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Steuerabteilung im Wandel: Mit KI dem Fachkräftemangel und wachsenden Anforderungen begegnen
Wie kann es mit nur wenigen Mitarbeitern gelingen, im Steuerbereich ein Buchungsvolumen in Milliardenhöhe zu managen? Saskia Olbrich von der Döhler Group SE, einem Produzenten von Lebensmittelinhaltsstoffen, kennt die Antwort: mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI).
Frau Olbrich, welche besonderen Herausforderungen bestehen bei Döhler im Bereich Umsatzsteuer?
Saskia Olbrich von der Döhler Group SE
Aktuell betreuen wir 17 operative Gesellschaften in Deutschland, den Niederlanden und Polen mit mehr als 200.000 Belegen jährlich. Gleichzeitig haben wir sehr kurze Fristen: Buchungsschluss ist am fünften Werktag des Monats, die Umsatzsteuer-Voranmeldung muss bis zum siebten Werktag abgegeben werden. Das funktioniert nur, weil wir konsequent digitalisiert und automatisiert arbeiten. Ohne intelligente Systeme, insbesondere KI-gestützte Tools, wäre dieses Volumen in der geforderten Qualität mit unseren Ressourcen nicht zu bewältigen.
Wie haben sich Ihre Arbeit und die Anforderungen in den vergangenen Jahren verändert?
Döhler ist stark gewachsen. Gleichzeitig haben steigende gesetzliche Vorgaben und Compliance-Anforderungen die Steuer- und Prozessabläufe deutlich komplexer gemacht.
Welche KI-Lösungen setzen Sie ein?
Neben bestehenden Systemen wie SAP, das über KI-Elemente verfügt, nutze ich unsere Döhler-eigene KI, die auf unsere Anforderungen abgestimmt und datenschutzkonform aufgebaut ist.
Sicher spielt das Thema Datenschutz eine sehr wichtige Rolle.
Ja, Datenschutz ist bei der Einführung und Nutzung von KI-Systemen zentral. Man muss sehr sorgfältig prüfen, welche Daten in welche Systeme hochgeladen werden. Deshalb waren die Rechts- und Datenschutzabteilung eng in den Einführungsprozess eingebunden.
Wo setzen Sie KI besonders intensiv ein?
Ein zentrales Feld ist die Zolltarifierung. Dort nutzen wir eine KI-basierte Lösung, um Produkte automatisch den richtigen Zolltarifnummern zuzuordnen. Das beschleunigt den Prozess und sorgt für mehr Konsistenz. Die Fachprüfung bleibt bei uns, aber die KI liefert sehr gute Vorschläge und reduziert den manuellen Aufwand deutlich. Außerdem nutzen wir ein KI-Recherche-Tool, um Anfragen und Stellungnahmen zu bearbeiten. Es unterstützt uns bei fachlichen Recherchen, der Aufbereitung von Dokumentationen und bei Rückfragen aus Betriebsprüfungen. Wichtig war uns, dass das Tool nicht „halluziniert“ und dass wir eigene Dokumente einbinden können. So sparen wir viel Zeit in der Informationsbeschaffung und -aufbereitung.
Welchen Mehrwert sehen Sie durch den Einsatz von KI?
Unsere Arbeit verlagert sich dadurch weg von repetitiven Routinetätigkeiten hin zu Bewertung, Steuerung und Kontrolle. Die KI hilft uns, Massendaten vorab zu analysieren, Fälle vorab zu strukturieren und Informationen schneller verfügbar zu machen.
Der Finanz- und Steuerausschuss Saskia Olbrich referierte im Finanz- und Steuerausschuss der IHK Gießen-Friedberg. Der Ausschuss tagt in regelmäßigen Abständen in der IHKGeschäftsstelle in Gießen.
Spielt KI auch in Ihren Kontrollprozessen eine Rolle?
Ja, indirekt. Durch KI analysieren wir Massendaten automatisiert und identifizieren Auffälligkeiten in oder nahe an Echtzeit. So können wir umsatzsteuerliche Prozesse effektiver monitoren und gezielt Lücken in der automatisierten Steuerfindung schließen. Das Accounting geht noch einen Schritt weiter: In der Bankbuchhaltung wird Machine-Learning genutzt, um Buchungen automatisch zuzuordnen. Wo Regeln allein nicht ausreichen, lernt das System aus bisherigen Entscheidungen und erhöht nach und nach den Automatisierungsgrad.
Wie profitieren Sie an Ihrem Arbeitsplatz persönlich von KI?
KI unterstützt mich vor allem dabei, Wissen effizienter aufzunehmen und auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Ich lasse mir relevante Inhalte – etwa Newsletter, Fortbildungsthemen, neue gesetzliche Regelungen oder Urteile – von der KI aufbereiten und höre mir diese Zusammenfassungen während der Fahrt zur Arbeit als Podcast an. Aber keine Sorge, für das Hören von Musik bleibt auch noch Zeit.
Die Fragen stellte Finja Linnemann
Kontakt
Elke Dietrich
Stand: 03.09.2026