Ergebnisse einer IHK-Umfrage

Wirtschaft von explodierenden Energiepreisen bedroht

Der russische Angriff auf die Ukraine und die wirtschaftlichen Gegenmaßnahmen der EU und der USA sind gut drei Wochen nach Kriegsbeginn stark zu spüren.  Lieferschwierigkeiten und Energiepreise auf Rekordhöhe machen derzeit der Weltwirtschaft zu schaffen – und sie treffen auch regionale Unternehmen sämtlicher Branchen und Größenklassen. Das zeigt eine aktuelle Blitzumfrage der IHK zu Dortmund, an der sich über 100 Unternehmen aus Dortmund, Hamm und dem Kreis Unna beteiligt haben. Bundesweit wurden mehr als 3.700 Betriebe befragt.
Über alle Wirtschaftszweige hinweg meldet in der IHK-Region jedes vierte Unternehmen, direkt durch die Auswirkungen des Ukraine-Krieges betroffen zu sein. Gut jeder zweite Betrieb gibt an, indirekt – etwa wegen steigender Preise – konfrontiert zu sein. „Drei Viertel aller Unternehmen spüren die wirtschaftlichen Folgen des Krieges und sorgen sich vor weiteren Einschränkungen“, sagt Heinz-Herbert Dustmann, Präsident der IHK zu Dortmund. Höhere Energiekosten spüren fast 85 Prozent der Unternehmen, Störungen in der Liefer- und Logistikkette immer noch 68 Prozent. „Es ist deshalb dringend erforderlich, dass gerade jetzt Logistikunternehmen staatliche Unterstützung erhalten, um die gestiegenen Energiepreise kurzfristig kompensieren zu können“, so Dustmann. Große Unsicherheiten werden auch in fehlenden Rohstoffen und Vorleistungen (43 Prozent), in der Zunahme von Handelshemmnissen (33 Prozent) und dem Verlust von Geschäftspartnern (34 Prozent) gesehen.   
Fast zwei Drittel der Unternehmen sehen sich gezwungen, gestiegene Preise an Kunden weiterzugeben (60 Prozent). Zudem reagieren sie auf die Herausforderungen, indem sie den Lagerbestand erhöhen wollen (32 Prozent). Weitere unternehmerische Maßnahmen betreffen die Suche nach neuen Lieferanten (27 Prozent) oder die Reduktion von Investitionen (25 Prozent). Personalanpassungen ziehen rund 15 Prozent in Erwägung.
Die Ergebnisse der Umfrage verdeutlichen, dass ein energiepolitischer Kurswechsel unbedingt erforderlich ist. Denn: „Die Abhängigkeit Deutschlands von der Energie aus Russland wird aktuell und mittelfristig zu Versorgungsengpässen und drastischen Preiserhöhungen führen“, betont Dustmann. Daher müsse die deutsche Energiepolitik alle bisherigen Entscheidungen zu Ausstiegs- und Einstiegspfaden sowie Energie-Bezugsquellen auf den Prüfstand stellen. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien müsse weiter mit höchster Priorität beschleunigt werden.
Für IHK-Präsident Dustmann ist klar: „Wenn Gas kurzfristig nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung steht, wird eine gesicherte Leistung aus anderen Energieträgern benötigt. Jetzt müssen alle Optionen geprüft werden.“ Hierzu zähle auch eine etwaige Laufzeitverlängerung bestehender Kraftwerke, die nun technisch und vorbehaltslos von den Regulierungsbehörden vorgenommen werden sollte. Bestehende Ausstiegsgesetze seien neu zu bewerten. Auch die Brennstoffversorgung der Kraftwerke müsse sichergestellt werden. Damit die Laufzeitverlängerung als Option bestehen bleiben könne, solle die Bundesregierung einen Weiterbetrieb nun unverzüglich vorbereiten. Ein Abschalten von weiterer Leistung würde zum jetzigen Zeitpunkt die Versorgungssicherheit gefährden und die Preisentwicklung für Strom weiter anheizen. Bevor es zu einer Priorisierung bei der Gasversorgung komme, sollten die Auswirkungen einer Verknappung auf die Wirtschaft und auf die Versorgung von kritischen Produktionsbereichen etwa in der Lebensmittelindustrie geprüft werden. Das knappe Gas solle schnellstmöglich aus der Stromproduktion herausgenommen werden.
Der Wertverlust des Euros befeuert den Preisanstieg der Energieträger. Das schränkt die internationale Wettbewerbsfähigkeit ein und heizt die Inflation an. Schon heute stellen die explosionsartig gestiegenen Energiepreise eine so große Belastung dar, dass Unternehmen in Teilen bereits jetzt die Produktion einstellen. Dustmann: „Wir fordern daher die Bundesregierung auf, die Steuern und Abgaben auf Energie in dieser besonderen Marktlage auf das gesetzliche Mindestmaß zurückzunehmen, um die Wirtschaftlichkeit der heimischen Produktion zu sichern.“
18. März 2022