16.09.2026
Lichtenfelser Unternehmen leiden unter Gewerbesteuer
- Aber: Kommunen mit immer höheren Kostenbelastungen
- Lichtenfels an der Spitze im Bezirksvergleich
- Schwache Konjunktur verschärft den Druck
- Belastungen für Unternehmen steigen immer mehr an
- Kein Zusammenhang zwischen Höhe des Hebesatzes und Steueraufkommen
- Weniger Ausgaben statt mehr Einnahmen
- Gewerbesteuer bleibt eine deutsche Besonderheit
Aber: Kommunen mit immer höheren Kostenbelastungen
“Dass keine Kommune im Landkreis die Gewerbesteuer angehoben hat, ist ein wichtiges Signal“, sagt Wilhelm Wasikowski, Vizepräsident der IHK für Oberfranken Bayreuth und Vorsitzender des IHK-Gremiums Lichtenfels. Er warnt aber vor der eigentlichen Belastung: “Schon jetzt müssen unsere Lichtenfelser Unternehmen in Oberfranken mit den höchste Gewerbesteuerhebesätzen im Einzugsgebiet der IHK für Oberfranken Bayreuth verkraften.“
Die aktuelle Realsteuerumfrage der IHK für Oberfranken Bayreuth zeigt: Im IHK-Gremium Lichtenfels hat 2026 keine Kommune ihren Gewerbesteuerhebesatz verändert. Allerdings sind die Gewerbesteuerhebesätze in Altenkunstadt, Burgkunstadt, Michelau und Weismain zusammen mit 21 weiteren Kommunen mit jeweils 400 Punkten nach denen in Hirschaid, Reckendorf und Strullendorf (jeweils Landkreis Bamberg – 420 Punkte) sowie Hof (415 Punkte) die höchsten im Gebiet der IHK für Oberfranken Bayreuth mit ihren 196 Kommunen.
Lichtenfels an der Spitze im Bezirksvergleich
Der durchschnittliche Gewerbesteuerhebesatz im IHK-Gremium Lichtenfels liegt bei 383,6 Punkten und damit unverändert gegenüber dem Vorjahr. Damit übertrifft er den Durchschnitt im Einzugsgebiet der IHK für Oberfranken Bayreuth von 358,9 Punkten um 24,7 Punkte. Im Kammerbezirksvergleich steht das Gremium damit an erster Stelle.
Oberfrankenweit haben 20 der 196 Gemeinden ihre Realsteuern (Gewerbesteuer, Grundsteuer A und B) 2026 erhöht, nur 12 haben gesenkt. 13 Gemeinden planen für 2027 bereits weitere Erhöhungen, in acht weiteren wird darüber diskutiert.
Schwache Konjunktur verschärft den Druck
Der Konjunkturklimaindex im IHK-Gremium Lichtenfels fiel im Mai 2026 auf 77 Punkte, nach 88 Punkten zur Jahreswende 2025/2026 und damit auf den niedrigsten Wert aller IHK-Gremien in Oberfranken. Damit liegt er deutlich unter der Grenze von 100 Punkten. Erst oberhalb dieser Grenze stehen die Zeichen auf Wirtschaftswachstum.
Belastungen für Unternehmen steigen immer mehr an
“Bei dieser Steuerlast und dieser Konjunktur kann sich aus Wettbewerbsgründen keine unserer Kommunen weitere Erhöhungen erlauben“, macht Wasikowski deutlich. So drohen den oberfränkischen Unternehmen neue Bürokratie- und Ausgabenbelastungen durch aktuelle steuerpolitische Vorhaben. Hervorzuheben sind hier neue Belastungen durch die geplante Einkommensteuerreform, die insbesondere den Mittelstand betrifft, die aktuellen Pläne zur Einführung der Registrierkassenpflicht und der digitalen Belegbereitstellungspflicht sowie die kürzlich eingeführte EU-Verpackungsverordnung. “Wir fordern von der Politik Entlastung statt neuer Belastungen“, so Wasikowski.
Kein Zusammenhang zwischen Höhe des Hebesatzes und Steueraufkommen
"Es zeigt sich, dass kein belegbarer systematischer Zusammenhang besteht zwischen der Höhe des Hebesatzes und dem tatsächlichen Steueraufkommen, auch nicht mit zeitlicher Verzögerung", macht Andreas Wandner deutlich, Leiter des Referats Steuern, Finanzen und Handelsregister bei der IHK für Oberfranken Bayreuth. Und er macht deutlich: "Wirtschaftliches Wachstum erhöht die Einnahmen nachhaltiger als ein höherer Gewerbesteuerhebesatz."
Immer wieder sei zu hören, dass Unternehmen von einer Gewerbesteuererhöhung kaum betroffen seien. "Für Kapitalgesellschaften wie einer GmbH gelte dies allerdings nicht, diese sind vollumfänglich von einer Erhöhung betroffen", so Wandner. Jedes dritte beitragspflichtige Mitgliedsunternehmen der IHK ist eine Kapitalgesellschaft. Ab einem Gewerbesteuerhebesatz von über 400 Punkten sind auch Personengesellschaften potenziell von Gewerbesteuererhöhungen betroffen. "Es kann gut sein, dass ein Unternehmen Gewerbesteuer zahlen muss, obwohl keine ausreichenden Erträge erzielt werden. Etwa über die Hinzurechnung von Lizenzen, Pacht, Mieten oder Zinsen. Auch dann, wenn das Unternehmen rote Zahlen schreibt oder große Investitionen realisiert", macht Wasikowski deutlich.
Weniger Ausgaben statt mehr Einnahmen
Bevor Kommunen an der Steuerschraube drehen, müssen sie – so wie Unternehmen es auch tun müssen ‑ zunächst alle Einsparpotenziale auf der Ausgabenseite ausschöpfen.
“Unseren Kommunen werden immer mehr Pflichtaufgaben aufgebürdet, ohne dass die Finanzierung mitwächst“, kritisiert Wasikowski. “Die finanzielle Ausstattung der Kommunen hält nicht Schritt mit den steigenden Anforderungen.“ Das Spektrum reiche vom Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder, über das Deutschland-Ticket, die kommunale Wärmeplanung, Sozial-, Kinder- und Eingliederungshilfe oder die Schuldigitalisierung. “Alles wichtige Aufgaben. Es gibt nur ein großes Manko: Am Ende zahlt aber nicht der Besteller, sondern die Ausgaben bleiben überproportional bei den Kommunen hängen“, sagt Wasikowski. “Kein Wunder, dass die Kommunen noch nie so ein großes Finanzierungsloch hatten wie 2025.“
Gewerbesteuer bleibt eine deutsche Besonderheit
Im europäischen Vergleich fällt die Gewerbesteuer aus dem Rahmen – die meisten Nachbarländer kennen eine vergleichbare Abgabe gar nicht. "Deutschland liegt bei der Unternehmensbesteuerung bereits an der Weltspitze", macht Wandner deutlich. Deutschlands durchschnittliche steuerliche Gesamtbelastung für Unternehmen liegt derzeit bei rund 30 Prozent, der EU-Schnitt bei 21,1 Prozent.
Alle Ergebnisse der Realsteuerumfrage 2026 finden Sie im oberfränkischen Wirtschaftsatlas, entwickelt von den drei Wirtschaftskammern: www.bayreuth.ihk.de/wirtschaftsatlas
