20.05.2026
IHK Erfurt fordert Belastungsmoratorium bei EU-Entgelttransparenzrichtlinie
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt fordert ein Belastungsmoratorium bei der Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie in nationales Recht. Mit der Richtlinie (EU) 2023/970 verfolgt die Europäische Union das Ziel, die Entgeltgleichheit von Frauen und Männern durch mehr Transparenz und stärkere Rechtsdurchsetzung zu fördern. Aus Sicht der IHK Erfurt drohen mit der Umsetzung jedoch erhebliche zusätzliche Belastungen für die Unternehmen, neue Rechtsrisiken, Bürokratieaufwand sowie spürbare Eingriffe in unternehmerische Freiheits- und Gestaltungsräume.
Die Vollversammlung der IHK Erfurt hatte sich in ihrer letzten Sitzung mit den absehbaren Folgen der Richtlinie für die betriebliche Praxis befasst. Ein fundierter Praxisimpuls aus dem Kreis der Vollversammlung machte deutlich, welche konkreten Betroffenheiten und Verschlechterungen insbesondere für mittelständische Unternehmen entstehen können. Auf dieser Grundlage sowie anhand weiterer Rückmeldungen aus den Mitgliedsunternehmen hat die IHK Erfurt eine Positionierung erarbeitet.
„Aus Sicht der IHK Erfurt drohen mit der Umsetzung jedoch erhebliche zusätzliche Belastungen für die Unternehmen, neue Rechtsrisiken – etwa durch arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen, innerbetriebliche Konflikte über Vergütungsstrukturen und öffentliche Fehlinterpretationen von Entgeltdaten – sowie spürbare Eingriffe in unternehmerische Freiheits- und Gestaltungsräume sowie zusätzlicher Bürokratieaufwand. Besonders problematisch ist das in einer Zeit, in der die Wirtschaft bereits unter hohen Kosten, Fachkräftemangel und wachsendem internationalen Wettbewerbsdruck steht. Gerade kleine und mittlere Unternehmen werden die Folgen überproportional spüren“, erklärt Peter Zaiß, Präsident der IHK Erfurt.
Nach Auffassung der IHK Erfurt steht die Richtlinie im Widerspruch zu dem auf europäischer Ebene zugleich verfolgten Ziel einer besseren Rechtsetzung sowie der Vermeidung und des Rückbaus bürokratischer Lasten. Unternehmen müssten Vergütungsstrukturen analysieren und dokumentieren, Personal- und IT-Systeme anpassen, Auskunfts-, Berichts- und Unterrichtungspflichten erfüllen sowie zusätzliche Compliance-Anforderungen bewältigen. Besonders der Mittelstand werde dadurch personell, organisatorisch und finanziell erheblich belastet.
Weitere Informationen und die Inhalte der Positionierung sind auf der Website der IHK Erfurt zu finden.