Use-Lab: Sicherheit auf dem Schirm

Torsten Gruchmann sieht die Welt der Medizintechnik grundsätzlich aus dem Blickwinkel der Anwender.
„Das medizinische Personal und die Patienten brauchen Geräte, die sich besonders in Stresssituationen schnell und intuitiv bedienen lassen“, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter der in Steinfurt ansässigen Use-Lab GmbH. Drückt der Patient etwa versehentlich zwei Mal auf die Taste der Infusionspumpe, kann das für ihn lebensgefährlich werden. Use-Lab beugt dem vor, zum Beispiel mit akustischem oder haptischem Feedback bei der Bedienung oder, noch sicherer, falls möglich: Wenn die Dosierempfehlung überschritten wird, alarmiert das System. Das ist nur ein Beispiel aus dem breiten Portfolio von Use-lab.

Der Knopf muss Finger ansaugen

Gruchmann hatte an der FH Münster den Fachbereich Biomedizinische Technik mit aufgebaut, um dann zu gründen. „Die MedTech-Industrie rief nach einem kommerziellen Partner im Bereich Usability Engineering“, erinnert sich Gruchmann. Seit 2004 komme zudem die Sicherheit des Bedienkonzepts auf den Prüfstand. An einer entsprechenden Norm, die in der EU maßgeblich ist, hat Gruchmann selbst mitgearbeitet. „Der ‚Knopf‘ auf der Maschine oder dem Display muss den Finger quasi ansaugen“, beschreibt er und fügt an: “Das zu berücksichtigen geht nur, wenn man früh genug im Entwicklungsprozess die zukünftigen Anwender mit einbezieht“. Use-Lab holt das Feedback unter anderem von medizinischem Fachpersonal, Patienten oder Laienanwendern zu neuen Software- und Hardwarekonzepten ein, um dann mit einem Team von Designern, Ingenieuren, Pflegekräften und Psychologen Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten, bevor das Produkt auf den Markt gebracht wird. Weltweit betreibt Use Lab diese Analysen und Evaluierungen. „Wir haben unter allen möglichen Rahmenbedingungen Studien gemacht“, berichtet Gruchmann. Oftmals wird für diese Studien ein realitätsnahes Umfeld benötigt, welches das Unternehmen auch im eigenen Haus in Steinfurt bereitstellen kann. Dann wird, je nach Produkt, beispielsweise ein Operationssaal, eine Intensivstation, eine radiologische Abteilung oder aber auch ein Wohnzimmer oder Badezimmer nachgestellt.

Navigation im Gehirn

Mit jedem Auftrag übernimmt Gruchmann viel Verantwortung, insbesondere, weil die Arbeit ein wesentlicher Bestandteil der Zulassung des Medizinproduktes gemäß der internationalen regulativen Anforderungen ist und die sichere Anwendung gewährleisten muss. So hat Use-Lab beispielsweise ein Navigationssystem mit Robotik-Unterstützung für chirurgische Eingriffe an Gehirn und Wirbelsäule mit entwickelt, die auf Basis radiologischer Bildgebungsverfahren vorgenommen werden. „Es geht dabei um die präzise Bewegung der Werkzeuge innerhalb des Körpers“, erklärt Gruchmann.