Wirtschaftsmagazin
Nr. 7163064
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Gitarren aus Buseck für Musiker weltweit

Rund 1.000 Akustikgitarren verlassen pro Jahr die Werkstatt von Lakewood Guitars in Alten-Buseck auf dem Weg zu Händlern und Musikern in aller Welt. Dabei setzt das 1986 gegründete Unternehmen sowohl auf traditionelles Handwerk als auch auf innovative CNC-Technik.
Um einen aussagekräftigen Namen für sein Unternehmen zu finden, ließ Martin Seeliger 1986 seinen Finger über die Landkarte kreisen. Dabei blieb er am kleinen US-amerikanischen Örtchen Lakewood am Eriesee hängen. Der Name gefiel dem Zupfinstrumentenmacher-Meister, da er für ihn nach Freiheit und Abenteuer, aber auch nach Holz, Natur und Ferne klang. Bis dato hatte Seeliger unter seinem Namen den kleinen Musikalienfachhandel „Saitensprung“ in der Gießener Liebigstraße geführt.
Ein wichtiger Schritt in der Geschichte des damals noch jungen Unternehmens war 1988 der Umzug in eine ehemalige Zigarrenfabrik in Gießen-Rödgen. „Während in den 1980er-Jahren in Deutschland weitestgehend Konzertgitarren gefertigt wurden, schwappte der Sound der Westerngitarre, die zu den Akustikgitarren zählt, bereits langsam nach Europa über“, erzählt Seeliger. „Mich hat es gereizt, in Deutschland Akustikgitarren zu bauen.“ Bis zum heutigen Tag haben 37.000 solcher Gitarren die Werkstatt von Lakewood verlassen, 30 Prozent von ihnen sind ins Ausland gegangen, die wenigsten blieben in der Region.

Viele Kontakte zu prominenten Künstlern

„Unsere Kunden sind in der Regel Einzelhändler im In- und Ausland“, berichtet Martin Seeliger. In Asien sei es allerdings üblich, an Großhändler zu verkaufen, die wiederum die Gitarren an Einzelhändler veräußerten. In diesem Zusammenhang bedauert der Experte, dass es in Deutschland immer weniger Musikgeschäfte gebe. „Im Bezirk der IHK Gießen-Friedberg fällt mir keins ein.“
Natürlich finden auch Privatleute den Weg nach Alten-Buseck, um sich ihre Gitarre persönlich zu bestellen und oder abzuholen. Künstler wie Michael Patrick Kelly, Johannes Oerding, Max Giesinger, Gregor Meyle und Ritchie Blackmore – Gründungsmitglied der Hardrock-Band Deep Purple – besitzen mindestens eine Lakewood-Gitarre.
Wir pflegen nette Kontakte zu vielen Künstlern.
freut sich Seeliger. Auch viele „Gitarristen aus der zweiten Reihe“ zählten zu den Kunden. „Aktive Künstler mit nur einer Gitarre existieren nicht. Da sich nicht alle Ansprüche mit einem Instrument abdecken lassen, sind zehn bis zwanzig Gitarren der Normalfall. Eine gute Gitarre behält man jahrelang."

