Wirtschaftsmagazin
Nr. 7039234
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Nachhaltigkeit im Unternehmen: Warum sich Engagement auch ohne Pflicht lohnt

Seit März ist die sogenannte Omnibus-Verordnung der EU in Kraft. Damit wurden zwar die gesetzlichen Anforderungen an kleine und mittlere Unternehmen gelockert. Doch Kreditgeber oder Kunden dürften weiterhin Informationen zur Nachhaltigkeit einfordern.
Mit der sogenannten Omnibus-Verordnung der EU, die seit März in Kraft ist, haben sich die gesetzlichen Anforderungen an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) deutlich verändert. Zur Berichterstattung nach der Richtlinie über die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (Corporate Sustainability Reporting Directive; CSRD) verpflichtet sind nur noch Unternehmen ab 1.000 Mitarbeitern und ab einem Umsatz von 450 Millionen Euro. Außerdem erhalten KMU das Recht, Informationen zur Nachhaltigkeit nur noch im Umfang des freiwilligen Berichtsstandards für kleine und mittlere Unternehmen (Voluntary-SME-Standard; VSME) an große, berichtspflichtige Unternehmen herauszugeben.
Auf den ersten Blick könnte man meinen: „Dann müssen wir ja nichts mehr machen.“ Für Geschäftsführer von KMU kann Nichtstun jedoch zu einer gefährlichen und teuren Fehleinschätzung werden. Denn auch wenn der gesetzliche Druck sinkt, bleiben andere äußere Bedingungen bestehen.
Nachhaltigkeit umfasst drei Säulen: ökologische, ökonomische und soziale Aspek­te.
erläutert Andrea Bette von der IHK Gießen-Friedberg. Für KMU bedeutet das konkret: energieeffiziente Prozesse, ein wirtschaftlich zukunftsfähiges Geschäftsmodell und einen verantwortungsvollen Umgang mit Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden. Daran orientiert sich auch der VSME-Standard.

Vorteile gegenüber Banken und Kunden

Trotz gelockerter Berichtspflichten werden Kreditgeber, berichtspflichtige Großunternehmen, Kunden und Mitarbeiter weiterhin Informationen zur Nachhaltigkeit einfordern. Banken achten verstärkt auf nachhaltige Geschäftsmodelle, um den Anforderungen der EU-Gesetzgebung zu genügen. Kunden erwarten glaubwürdiges Engagement, weil ihnen der Klimaschutz wichtig ist. Großunternehmen brauchen Daten für ihre eigene Berichterstattung und Fachkräfte bevorzugen Arbeitgeber, die Verantwortung übernehmen. Wer hier transparent berichten kann, verschafft sich einen Wettbewerbsvorteil.
Nachhaltigkeit im Unternehmen 1
© AR LAW KA
Es lohnt sich also weiterhin, Angaben zur Nachhaltigkeit systematisch zusammenzutragen und sich dabei am VSME-Standard zu orientieren. Wer ohne Druck startet, kann die Datenerhebung sinnvoll in seine Prozesse integrieren und Kosten sparen.

Kostenlose Plattform für die Berichterstattung

Mit dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex (www.deutscher-nachhaltigkeitskodex.de) stellt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) eine Plattform zur Verfügung, die es KMU leicht macht, sich auf Basis des VSME-Standards der Nachhaltigkeitsberichterstattung zu nähern. Das kostenlose Tool leitet praxisnah durch den Bericht, enthält Checklisten oder Informationen über Webinare zur Berichterstattung.
Der Aufwand zahlt sich dabei nicht nur im Image aus. Wer seine Informationen bündelt, kann sie mehrfach nutzen:
  • Wer seine Daten kennt, kann Einsparpotenziale identifizieren, etwa durch eine Steigerung der Energieeffizienz oder die Reduzierung des Ressourcenverbrauchs. Das führt zu direkter Ersparnis und macht das Unternehmen widerstandsfähiger gegenüber steigenden Energiepreisen.
  • Zusätzlich können Förderungen – zum Beispiel für Investitionen in Energieeffizienz – in Anspruch genommen werden, wenn aus den Daten konkrete Maßnahmen abgeleitet werden.
Für die Geschäftsführung bedeutet das: Nachhaltigkeit ist kein lästiges Zusatzthema, sondern ein strategisches Instrument. Wer sein Unternehmen heute nachhaltig aufstellt, reduziert Risiken, stärkt die Marktposition und macht sich für Mitarbeiter und Geschäftspartner attraktiv.
Stand: 29.04.2026