14.10.2026
Monteure bleiben aus, Urlaube werden kürzer
IHK sieht Oberfrankens Gastgewerbe unter Druck und warnt vor neuen Pflichten
Die Monteure, die früher eine ganze Woche blieben, kommen seltener. Urlauber buchen lieber ein verlängertes Wochenende als eine Woche. Und wer anreist, schaut genauer aufs Geld. Darin sieht die IHK für Oberfranken Bayreuth Gründe, warum Oberfranken als einziger Regierungsbezirk bei den Übernachtungen zwischen Januar und August im Minus liegt.
Die Industrie steckt bundesweit in einer Konjunkturflaute. Sie schickt weniger Monteure und Geschäftsreisende auf Dienstreise, und gerade diese Gäste bleiben oft mehrere Nächte. Dass die Industrie in Oberfranken eine weit überdurchschnittliche Rolle spielt, bekommen die oberfränkischen Beherbergungsbetriebe deshalb überdurchschnittlich zu spüren. Auch im Urlaub ändert sich etwas: Kurzurlaube im Mittelgebirge sind gefragt, die klassische Urlaubswoche wird seltener. Dazu kommen die leeren Brieftaschen vieler Verbraucher.
"Die Gäste kommen also, bleiben aber kürzer", macht Thomas Puchtler deutlich, Vorsitzender des IHK-Fachausschusses Tourismus. “Das spüren nicht nur Hotels und Pensionen. Wer eine Nacht weniger bleibt, isst auch einmal weniger im Gasthof, kauft weniger ein und lässt weniger Geld bei Freizeitbetrieben.”
Umsatz oft stabil, Erträge sinken aber
“Die Zahlen zeigen nur einen Teil dessen, womit unsere Betriebe täglich kämpfen“, so Puchtler. “Waren, Personal und Energie werden teurer. In meinem eigenen Betrieb ist der Umsatz nahezu stabil, der Ertrag aber spürbar gesunken. Die Gäste, die kommen, müssen sparen. Das fängt bei den Getränken an und hört beim Dessert nicht auf.“
In dieser Lage kommen neue Pflichten auf die Betriebe zu. Mit zweien hat sich der Tourismus-Ausschuss in seiner jüngsten Sitzung befasst.
Mit der Kassenpflicht kommen neue Kosten und Pflichten
"So plant die Bundesregierung eine Registrierkassenpflicht mit zertifizierter technischer Sicherheitseinrichtung (TSE) und digitaler Schnittstelle zum Finanzamt für Betriebe ab 100.000 Euro Jahresumsatz. “Eine elektronische Registrierkasse ist damit mehr als nur ein Kartenterminal“, erklärt Andreas Wandner, Steuerreferent der IHK. “Sie muss jeden Umsatz lückenlos und unveränderbar aufzeichnen. Zudem soll die Bonpflicht in eine digitale Belegbereitstellungspflicht umgewandelt werden. Dazu müssen Kassenbons künftig z.B. via QR-Code bereitgestellt werden können. Der zivilrechtliche Anspruch des Kunden auf einen Papierbeleg bleibt jedoch nach wie vor bestehen. Für einen kleinen Gasthof heißt das insbesondere: Neue Hard- und Software, Schulungen und Dokumentation für das Finanzamt. Sprich zusätzlichen Kosten- und Bürokratieaufwand."
Vorsicht bei “klimaneutral“: Abmahnungen drohen
Bereits in Kraft ist die Umsetzung der EU-Richtlinie EmpCo. Es darf nicht mehr pauschal mit “klimaneutral“, “umweltfreundlich“ oder “nachhaltig“ geworben werden, Nachhaltigkeitsmaßnahmen müssen nun konkreter angegeben werden. Das gilt auch für Werbung, die schon länger auf der Website, in Prospekten oder auf Buchungsportalen steht. Selbst verliehene Umweltsiegel praktisch nicht mehr einsetzbar. Die IHK für Oberfranken Bayreuth warnt vor Abmahnungen und rät Betrieben, ihre Umweltaussagen jetzt zu prüfen. “Ersetzen Sie pauschale Umweltaussagen durch konkrete Aussagen zu Ihren Nachhaltigkeitsmaßnahmen“, sagt Jan Daniel Fauth, Referent für Wettbewerbsrecht der IHK für Oberfranken Bayreuth.
Was die IHK fordert
Neue Pflichten müssen verhältnismäßig sein. Sie dürfen Betriebe, denen gerade Geld und Zeit fehlen, nicht zusätzlich belasten. “Die IHK-Organisation steht klar für Steuergerechtigkeit“, betont Monika Kaiser, Geschäftsführerin des Tourismus-Ausschusses. “Wir wenden uns aber dagegen, die gesamte Gastronomie unter Generalverdacht zu stellen. Gerade jetzt fehlt den Betrieben Geld und Zeit für zusätzliche Bürokratie.“
