Wirtschaftsspiegel
Nr. 7136704
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Standort & Politik

Erster Wasserstoff aus Lingen erreicht Marl

Der erste Elektrolyse-Wasserstoff aus dem niedersächsischen Lingen hat Marl im nördlichen Ruhrgebiet erreicht. Damit arbeiten alle Bausteine des integrierten Wasserstoffprojektes GET H2 Nukleus im Verbund erfolgreich zusammen.
Noch läuft der Prozess der Inbetriebnahme für die zwei 100-Megawatt-Elektrolyseanlagen von RWE in Lingen. Doch erste Mengen erneuerbaren Wasserstoffs werden nach EU-Regeln erzeugt. Diese fließen über ein rund 120 Kilometer langes Leitungsnetz der Fernleitungsnetzbetreiber Nowega und OGE sowie der Evonik-Tochter SYNEQT zum Chemiepark Marl der Evonik. Dort wird der Wasserstoff eingesetzt.
Die Leitungen gehören zu den ersten Teilen des Wasserstoff-Kernnetzes, das bundesweit Stück für Stück aufgebaut wird. „Mit dem GET H2 Nukleus gehen unsere ersten Wasserstoffleitungen in den Netzbetrieb. Das ist ein wichtiger Schritt für den Aufbau der Wasserstoffwirtschaft in der Region und in Deutschland“, sagt Thomas Hüwener, CEO von OGE. „Zugleich schaffen wir mit dem Projekt wichtige Grundlagen für das zukünftige Marktdesign und erproben zentrale Prozesse wie Netzzugang, Kapazitätsbuchung und Bilanzierung im realen Betrieb.“
Nikolaus Valerius, CEO der RWE Generation SE: „Dass zertifiziert erneuerbarer Wasserstoff aus Lingen über Leitungen Marl erreicht, zeigt: Das Zusammenspiel von Elektrolyse, Transportinfrastruktur und Abnahme funktioniert. In Richtung vollständige Inbetriebnahme unserer Elektrolyseure geht es jetzt zügig weiter. In den nächsten Monaten bereiten wir die Anlagen auf den kommerziellen Betrieb vor.“
Teile des GET H2 Nukleus werden vom Bund sowie von den Ländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen im Rahmen des IPCEI-Programms (Important Projects of Common European Interest) Hy2Infra gefördert.

RWE nimmt in Lingen bis Ende 2026 eine Elektrolyseleistung von 200 Megawatt in Betrieb; ab 2027 soll die gesamte Anlage mit 300 Megawatt produzieren. Der in den Elektrolyseanlagen von RWE hergestellte Wasserstoff erfüllt die EU-Anforderungen für erneuerbare Kraftstoffe nicht-biologischen Ursprungs (RFNBO). Abnehmer erhalten dafür Nachhaltigkeitsnachweise und können den Wasserstoff somit auf ihre Dekarbonisierungsziele anrechnen.
Weitere Leitungsprojekte, die an den GET H2 Nukleus anknüpfen, sind bereits fertiggestellt oder in Umsetzung. Hierzu zählt die Ende 2025 von OGE und Nowega fertiggestellte 10 Kilometer lange Neubauleitung von Heek nach Epe zur Anbindung des Wasserstoffspeichers. RWE Gas Storage West startet hier Ende 2026 mit der Befüllung des ersten kommerziellen Kavernenspeichers für Wasserstoff in Europa, der Mitte 2027 in Betrieb gehen will. Um weitere Industriekunden anzubinden, wird ebenfalls von OGE und Nowega bis 2027 eine bestehende Leitung von Legden nach Dorsten auf Wasserstoff umgestellt und eine Leitung von Dorsten nach Marl neu gebaut. Bereits fertiggestellt ist zudem eine Leitung, mit der die SYNEQT den Chemiepark Marl und die Raffinerie in Gelsenkirchen-Scholven verbindet.