Wirtschaftsmagazin
Nr. 7065306
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Aus Afrika in die deutsche Gastronomie

Das Projekt „African Skills 4 Germany“ bietet Betrieben aus dem Hotel- und Gastgewerbe eine neue Antwort auf den Fachkräftemangel: sorgfältig ausgewählte, sprachlich und fachlich vorbereitete Auszubildende aus Nigeria. Mit wenig bürokratischem Aufwand und enger Begleitung vom Matching bis nach dem Ausbildungsstart.
Der Fachkräftemangel trifft das deutsche Hotel- und Gastgewerbe (HoGa) besonders hart. Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, Schichten sind schwer zu planen, und gerade kleinere Häuser merken, dass klassische Rekrutierungswege zunehmend an ihre Grenzen stoßen. Genau hier setzt „African Skills 4 Germany“ (AS4G) an: Das Projekt bringt gezielt junge, motivierte Menschen aus Nigeria nach Deutschland, die hier eine duale Ausbildung im HoGa-Bereich beginnen möchten.
➡️ Lesen Sie dazu auch das Interview mit IHK-Vizepräsident und Gastronom Rainer Dietz: Fachkräftemangel im Gastgewerbe
Anders als bei der Rekrutierung bereits ausgebildeter Fachkräfte umgehen Betriebe mit diesem Ansatz die oft mühsame Anerkennung ausländischer Abschlüsse. Die Qualifizierung findet vollständig nach deutschen Standards im Rahmen der Ausbildung statt. Für Betriebe bedeutet dies weniger rechtliche Unsicherheit, eine klare Struktur und zugleich ein überschaubares finanzielles Risiko, weil zunächst ein Ausbildungsgehalt gezahlt wird und nicht ein volles Fachkräftegehalt.

Die Kandidaten sind sprachlich vorbereitet

Die Vorteile für Betriebe bringt Matthias Leder, Hauptgeschäftsführer der IHK Gießen-Friedberg, auf den Punkt:
Die Kandidaten sind sorgfältig ausgewählt, sprachlich vorbereitet, kulturell sensibilisiert und fachlich vorgebildet. Die Projektpartner begleiten die Unternehmen im Matching-Prozess sowie bei Fragen zu Ablauf, Dokumenten und Ausbildungspraxis. Eine Vermittlungsgebühr fällt dafür nicht an.
Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die Vorbereitung in Nigeria. Die ausgewählten Teilnehmer absolvieren innerhalb von rund elf Monaten einen intensiven Deutschkurs vom Niveau A1 bis B2 beim Goethe-Institut, inklusive einer offiziell anerkannten B1-Prüfung. Gegen Ende wird gezielt HoGa-spezifisches Vokabular eingeübt, damit die Kommunikation im Betrieb, mit Gästen und mit Kollegen möglichst schnell funktioniert.
Titelbild
Mit Freude dabei: die zukünftigen Gastronomiefachkräfte. © Tosin Olateru
Parallel dazu laufen kulturelle Trainings. Themen wie „Leben und Arbeiten in Deutschland“, „duales Ausbildungssystem“, „Rechte und Pflichten im Ausbildungsverhältnis“, „Arbeitsethik“ und „erste Schritte nach der Ankunft“ stehen auf dem Programm.
Besonders interessant für HoGa-Betriebe ist das praktische Pre-Training. Über zwölf Wochen erhalten die zukünftigen Azubis Einblicke in Grundlagen der Gastwirtschaft, Dienstleistungskultur, Küchen- und Serviceabläufe, Speisen- und Getränkekunde sowie organisatorische Aspekte des Hotel- und Restaurantbetriebs.

So läuft das Matching mit deutschen Betrieben

Der eigentliche Höhepunkt aus Sicht der Unternehmen ist die Matching-Phase. Hier kommen die vorbereiteten Kandidaten mit interessierten Betrieben zusammen. Die Betriebe erhalten im Vorfeld vollständige Unterlagen, darunter Lebensläufe, Motivationsschreiben und kurze Vorstellungsvideos auf Deutsch. Ein Kandidatenbuch mit Kurzprofilen erleichtert die erste Auswahl. Umgekehrt stellen die Betriebe Informationen zu Unternehmen, Standort, Ausbildungsberufen, Berufsschule, Vergütung und Rahmenbedingungen zur Verfügung. Auf dieser Basis entscheiden beide Seiten, mit wem sie Bewerbungsgespräche führen möchten. Die Gespräche erfolgen in der Regel digital, auf Wunsch nimmt ein Mitglied des Projektteams teil. Betriebe können selbst entscheiden, ob sie ein oder zwei Gespräche mit einzelnen Kandidaten führen wollen.

Unterstützung für Visa, Anreise und Start in Deutschland

Sind die Ausbildungsverträge unterschrieben, unterstützt das Projekt bei der Planung des Visumverfahrens und der Einreise. Sammeltermine beim deutschen Konsulat in Nigeria werden koordiniert, Unterlagen vorbereitet und Abläufe abgestimmt. Die Kosten für das Visum und die damit verbundenen Formalitäten können aus Projektmitteln gedeckt werden. Die Flugkosten nach Deutschland tragen die Kandidaten selbst – ein bewusst gesetztes Signal, dass sie auch finanziell Verantwortung für ihren Weg übernehmen. Dafür werden sämtliche übrigen Kosten wie zum Beispiel die Deutschkurse aus Projektmitteln finanziert.
Nach der Ankunft in Deutschland beginnt der entscheidende Abschnitt: der Einstieg in Betrieb, Berufsschule und Alltag. Betriebe können ihre neuen Auszubildenden – je nach Kapazität – bei der Wohnungssuche, Behördengängen oder organisatorischen Fragen unterstützen. Falls dies nicht möglich ist, steht ein externer Dienstleister zur Verfügung, der von der Projektseite geprüft wurde und den Betriebe bei Bedarf beauftragen können. Die Leistungen sind modular buchbar und müssen von den Unternehmen gezahlt werden. Begleitend stehen die Ausbildungsberater der regional zuständigen IHK zur Verfügung.
IHK-Hauptgeschäftsführer Leder fasst die Vorzüge so zusammen:
Für Betriebe bietet ‚African Skills 4 Germany‘ planbare, qualitativ gut vorbereitete Auszubildende aus Nigeria ohne Vermittlungsgebühr. Sprach- und Vorbereitungskurse, geringe bürokratische Anforderungen und feste Ansprechpartner erleichtern den Einstieg – und eröffnen neue Wege zur nachhaltigen Fachkräftesicherung im HoGa-Bereich.

Kontakt zu den Kandidatinnen und Kandidaten

Sie möchten die Kandidaten kennenlernen? Nachfolgend finden Sie einige ausgewählte Profile. Wer sich für einen dieser fünf Kandidaten interessiert, kann sich gern bei Andreas Mertenbacher melden. Es stehen noch weitere Kandidaten zur Auswahl.
Stand: 02.07.2026