IHK-Befragung: Steigende Arbeitskosten und Mindestlohnerhöhung – Wirtschaft warnt vor Wettbewerbsrisiken
Die Unternehmen in Deutschland – und insbesondere in Thüringen – schlagen Alarm: Über 80 Prozent der bundesweit befragten Betriebe erwarten in den kommenden Jahren deutliche Belastungen durch steigende Arbeitskosten und zunehmende Personalengpässe. Das geht aus dem aktuellen Fachkräftereport der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) hervor, an dem auch zahlreiche Thüringer Unternehmen teilgenommen haben. Für den Kammerbezirk der IHK Erfurt zeichnen sich dabei besonders kritische Entwicklungen ab.
Haupttreiber: Mindestlohnerhöhung und zunehmender Fachkräftebedarf
Die Ergebnisse zeigen deutlich: Die Wirtschaft sieht sich nicht nur mit akuten Fachkräfteengpässen konfrontiert, sondern auch mit einem strukturell bedingten Anstieg der Arbeitskosten. Die zum 1. Januar 2026 erfolgte Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns auf 13,90 Euro – mit einem weiteren Anstieg auf 14,60 Euro im Jahr 2027 – wirkt dabei als zusätzlicher Kostentreiber.
Eine aktuelle Sonderauswertung der letzten DIHK-Konjunkturumfrage verdeutlicht:
- Rund jedes zweite Unternehmen plant infolge der Mindestlohnerhöhung Anpassungen im gesamten Lohngefüge.
- Betroffen sind nicht nur Mindestlohnbeschäftigte, sondern auch Fachkräfte in mittleren Entgeltgruppen.
- Diese Lohnanpassungen gehen oftmals mit pessimistischen Geschäftserwartungen einher.
Branchen im Überblick: Besonders Industrie, Bauwirtschaft und Handel in Thüringen betroffen
Industrie:
67 % der Industrieunternehmen im Kammerbezirk sehen steigende Arbeitskosten als erhebliches Risiko. Mit einem industriellen Stundenlohn von 48,30 Euro liegt Deutschland rund 43 % über dem EU-Durchschnitt – ein klarer Wettbewerbsnachteil.
67 % der Industrieunternehmen im Kammerbezirk sehen steigende Arbeitskosten als erhebliches Risiko. Mit einem industriellen Stundenlohn von 48,30 Euro liegt Deutschland rund 43 % über dem EU-Durchschnitt – ein klarer Wettbewerbsnachteil.
Bauwirtschaft:
58 % der Bauunternehmen erwarten eine zusätzliche Kostenbelastung. Durch staatlich initiierte Investitionsprogramme (Sondervermögen Infrastruktur des Bundes, Kommunales Investitionsprogramm Thüringen) könnte der Wettbewerb um Fachkräfte noch weiter verschärft werden.
58 % der Bauunternehmen erwarten eine zusätzliche Kostenbelastung. Durch staatlich initiierte Investitionsprogramme (Sondervermögen Infrastruktur des Bundes, Kommunales Investitionsprogramm Thüringen) könnte der Wettbewerb um Fachkräfte noch weiter verschärft werden.
Handel und Dienstleistungen:
Auch hier rechnen mehr als die Hälfte der Betriebe mit steigenden Arbeitskosten, was sich zunehmend auf das Preisniveau niederschlagen kann.
Auch hier rechnen mehr als die Hälfte der Betriebe mit steigenden Arbeitskosten, was sich zunehmend auf das Preisniveau niederschlagen kann.
Erhöhter Aufwand für Fachkräftesicherung belastet zusätzlich
Neben der Lohnentwicklung treiben die Unternehmen erhebliche Investitionen in die Fachkräftesicherung um:
- Flexible Arbeitsmodelle,
- familienfreundliche Angebote,
- Digitalisierung und Qualifizierung,
- sowie die Integration ausländischer Fachkräfte (Sprachkurse, Wohnraum, Behördenhilfe) erfordern finanzielle und organisatorische Ressourcen.
Diese Maßnahmen sind zwar notwendig – jedoch in ihrer Wirksamkeit gefährdet, wenn parallel politisch induzierte Kostensteigerungen erfolgen.
Wettbewerbsfähigkeit braucht wirtschaftspolitisches Augenmaß
„Unsere Unternehmen stehen unter massivem Druck – durch konjunkturelle Schwächen und strukturelle Belastungen. Steigende Arbeitskosten, vor allem durch die Mindestlohnerhöhung, verschärfen die Lage und gefährden die Wettbewerbsfähigkeit – besonders in industriell geprägten Regionen wie Thüringen. Löhne müssen leistungsgerecht und tragfähig sein. Unsere Betriebe investieren bereits in attraktive Arbeitsbedingungen, Qualifizierung und Integration. Diese Anstrengungen dürfen nicht durch politisch verursachte und strukturell bedingte Kostensteigerungen konterkariert werden. Was es jetzt braucht, ist wirtschaftspolitische Verlässlichkeit, weniger Bürokratie und eine gezielte Entlastung der Unternehmen – nur so sichern wir Beschäftigung, Fachkräfte und unseren Mittelstand“, so Dr. Cornelia Haase-Lerch, Hauptgeschäftsführerin der IHK Erfurt.