Wirtschaftsspiegel
Nr. 7055324
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Standort & Politik

Bauen für die IGA 2027

Im kommenden Jahr steigt die Leistungsschau der Gartenbaukunst im Ruhrgebiet. Damit alles grünt, blüht und funktioniert, waren und sind zahlreiche Unternehmen aus der Region im Einsatz. Der Wirtschaftsspiegel stellt zwei beteiligte Betriebe vor.
Fast 30 Jahre ist es her: Zur Bundesgartenschau (BUGA) 1997 in Gelsenkirchen verwandelte sich das Gelände der ehemaligen Zeche Nordstern – eine 100 Hektar große Industriebrache – in den Nordsternpark. Zur Internationalen Gartenbauausstellung (IGA) im kommenden Jahr im gesamten Ruhrgebiet werden gleich zwei der fünf „Zukunftsgärten“ hier in der Region sein: Der „Zukunftsgarten Gelsenkirchen“ und der „Zukunftsgarten Emscherland.
Der „Zukunftsgarten Gelsenkirchen“ soll auf rund 12.500 Quadratmetern zeigen, „wie zeitgemäße Gartenkultur, Klimaanpassung und Wassererleben harmonisch verschmelzen, so Hanspeter Faas, Sprecher der Geschäftsführung der IGA 2027 Ruhrgebiet gGmbH. Highlights sind unter anderem die „schwimmenden Beete“ und ein 3.000 Quadratmeter großer „Wechselflor“ (eine wechselnde Bepflanzung über mehrere Monate), der industrielle Geschichte und urbane Kultur in farbenfrohen Pflanzbildern sichtbar machen wird. Im Zukunftsgarten Gelsenkirchen wird zudem der ehemalige Kohlenbunker umgebaut. Eine Gastronomie im Erdgeschoss, Ausstellungsräume und eine Rooftop-Bar sollen das Gebäude beleben. Davor lädt das „Grün-blaue Band" zum Verweilen am Wasser ein.
Mit dem „Zukunftsgarten Emscherland“ – unter anderem mit Emscher-Terrassen zwischen dem namensgebenden Fluss und dem Rhein-Herne-Kanal – gibt es an der Stadtgrenze zwischen Castrop-Rauxel und Recklinghausen einen weiteren Publikumsmagneten.

Unternehmen aus der Region beteiligt

Beteiligt am Großprojekt IGA 27 sind zahlreiche Unternehmen aus der Region, darunter beispielsweise die Benning GmbH & Co. KG mit Sitz in Münster. Ihre Aufgabe bestand aus der Schaffung des „Bewegungsgartens“ auf dem Dortmunder IGA-Gelände. Der Bewegungsgarten konzentriert verschiedene Sportangebote wie Basketball und Fußball und gruppiert diese wie Inseln um eine zentrale Aufenthaltsfläche aus Rasenflächen und Bankelementen. „Grundsätzlich sind für solche komplexen Umsetzungen nur wenige Firmen im Garten- und Landschaftsbau in der Lage, so Benning-Geschäftsführer Wolfgang Große Jäger – Benning mit seiner über 100-jährigen Geschichte und Erfahrung gehöre dazu. Zu den Großprojekten des Münsteraner Unternehmens zählen unter anderem Neubau von Tiergehegen in den Zoos von Gelsenkirchen und Wuppertal sowie die neue Flaniermeile an der Hafensüdseite in Münster.
Für die IGA in Dortmund hatte sich der 75-Leute-Betrieb ursprünglich im Rahmen der öffentlichen Ausschreibung für die gesamten Außenanlagen beworben. Die Angebotssumme betrug mehre Millionen Euro. Allerdings: „Durch den Bauherrn wurde im Vorfeld eine mögliche Aufteilung der Arbeiten in Lose festgelegt. So kam es, dass wir letztlich in etwas kleinerem Umfang tätig wurden, als erhofft, so der Geschäftsführer. Das Los des Bewegungsgarten sei aber immer noch eine intensives und dankbares Projekt gewesen. In der Summe lagen die Kosten dafür bei rund einer Million Euro. Die Pläne erstellte ein ein Berliner Landschaftsarchitekturbüro. „Wöchentlich fanden entsprechende Baubesprechungen statt. Für die speziellen Sportangebote wurden zudem fachlich versierte Kollegen eingebunden, erläutert Große Jäger.
Eine stählerne Promenade mit Treppenaufgang neben einem Fluß.
Für die IGA 2027 stehen schon einige Bauwerke, zum Beispiel die Aussichtsplattform Skywalk in Duisburg, die die Firma MWM aus dem Westmünsterland errichtet hat. © MWM
Ebenfalls in Sachen IGA 2027 tätig ist die MWM Metalltechnik Westmünsterland GmbH mit den Standorten Legden und Ahaus. „Wir freuen uns sehr, als Nachunternehmer an mehreren Projekten mitwirken zu dürfen, so Prokurist Marcus Hilbring. „Die Aufträge wurden über öffentliche Ausschreibungen durch unsere Auftraggeber gewonnen.“ Das Unternehmen mit rund 90 Mitarbeitenden wurde mit der Umsetzung der Stahlbauarbeiten beauftragt.

