12.02.2026
Digitale Souveränität der Wirtschaft unbefriedigend
Digitalisierungsumfrage der IHK für Oberfranken Bayreuth zeigt Abhängigkeiten auf
Die jüngste Digitalisierungsumfrage der IHK für Oberfranken Bayreuth macht deutlich, dass die Abhängigkeit der Unternehmen im IT-Bereich von Anbietern außerhalb der EU sehr hoch ist. "Aber auch die wachsende Zahl von Cyberattacken, der zähe Fortschritt bei der Digitalisierung der Verwaltungen und das in Teilregionen weiter langsame Internet setzt unsere Unternehmen unter Druck", so Wolfram Brehm, Hauptgeschäftsführer der IHK für Oberfranken Bayreuth.
Die aktuellen geopolitischen Krisen verdeutlichen, dass technologische Abhängigkeiten ein erhebliches strategisches Risiko darstellen. Dies betrifft nicht nur die Sicherheit Deutschlands insgesamt, sondern wirkt sich auch direkt auf die Unternehmen in Oberfranken aus. "So herausfordernd es auch ist, wir müssen die digitale Souveränität unserer Unternehmen dringend stärken", betont Brehm. In Europa sei es notwendig, die eigene Rechenkapazität auszubauen und die Abhängigkeit etwa von beispielsweise US-amerikanischen Technologiekonzernen zu verringern.
Digitale Souveränität Deutschlands muss höher werden
"Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, weltweite Lieferengpässe und die aktuelle US-Politik haben deutlich gemacht, wie anfällig Deutschland durch die Abhängigkeit von ausländischen Technologieanbietern geworden ist", warnt der IHK-Hauptgeschäftsführer. "Die Kontrolle über kritische Infrastrukturen, die Hoheit über Daten und auch soziale Medien liegen zu häufig außerhalb unseres Einflussbereichs."
In der aktuellen Digitalisierungsumfrage der IHK für Oberfranken Bayreuth sehen die befragten Unternehmen in allen Teilsektoren hohe Abhängigkeiten vom Ausland. Besonders niedrig wird die digitale Souveränität im Bereich der Hardware gesehen (86 Prozent). Aber auch beim Betriebssystem, der künstlichen Intelligenz, bei Plattformen, der Office-Software und der Cloud liegen die Abhängigkeiten der oberfränkischen Unternehmen bei jeweils über 70 Prozent. Diese zu reduzieren, muss das Ziel der kommenden Jahre sein, wenngleich dies auf Märkten, die oft von einigen wenigen großen Anbietern dominiert wird, sehr schwerfallen dürfte.
Immer mehr Cyberattacken
Hinzu kommt eine wachsende Zahl an Cyberattacken – etwa jedes zehnte oberfränkische Unternehmen war im vergangenen Jahr von einem solchen Angriff betroffen, außerdem war jedes zehnte Unternehmen aus eigener Sicht vermutlich betroffen.
Nicht nur wegen der fehlenden Souveränität Deutschlands und den immer intensiveren Cyberattacken gerät die oberfränkische Wirtschaft digital unter Druck. Hinzu kommen fehlende Zeit (68 Prozent), die hohe Komplexität (50 Prozent), die fehlende Akzeptanz bei Mitarbeitenden und der Weiterbildungsbedarf in Unternehmen (50 Prozent) sowie die Kosten (44 Prozent), um die wichtigsten Hemmnisse zu nennen.
Schnelles Internet trotz leichter Fortschritte weiterhin oft Fehleinzeige
"Während in Japan Kühlschranke oder Toiletten mit schnellem Internet längst Standard sind, stehen in Oberfranken immer noch 12 Prozent der Betriebe auf dem digitalen Abstellgleis", kritisiert Brehm. Immerhin haben sich die Rahmenbedingungen etwa gegenüber 2022 leicht verbessert – damals waren es noch 16 Prozent. "Der Fortschritt ist aber zu langsam", ergänzt Ralph Buus, IHK-Ansprechpartner für Digitalisierung und IT-Sicherheit.
Auch bei den Verwaltungsdienstleistungen schneidet die Region aus Sicht der Unternehmen schlecht ab. Bei einer Bewertung nach Schulnoten vergibt kein einziges Unternehmen die Schulnoten 1 oder 2. Gerade einmal für 15 Prozent der Unternehmen ist das Angebot befriedigend und für jedes Dritte ausreichend. 41 Prozent vergeben ein "Mangelhaft", weitere neun Prozent ein "Ungenügend". "Gegenüber den Befragungen zwischen 2022 und 2024 hat es hier keine Verbesserung gegeben", kritisiert Buus.
KI-Einsatz gewinnt immer mehr an Bedeutung
Der Einsatz von KI wird für die Unternehmen immer wichtiger. Am stärksten im Einsatz ist laut Digitalisierungsumfrage der IHK für Oberfranken Bayreuth künstliche Intelligenz – nämlich bei drei von vier Unternehmen - bei der Erzeugung von Inhalten wie Texten, Bildern, Audios oder Codes. Aber auch in der Qualitätssicherung (41 Prozent), der personalisierten Kundenansprache (37 Prozent) sowie der Produktentwicklung und -optimierung (33 Prozent) ist KI im Einsatz.
