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Internationale Fachkräfte "made in Mittelhessen"-
Wieso in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nahe liegt? So lautet das Motto des International Career Centers der Technische Hochschule Mittelhessen. Erklärtes Ziel ist es, internationale Studierende und Hochschulabsolventen mit Unternehmen in Mittelhessen zu vernetzen.
Die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) galt lange vor allem als Ausbildungsstätte für junge Menschen direkt aus der Region. Laut Anne Mittmann, Koordinatorin des International Career Centers (ICC) der THM, ist in den vergangenen zehn Jahren ein weiterer Akzent hinzugekommen: „Während deutsche Abiturientinnen und Abiturienten immer häufiger vor den Ansprüchen eines Ingenieurstudiums zurückschrecken, steigt das Interesse von jungen internationalen Talenten an einem deutschen Hochschulabschluss in den sogenannten MINT-Fächern.“ Die Abkürzung MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Derzeit studieren rund 1.600 junge Menschen aus dem Ausland in Bachelor- und Masterprogrammen an den beiden Standorten Gießen und Friedberg, Tendenz steigend. Darunter sind viele Studentinnen, die den Frauenanteil in den MINT-Fächern an der THM deutlich erhöhen.
Viele Hidden Champions aus der Region sind den internationalen Studierenden nicht bekannt.
Studentinnen und Studenten aus dem Nicht-EU-Ausland müssen in der Regel ihre finanzielle Unabhängigkeit nachweisen. „Die meisten finanzieren sich ihren Lebensunterhalt selbst und dürfen hierfür 20 Stunden pro Woche arbeiten“, führt Mittmann aus. Der Beratungsansatz sei, die Studierenden bei ihren Bewerbungen für studienbezogene Tätigkeiten, Praktika und Abschlussarbeiten zu unterstützen, damit sie so einen Fuß in die Tür von Unternehmen bekämen.
Deutschkenntnisse sind Studienvoraussetzung
Studiensprache und -voraussetzung ist in der Regel Deutsch auf C1-Niveau, auch wenn es vor allem am Campus Friedberg ein wachsendes englischsprachiges Masterangebot gibt: „Ein Großteil der Studierenden absolviert sein komplettes Studium auf Deutsch“, bestätigt Mittmann. Spätestens bei der Jobsuche für Praktika, Werkstudententätigkeiten oder Festanstellungen seien Deutschkenntnisse essenziell. „Im Gespräch erzählen viele internationale Studierende, dass sie nach dem Abschluss in der Region bleiben oder sogar selbst ein Unternehmen gründen wollen“, gibt Mittmann Einblicke in die Beratungspraxis. „Sie haben hier ihre Freunde, ihren Verein, ihren Sport, teilweise auch Familie und planen ihr Berufsleben in Deutschland.“
Unternehmen bekannter machen
Durch aktive Netzwerkarbeit mit Unternehmen und anderen arbeitsmarktrelevanten Akteuren wie der Bundesagentur für Arbeit möchte das ICC die Sichtbarkeit für regionale Unternehmen erhöhen. Um kleine und mittelständische Unternehmen mehr in den Fokus zu rücken, veranstaltet das International Career Center Unternehmenspräsentationen und ist offen für Kooperationsanfragen. Betriebe können sich auch auf der ICC-Webseite mit kurzen Steckbriefen oder Visitenkarten präsentieren lassen. Das ICC ist auch Teil des Fachkräftenetzwerks Wetterau. Zudem wurde, um regionale Unternehmen und internationale Studierende der Region zusammenzubringen, der Arbeitskreis „Internationale Talente für Mittelhessen“ gegründet, an dem auch Vertreter der IHK Gießen-Friedberg teilnehmen.
Ansprechpartner für Betriebe
Gleichzeitig sieht sich das ICC als Ansprechpartner für regionale Unternehmen, die internationale Absolventinnen und Absolventen der THM einstellen möchten, aber noch Fragen zu Aufenthaltstitel und Arbeitserlaubnis haben:
Im Gespräch mit Personalern hören wir immer wieder heraus, dass es oft Unsicherheiten bezüglich der Deutschkenntnisse, der Arbeitserlaubnis oder des Aufenthaltstitels gibt. Hierzu beraten wir gern. In der Regel melden wir uns auf eine Anfrage innerhalb eines Tages zurück
sagt Mittmann. Viele Bedenken ließen sich schnell zerstreuen: „Internationale Studierende sind nach Jahren des Studiums in Deutschland fest integriert. Sie haben ein Bankkonto, eine Wohnung, einen Aufenthaltstitel und eine Arbeitserlaubnis, sprechen oft mehrere Sprachen fließend und haben eine hohe interkulturelle Kompetenz – nur eben keine deutsche Staatsbürgerschaft.“ Mittmann sieht das pragmatisch: „Je mehr internationale Studierende nach ihrem Abschluss an der THM in der Region bleiben, desto mehr hochqualifizierte Fachkräfte stehen den Unternehmen zur Verfügung.“ Mit Blick auf demografischen Wandel, Digitalisierung und Klimaschutz sei es besonders wichtig, den Bedarf an qualifizierten Fachkräften im MINT-Bereich durch nachhaltige Fachkräftesicherung zu schließen. „Studien haben gezeigt, dass eine erfolgreiche Integration von akademischen Fachkräften auch die Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften aus dem Ausland fördert“, so Mittmann.
Internationale Absolventinnen und Absolventen der THM
Insgesamt studierten im Wintersemester 2025/26 rund 1.600 junge Menschen aus dem Ausland – inklusive EU-Ausland – an der THM.
Kontakt
Andreas Mertenbacher
Stand: 02.07.2026