09.06.2026
Statement zum Gipsabbau zur heutigen Entscheidung des OVG Thüringen zum Gipsabbau im Südharz
Statement der Hauptgeschäftsführerin der IHK Erfurt, Dr. Cornelia Haase-Lerch, zur heutigen Entscheidung des OVG Thüringen zum Gipsabbau im Südharz:
Dr. Cornelia Haase-Lerch, Hauptgeschäftsführerin der IHK Erfurt„Die Entscheidung trifft die heimische Rohstoffwirtschaft und die regionale Wertschöpfung in Nordthüringen spürbar. Der Fall Casea zeigt, wie dringend Thüringen eine Rohstoffpolitik braucht, die Unternehmen Planungssicherheit gibt und Naturschutz mit wirtschaftlicher Versorgungssicherheit zusammenführt.Gips und Anhydrit sind keine Randthemen, sondern wichtige Grund- und Massenrohstoffe für Bauwirtschaft, Industrie und regionale Wertschöpfung. Das Urteil ist selbstverständlich zu respektieren. Politisch muss daraus aber die Konsequenz folgen, Rohstoffsicherung in der Landes- und Regionalplanung frühzeitig und als gleichrangiges öffentliches Interesse zu berücksichtigen.Die seitens der Landesregierung in Arbeit befindliche Thüringer Rohstoffstrategie muss heimische Potenziale sichern, Recycling stärken, Verfahren beschleunigen und regionale Wertschöpfungsketten erhalten. Wer regionale Rohstoffgewinnung pauschal ausschließt, muss beantworten, woher diese Rohstoffe künftig kommen sollen.“
Begleitende Positionierung
Der Fall Casea macht deutlich, dass Rohstoffpolitik nicht erst im konkreten Konfliktfall beginnen darf. Thüringen braucht eine vorausschauende Rohstoff- und Recyclingstrategie – als Teil aktiver Standort-, Industrie- und Resilienzpolitik, die Rohstoffbedarfe der Wirtschaft systematisch erfasst, geeignete Flächen langfristig sichert und regionale Wertschöpfungsketten stärkt. Das betrifft nicht nur kritische Rohstoffe, sondern ausdrücklich auch industrielle Grund- und Massenrohstoffe wie Gips, Anhydrit, Kalk oder Kies.
Naturschutz und Rohstoffgewinnung dürfen dabei nicht gegeneinander ausgespielt werden. Gerade in sensiblen Räumen wie dem Südharz braucht es transparente Abwägungen, klare Zuständigkeiten, rechtssichere Verfahren und tragfähige Rekultivierungs- und Nachnutzungskonzepte. Rohstoffsicherung muss in Landes- und Regionalplanung frühzeitig berücksichtigt werden – auch für Lagerung, Umschlag, Aufbereitung, Logistik und Recycling.
Die IHK Erfurt steht für eine Rohstoffpolitik mit Augenmaß: natürliche Lebensgrundlagen schützen, heimische Rohstoffpotenziale verantwortungsvoll nutzen, Importabhängigkeiten reduzieren und industrielle Wertschöpfung im Freistaat sichern. Diese Linie entspricht auch der IHK-Stellungnahme zur Thüringer Rohstoffstrategie, die unter anderem eine stärkere Verankerung von Recycling, regionalen Wertschöpfungsketten, langfristiger Rohstoffsicherung und beschleunigten Genehmigungsverfahren fordert.