Wirtschaftsspiegel
Nr. 6975352
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Konjunktur in der Region
Standort & Politik

Konjunktur: Zwei Regionen, zwei Entwicklungen

Die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK Nord Westfalen zeigt eine wachsende Kluft innerhalb des Bezirks. Das Münsterland stabilisiert sich, die Emscher-Lippe-Region verliert weiter an Dynamik.

Mit 109 Punkten liegt der Konjunkturklimaindikator im Münsterland wieder deutlich im expansiven Bereich. In der Emscher-Lippe-Region fällt er auf 77 Punkte. Damit trennen beide Teilräume inzwischen mehr als 30 Zähler.
Die Ursachen sind strukturell. In der Emscher-Lippe-Region ist der Anteil energieintensiver Industrie höher, ebenso die Exportabhängigkeit. Entsprechend sensibel reagieren die Unternehmen auf internationale Nachfrageschwächen und auf hohe Energie- und Arbeitskosten. Das zeigt sich auch im Außenhandel: Während die Auslandsumsätze im Münsterland um 2,5 Prozent zulegten, gingen sie im nördlichen Ruhrgebiet um 7,8 Prozent zurück.
„Die Reformen, die die IHK seit Jahren fordert, sind Voraussetzung für einen sich selbst tragenden Aufschwung“, betonte IHK-Präsident Lars Baumgürtel die Dringlichkeit. Die Wirtschaft komme „nur richtig in Schwung, wenn Unternehmen wieder Vertrauen in den Standort haben und mit langfristiger Perspektive investieren“.
Zurückhaltung prägt weiterhin das Investitionsverhalten. Zwar plant gut ein Viertel der Betriebe höhere Ausgaben. Gleichzeitig will ein ähnlich großer Anteil Investitionen senken. „Rund zwei Drittel aller Betriebe investieren lediglich in Ersatzbeschaffungen“, betonte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel. Und in der Industrie nutze gut die Hälfte der Betriebe die Investitionen für Rationalisierungsmaßnahmen, was aus Sicht des Hauptgeschäftsführers den hohen Anpassungsdruck unterstreicht.

Die Entwicklung fügt sich in den bundesweiten Trend ein. Die Investitionen in Maschinen und Anlagen sanken zuletzt um 3,3 Prozent – der vierte Rückgang in Folge. Neue Produktionskapazitäten entstehen kaum. Auffällig ist die Gewichtung der Arbeitskosten. 60 Prozent der Unternehmen nennen sie als Risiko. Damit erreichen sie in der Umfrage einen Höchstwert. Die Lohnstückkosten der deutschen Industrie liegen deutlich über dem Durchschnitt vergleichbarer Industrieländer. Das Gesamtbild bleibt daher ambivalent: erste Stabilisierungstendenzen im Münsterland, struktureller Anpassungsdruck in der Emscher-Lippe-Region. Von einem flächendeckenden Aufschwung kann noch keine Rede sein.
Aller Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage bietet die IHK Nord Westfalen auf ihrer Website an.