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Ein Netz für die Zukunft: Wie die junge Generation ein Traditionsunternehmen neu knüpft
Lea Baumbach wollte weg aus dem Ländlichen. Heute führt sie die Netzfabrik Rudolf Baumbach in Lauterbach in dritter Generation in die Zukunft. Und sie ist glücklich, dass sie diese Entscheidung getroffen und trotzdem ihre Freiheit hat.
Frankfurt, das duale Studium, die große Stadt – der Plan für die Zukunft stand für Lea Baumbach eigentlich fest. Weg aus dem heimatlichen Vogelsbergkreis, rein ins pulsierende Leben. Doch dann stellten ihre Eltern ihr die Frage, die alles veränderte: Ob sie sich vorstellen könne, die Netzfabrik Rudolf Baumbach GmbH zu übernehmen. Das Unternehmen, 1954 vom Großvater gegründet, sei nun bereit für die dritte Generation. Statt nach Frankfurt führte der Weg also zurück nach Lauterbach.
Anstatt in die Stadt in den Chefsessel
Ordner raus, Server rein
Lea Baumbachs erste Mission: die Digitalisierung. Stapelweise Ordner seien abgeschafft, ein Server aufgebaut und ein komplett neues Artikelnummernsystem erstellt worden, um die Prozesse vom Faden bis zum fertigen Netz nachvollziehbar und steuerbar zu machen, erzählt sie. Doch die Veränderungen betrafen auch andere Bereiche. Sie habe eine neue Führungskultur etabliert – mit regelmäßigen Mitarbeitergesprächen und einem offenen Austausch. „Früher wurde erst miteinander gesprochen, wenn es gebrannt hat. Ich finde es schöner, wenn Kleinigkeiten direkt angesprochen werden, sowohl von Mitarbeiterseite als auch von mir", erklärt sie. Dabei habe sie auch schwierige Entscheidungen nicht gescheut, etwa als sie konsequent gegen aufkeimendes Mobbing im Team vorgegangen sei. Ihr Führungsstil basiere auf Vertrauen, eine Haltung, die anfangs auch für Reibung mit der älteren Generation gesorgt habe. „Insgesamt hat mich mein Vater immer unterstützt und mich machen lassen. Natürlich kam nicht alles gut an. Mein Vater war zunächst zum Beispiel nicht davon überzeugt, dass ich freiere Arbeitszeitmodelle einführte", erzählt sie schmunzelnd. Doch sie habe sich durchgesetzt, überzeugt davon, dass Verantwortung und Freiheit Hand in Hand gehen. „Wenn ich meinen Mitarbeitern nicht vertrauen kann, wenn ich nicht da bin, dann habe ich die falschen Leute an meiner Seite. Heute kann ich beides vereinen: Das Unternehmen führen und trotzdem mal ein paar Tage am Stück in meiner Wohnung in Frankfurt verbringen, die Großstadt genießen und von dort arbeiten."
Ausgezeichnete Nachfolge: Der Hessische Gründerpreis
Produziert wird auf alten Maschinen. Der Vorteil: alles selbst einstell- und reparierbar.
Zwischen alten Maschinen und Künstlicher Intelligenz
Leas Großvater hatte die Netzfabrik Rudolf Baumbach gegründet. Was 1954 mit gehäkelter Babybekleidung in Heimarbeit begann, entwickelte sich nach einer Anfrage für ein Laufstallnetz zu einem Spezialisten für technische Netze aller Art. Heute finden sich die Produkte aus Lauterbach zum Beispiel in Passagierflugzeugen, in Wohnmobilen oder Autos als Ausfallschutz, als nachhaltige Spielzeugbeutel oder als Tornetze in Sporthallen. Aber auch Lifestyle-Artikel wie Netztaschen oder Tischläufer umfasst das Sortiment – ebenso nachhaltige, hochspezialisierte Produkte, wie Netze aus Basaltgarn, die mikroplastikfrei sind und in der Fischerei eingesetzt werden. Die Stärke des zwölfköpfigen Teams liege in der Flexibilität und der Fähigkeit, auch kleine, spezifische Chargen zu produzieren, erklärt Lea Baumbach. Möglich machten das teils jahrzehntealte Wirkmaschinen, die das Unternehmen selbst warten könne und somit völlig autark sei. Doch auf der Tradition ruht sich Lea Baumbach nicht aus. Die nächsten Schritte sind bereits geplant: ein komplettes Rebranding mit neuer Webseite und neuem Online-Shop steht bevor. Zudem prüfe sie – gemeinsam mit einem Unternehmen aus der Region – den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, um selbst die alten Maschinen über Sensoren und Videotechnik zu digitalisieren und Produktionsabläufe zu optimieren, erläutert sie. Um dem Fachkräftemangel in der speziellen Nische proaktiv zu begegnen, plane das Unternehmen ab diesem Jahr zudem erstmals, selbst auszubilden – zum Produktionsmechaniker Textil oder Maschinen- und Anlagenführer Textil.
Ein Appell an die nächste Generation
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Ann-Kathrin Oberst
Stand: 24.03.2026