschäft bestmöglich zu unterstützen – aber natürlich auch die Region optimal mit Arzneimitteln zu versorgen.
Welche Rolle spielen die gestiegenen Energiepreise infolge des Ukrainekriegs für Ihr Unternehmen?
Unsere Medikamente müssen in festgelegten Temperaturbereichen geliefert werden. Deshalb sind unsere Logistikfahrzeuge mit Kühleinheiten ausgestattet. Um diese zu betreiben, sind wir aktuell noch auf Dieselfahrzeuge angewiesen. Dementsprechend schlagen auch die gestiegenen Energiepreise bei uns enorm zu Buche. Für die Betriebsabläufe vor Ort haben wir eine leistungsfähige Photovoltaikanlage sowie eine Geothermieanlage, die unseren übrigen Energiebedarf so weit wie möglich deckt.
Kann der Ausbau der Elektromobilität den im Mobilitätsbereich tätigen Unternehmen mehr Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen bringen?
Im Bereich der Logistik bin ich skeptisch, ob E-Autos und E-Lkw kurzfristig fossile Brennstoffe ersetzen können. Aus meiner Sicht haben sie sich bislang noch nicht in dem Maße als zuverlässig und belastbar erwiesen, dass sie die herkömmlichen Antriebe vollständig ablösen könnten. Wenn man die Entwicklung aber verfolgt, bin ich mir sicher, dass in naher Zukunft auch für diese Bereiche viele gute Alternativen zur Verfügung stehen werden. Wichtig finde ich generell, dass das Ziel der CO₂-Neutralität nicht auf einen Energieträger reduziert wird. Dann bleibt es der Innovationskraft der Wirtschaft überlassen, verschiedene Antriebe zu entwickeln und zu nutzen.
Die Fragen stellte Barbara Czernek.
Kontakt
Daniel Kaiser
Stand: 29.05.2026