Anzahl der Sonderanfertigungen steigt

„Lakewood-Gitarren sind keine Gitarren für Anfänger“, erklärt der Unternehmer. Zwischen 2.000 und 10.000 Euro koste ein Instrument. „Bis zu 50 Prozent unserer Gitarren sind Sondermodelle, Tendenz steigend.“ Die teuerste Gitarre, die je verkauft wurde, sei aber nicht an einen Musiker gegangen, sondern für 14.000 Euro an einen Piloten aus Jakarta. „Die Gitarre wurde von einem Drachen geziert und das Griffbrett war sehr aufwendig“, erinnert sich Martin Seeliger. Ein anderer Kunde habe eine Gitarre im Farbton seines Porsches geordert. Dabei müsse eine Sonderanfertigung nicht unbedingt erheblich vom Normalpreis abweichen. „Es kommt unter anderem auf die gewünschte Holzart, die Lackierung oder die Intarsien an. Ein Preis von bis zu 6.000 Euro ist für ein Einzelstück normal, der Rest ist Ästhetik.“ Bei Lakewood Guitars stünden 30 Holzarten zur Auswahl bereit, je nachdem, welcher Klang vom Kunden gewünscht werde. „Wir stimmen die Instrumente auf die Wünsche der Spieler ab“, erklärt Seeliger. Traditionelles Handwerk und innovative Technik gehen bei Lakewood Hand in Hand: Für wiederkehrende Arbeiten werden Robotik und CNC-Maschinen verwendet, bei handwerklich anspruchsvolleren Arbeitsschritten sind hingegen die Erfahrung und Intuition der Lakewood-Mitarbeiter gefordert.
Lakewood Guitars auf einen Blick:
1986 Gründung
20 Mitarbeiter
37.000 gefertigte Gitarren seit der Gründung, davon ca.
50 Prozent Sondermodelle;
30 Prozent Export

Proben vor Ort

Nachdem Lakewood-Gitarren rund 34 Jahre in der ehemaligen Zigarrenfabrik in Gießen-Rödgen gefertigt worden waren, zog das Unternehmen Anfang 2022 ins Gewerbegebiet Alten-Buseck um. Drei Jahre zuvor hatte Seeliger das Gebäude erworben und es in Eigenleistung in eine große Gitarrenwerkstatt mit angeschlossenem Holzlager umgewandelt. In einem Showroom sind die Gitarren nicht nur ausgestellt, sondern können auch von den Kunden vor Ort gespielt werden. Nicht wenige Musiker nutzen die Gelegenheit, auf der hauseigenen Studiobühne ein kleines Konzert zu geben, das von dem Gitarrenbauer gern gefilmt und gestreamt wird. „Neben Mundpropaganda gewinnt die Werbung in den sozialen Medien immer mehr an Bedeutung“, berichtet Seeliger. Auch personell hat es eine Veränderung gegeben: Markus Hoppe – bereits seit mehr als zehn Jahren Teilhaber der Firma – wurde neben Martin Seeliger Co-Geschäftsführer.
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Knut Wagner beim Schnitzen der Deckenleisten. © Johannes Seeliger
Aktuell beschäftigt der Gitarrenbauer 20 Mitarbeiter, die alle aus der Region kommen. „Wenn wir einen passenden Auszubildenden finden, bilden wir pro Jahr auch einen Zupfinstrumentenbauer aus.“

Erweiterung des Geschäftsfeldes durch E-Gitarren

Während die meisten Unternehmen unter den Folgen von Corona zu leiden hatten, stellte die Pandemie für Lakewood einen „Beschleuniger“ dar. „Die Menschen waren mehr zu Hause und haben sich der Musik gewidmet“, erinnert sich Seeliger. Aktuell habe sich die Nachfrage wieder normalisiert. „Weltweit ist der Markt leider etwas zurückgegangen“, beobachtet er. Zur Erweiterung des Geschäftsfeldes hat das Unternehmen im vergangenen Jahr zwei E-Gitarren-Modelle ins Programm aufgenommen: Die beiden Modelle heißen „Tschabo“ (ein Begriff, der im Gießener Dialekt für „Freund“ steht) und „Brett“ (ein auch in der englischen Sprache gebräuchliches Wort). Darüber hinaus ist Lakewood Guitars seit beinahe zwei Jahren zertifizierter Servicepartner für akustische und elektrische Gitarren. Im Online-Shop der Lakewood-Webseite werden Zubehör und Merchandise für Gitarren angeboten. Für die Zukunft hat Seeliger einen Wunsch: „Es würde mich freuen, wenn mehr Frauen die überwiegend männlich dominierte akustische Gitarre für sich entdecken würden."
Stand: 03.09.2026