23.06.2026

IHK: Forchheimer Konjunktur stabilisiert sich auf niedrigem Niveau

Dr. Michael Waasner spricht von einer “Chancenblockade”

Die wirtschaftliche Situation im Landkreis Forchheim verzeichnet eine minimale Verbesserung. Das zeigt die jüngste Konjunkturbefragung der IHK für Oberfranken Bayreuth. Während sich die aktuelle Geschäftslage erholt, bleiben die Erwartungen der Unternehmen weiter sehr verhalten. Der IHK-Konjunkturklimaindex für Forchheim steigt um 2 Punkte auf einen Wert von 94, bleibt aber weiter unter der Wachstumsschwelle von 100 Punkten.

Die Bewertung der aktuellen Geschäftslage im Landkreis Forchheim stabilisiert sich im Vergleich zum Jahresbeginn. Jeweils 20 Prozent der befragten Unternehmen bewerten ihre Lage als gut bzw. schlecht. Der Saldo verbessert sich damit von -8 auf 0 Punkte. Trotz der stabileren Lageeinschätzung bleibt gerade das Auftragsvolumen im Inland fordernd: 41 Prozent der Unternehmen verzeichnen in den vorangegangenen sechs Monaten ein gesunkenes Auftragsvolumen, nur 12 Prozent ein gestiegenes (Saldo -29). Für denselben Zeitraum melden 24 Prozent der Befragten eine volle, 27 Prozent dagegen eine nicht ausreichende Kapazitätsauslastung.

“Die Stabilisierung der Geschäftslage ist ein vorsichtig positives Signal, darf aber nicht über die anhaltend schwierige Auftragslage hinwegtäuschen. Die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft haben sich in den vergangenen Monaten durch den Iran-Krieg und dessen Auswirkungen auf die Energiepreise weiter verschärft. Bei den gleichzeitig bestehenden vielfältigen strukturellen Problemen und Handelskonflikten wird es für viele Unternehmen immer enger“, so Dr. Michael Waasner, IHK-Präsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Forchheim.

Investitionsbereitschaft sinkt deutlich

Die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate bleiben kritisch. Nur 19 Prozent der Befragten rechnen mit einer Verbesserung, 31 Prozent mit einer Verschlechterung ihrer Lage. Daraus ergibt sich ein Saldo von -12 (Jahreswende: -8). Anders als zu Jahresbeginn, als die Forchheimer Unternehmen bei den Investitionsplanungen im Saldo positiv gestimmt waren, fallen diese nun deutlich negativ aus (Saldorückgang von +5 auf -18 Punkte). Nur noch 11 Prozent der befragten Unternehmen wollen im Inland mehr investieren, 29 Prozent dagegen weniger. Bei der Beschäftigtenentwicklung rechnen für die kommenden zwölf Monate 12 Prozent mit einer zunehmenden und 24 Prozent mit einer rückläufigen Belegschaft am Standort.

“Dass die Investitionsplanungen der Forchheimer Unternehmen im Inland binnen weniger Monate vom positiven in den deutlich negativen Bereich gekippt sind, sollte der Politik zu denken geben. Wer Investitionen am Standort will, muss die Kostenbelastungen bei Energie, Steuern und Arbeit senken und den Bürokratieabbau endlich in die Tat umsetzen. Die Unternehmen brauchen wettbewerbsfähige Standortfaktoren und nicht immer mehr und immer komplexere Regulierungen“, fordert Dr. Waasner. "Die Chinesen bauten die Chinesische Mauer, die Römer den Hadrianswall und in Deutschland hat sich eine regelrechte 'Chancenblockade' aufgebaut."

Dr. Waasner macht aber auch deutlich: "Bei allen Problemen und Herausforderungen dürfen wir unsere Chancen nicht übersehen, sondern sollten alles daransetzen, diese zu nutzen. Der wirtschaftliche Abstieg ist kein Naturgesetz, sondern eine Frage der Gestaltung von Rahmenbedingungen und des Muts und unternehmerischer Initiative.“
Hintergrundinformation:
Der IHK-Konjunkturklimaindex ist ein wichtiger Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung. In die Berechnungen fließen die Bewertungen für die aktuelle Geschäftslage und die Geschäftserwartungen für die kommenden 12 Monate zu gleichen Teilen ein. Ein Indexwert über 100 signalisiert eine gute konjunkturelle Grundstimmung unter den Unternehmen; ein Wert unter 100 zeigt Pessimismus und wirtschaftliche Probleme an.