Wirtschaftsspiegel
Nr. 6981428
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Ein Mann im Blaumann schneidet ein Stück Metall, so dass die Funken fliegen.
Standort & Politik

Industrie verliert Tausende Arbeitsplätze

Die Industrie in Nord-Westfalen schrumpft schneller als es das jüngste EY-Industriebarometer vermuten lässt. Mehr als 3.800 Arbeitsplätze sind im vergangenen Jahr in Betrieben mit mindestens 50 Beschäftigten weggefallen. Und das könnte nur ein Teil der Entwicklung sein.
„Das absolute Ausmaß des Beschäftigungsabbaus in der Industrie zeigt sich erst, wenn die Bundesagentur für Arbeit Mitte des Jahres ihre Zahlen für 2025 veröffentlicht“, warnt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel. Denn schon die Halbjahreszahlen der Arbeitsagentur für 2025 liegen höher als die Ganzjahreswerte der EY-Studie.

Unterschiedliche Datengrundlagen

Das EY-Industriebarometer basiert auf der sogenannten Industriestatistik. Sie berücksichtigt nur Betriebe mit mindestens 50 Beschäftigten. Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit hingegen erfasst alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe – unabhängig von der Größe des Betriebs.
Bei den absoluten Zahlen herrscht hier eine erhebliche Diskrepanz.
Bundesweit weist das EY-Barometer einen Rückgang um 124.100 Beschäftigte aus (-2,3 Prozent). Für Nord-Westfalen ergibt die Auswertung der Industriestatistik durch die IHK einen Verlust von 3.815 Industriearbeitsplätzen im vergangenen Jahr – davon 2.424 im Münsterland (-2,1 Prozent) und 1.406 in der Emscher-Lippe-Region (-4,4 Prozent).

Der Rückgang trifft vor allem kleinere Betriebe

Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit für das erste Halbjahr 2025, die alle Industriebetriebe umfassen, zeigen bereits bis Mitte des Jahres einen Rückgang um 4.447 Stellen im IHK-Bezirk – 3.249 im Münsterland und 1.198 in der Emscher-Lippe-Region.
„Vor dieser Entwicklung haben die Industrie- und Handelskammern und die DIHK seit Jahren gewarnt“, sagt Jaeckel. An den Zahlen zeige sich auch, dass die meisten Stellen in kleinen und mittleren Unternehmen abgebaut werden.
„Das ist keine schleichende Deindustrialisierung, von der immer gesprochen wird“, betont der IHK-Hauptgeschäftsführer, „das sind Stellenverluste im Galopp“. Diese Entwicklung habe zudem direkte Auswirkungen auf andere Wirtschaftsbereiche, „da Aufträge und Kaufkraft aus der Industrie wegfallen“. Ein Industriearbeitsplatz sichere oder schaffe zwei bis drei Arbeitsplätze in anderen Branchen, etwa in der Logistik, in IT-Unternehmen oder im Handel.

Standortnachteile belasten die Industrie

Besonders stark spürt die Industrie nach Einschätzung der IHK die Standortnachteile im internationalen Wettbewerb. Die von der Bundesregierung auf den Weg gebrachten Maßnahmen wie verbesserte Abschreibungsbedingungen würden zwar helfen, „ändern aber an den strukturellen Standortnachteilen etwa durch höhere Arbeits- und Energiekosten nicht viel“, so Jaeckel.
„Die Wirtschaft erwartet, dass die Politik kurzfristig die Standortbedingungen verbessert“, betont der IHK-Hauptgeschäftsführer. „Wir brauchen dringend eine Wachstumsstrategie, die den Unternehmen Freiräume, Planungssicherheit und Perspektiven bietet.“