„Unternehmen sammeln wertvolle Referenzen“

Zu den Projekten zählen unter anderem der „Haldensprung“ in Dortmund, also eine Brückenkonstruktion mit einer Länge von rund 160 Metern, eine weitere Brückenkonstruktion inklusive Geländer im Gelsenkirchener Nordstenpark sowie der Skywalk in Duisburg: eine Aussichtsplattform, für die rund 80 Tonnen Stahl verbaut werden. „Jede Brücke, jede Rampe und jede Aussichtsplattform bringt eigene technische Anforderungen und gestalterische Besonderheiten mit sich. Genau diese Vielfalt macht die Projekte für uns besonders spannend, sagt Hilbring. „Es erfüllt uns mit Stolz, einen Beitrag zur IGA 2027 leisten zu dürfen. Gleichzeitig hoffen wir, auch künftig weitere interessante und anspruchsvolle Projekte in diesem Bereich begleiten zu können.
Eine Tortengrafik zeigt, dass 42 Prozent aller Aufträge bei Gartenschauen in der Region bleiben.
In diese Richtung gehen auch die Aussagen von IGA-Chef Faas, selbst gelernter Gärtner und Diplom-Ingenieur für Gartenbau: „Unternehmen haben hier die Chance, an einem herausragenden Zukunftsprojekt mitzuwirken und ihre Expertise sichtbar zu machen. Die IGA 2027 steht für Qualität, Innovation und nachhaltige Entwicklung – wer sich beteiligt, kann und muss auf einem überdurchschnittlichen Qualitätsniveau arbeiten, positioniert sich klar im Wettbewerb und sammelt zugleich wertvolle Referenzen für weitere anspruchsvolle Projekte
, so Faas.
Rund 200 Gartenbaubetriebe sind in der Regel an einer Gartenschau wie der IGA beteiligt, sowohl aus dem Produktionsgartenbau – also Pflanzenproduzenten – als auch aus dem Dienstleistungsgartenbau, zu dem die Landschaftsgärtner gerechnet werden. „Allein diese Zahl zeigt, dass die IGA 2027 ein wichtiger Standortfaktor und ein echter Wirtschaftsmotor für die ganze Region ist, sagt Faas. Sie schaffe aber nicht nur unmittelbare Aufträge für den Garten- und Landschaftsbau und stärke die gesamte Wertschöpfungskette – von Planung über Ausführung bis hin zu Dienstleistungen. Sondern sie biete auch eine Bühne, auf der die Branche ihre Leistungsfähigkeit und Innovationskraft einem breiten Publikum weit über das Ruhrgebiet hinaus präsentieren könne. „Im Rahmen der IGA können Betriebe zeigen, welchen Beitrag sie zur nachhaltigen Entwicklung unserer Städte leisten
Internationale Gartenausstellung Metropole Ruhr
Die Internationale Gartenausstellung (IGA) 2027 findet vom 23. April bis 17. Oktober 2027 in der Metropole Ruhr statt und gilt als bedeutende Leistungsschau der Garten- und Landschaftsgestaltung. Im Zentrum stehen die drei Ausstellungsebenen „Zukunftsgärten, „Unsere Gärten“ und „Mein Garten, die unterschiedliche Perspektiven auf die Entwicklung und Gestaltung von Grünräumen eröffnen. Herzstück der IGA sind die fünf Zukunftsgärten, in denen innovative Konzepte für nachhaltige Stadtentwicklung, Klimaanpassung und neue Formen urbaner Lebensqualität präsentiert werden. Ziel der Ausstellung ist es, aufzuzeigen, wie sich eine ehemalige Industrieregion zu einer grünen, nachhaltigen und zukunftsfähigen Lebenslandschaft transformieren kann.
Zudem betonen die Organisatoren, dass die IGA 2027 weit über das Ausstellungsjahr hinaus wirken soll. „Sie hinterlässt nicht nur neue grüne Infrastrukturen und lebenswertere Stadträume, die mit Hilfe der Gartenbauwirtschaft entstanden sind, sondern sie gibt auch wichtige Impulse für Innovation und nachhaltiges Wirtschaften.“ Nicht zuletzt verspricht man sich davon auch, junge Menschen für eine Karriere im Garten- und Landschaftsbau zu interessieren.
Große Jäger von der Firma Benning sieht die IGA-Arbeiten als Prestige-Projekt von internationalem Charakter. „Daher war es eine reizvolle Aufgabe, sowohl für unsere Mitarbeiter als auch für das gesamte Unternehmen.“ Nicht nur im Ausstellungsjahr werde der Bewegungsgarten immer wieder in den Medien erscheinen. „Und wir können sagen, dass wir hieran mitgewirkt haben.