09.10.2026
Oberfrankens Wirtschaft findet Halt, aber keinen Schwung
- IHK-Konjunkturumfrage: Lage stabil, Erwartungen weiter trüb
- Aktuelle Geschäftslage erholt sich in einzelnen Branchen
- Energiepreise bremsen am stärksten
- Kein Wachstum in Sicht
- Inlandsinvestitionen stabilisieren sich, Volumen geht aber weiter leicht zurück
- Negative Beschäftigungsvorhersagen aufgrund von Personalabbau
IHK-Konjunkturumfrage: Lage stabil, Erwartungen weiter trüb
Die oberfränkische Wirtschaft hat den Abwärtstrend vorerst gestoppt. Zum ersten Mal in diesem Jahr halten sich gute und schlechte Bewertungen der Geschäftslage die Waage. Für die kommenden zwölf Monate rechnen die Unternehmen aber weiter mit Gegenwind. Das zeigt die Herbstumfrage der IHK für Oberfranken Bayreuth.
Der IHK-Konjunkturklimaindex steigt um zwei Punkte auf 89. Damit bleibt er klar unter der Wachstumsschwelle von 100 Punkten und dem Zehnjahresdurchschnitt von 106 Punkten. “Die Talfahrt ist gestoppt. Mehr aber auch nicht“, so IHK-Präsident Dr. Michael Waasner. “Die Betriebe haben wieder Boden unter den Füßen. Rückenwind spüren sie aber nicht.“
Aktuelle Geschäftslage erholt sich in einzelnen Branchen
Je 23 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Lage als gut beziehungsweise schlecht, 54 Prozent als befriedigend. Im Frühjahr lag der Saldo noch bei minus acht Punkten. Zurückzuführen ist die verbesserte Lagebewertung vor allem auf die Entwicklung im Dienstleistungsbereich, im Bau und im Tourismus. Alle drei Branchen weisen im Herbst einen positiven Saldo auf.
Industrie, Groß- und Einzelhandel stecken dagegen weiter fest – die negativen Einschätzungen überwiegen deutlich. Das zeigt sich auch in der Auslastung der Industrie in den zurückliegenden sechs Monaten, die spürbar schlechter eingeschätzt wird als bei den Dienstleistungen, dem Bau und dem Tourismus.
Beim Auftragseingang fällt die Bilanz in allen Wirtschaftszweigen negativ aus, im Inland wie im Ausland. Nur beim Geschäft mit Asien und dem Pazifikraum (ohne China) halten sich Plus und Minus annähernd die Waage.
Energiepreise bremsen am stärksten
Warum die Stimmung nicht dreht, benennen die Unternehmen klar: 79 Prozent nennen die hohen Energiepreise als Risiko für ihr Geschäft, 76 Prozent die Preise für Rohstoffe und Waren. Fast zwei Drittel sehen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als Risiko, und das seit zweieinhalb Jahren. Dazu kommen hohe Arbeitskosten und eine schwache Inlandsnachfrage. “Wer mit angezogener Handbremse fährt, kommt aus dem Tal nicht heraus“, so Waasner. “Wenn Unternehmen die Wirtschaftspolitik seit zweieinhalb Jahren als eines ihrer größten Geschäftsrisiken einstufen, ist das ein Alarmsignal für Berlin."
Kein Wachstum in Sicht
Entsprechend verhalten blicken die Betriebe nach vorn. Gerade einmal 11 Prozent der Befragten im Einzugsgebiet der IHK für Oberfranken Bayreuth rechnen mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage, 31 Prozent dagegen mit einer Verschlechterung. Die Erwartungen haben sich gegenüber dem Frühjahr sogar leicht verschlechtert. Jedes dritte Unternehmen rechnet zudem mit einem sinkenden Auftragsvolumen, nur 14 Prozent mit einer Verbesserung. Auch die erwartete Auslastung bleibt im Keller. "Die oberfränkische Wirtschaft kommt nicht vom Fleck", so Dr. Waasner.
Es gibt einzelne Lichtblicke: Die Dienstleister schauen insgesamt weniger pessimistisch nach vorn als der Rest. Die Industrie setzt auf ein stabiles Auslandsgeschäft.
Inlandsinvestitionen stabilisieren sich, Volumen geht aber weiter leicht zurück
Die Unternehmen fahren ihre geplanten Inlandsinvestitionen für die kommenden 12 Monate im Saldo weiter zurück Der Rückgang fällt aber schwächer aus als im Frühjahr: Der Saldo hat sich von minus zwölf auf minus sechs Punkte halbiert. Positiv planen die Dienstleister und der Einzelhandel.
Hauptmotiv für die Investitionsausgaben sind vor allem Ersatzbeschaffungen (69 Prozent Nennung), ferner auch Rationalisierungen (33 Prozent Nennung) und Produktinnovationen (28 Prozent Nennung). Im Vergleich zum Mai gibt es bei den Hauptmotiven wenig Bewegung. "Überspitzt formuliert: Viele Betriebe flicken das Dach, aber kaum einer baut an", so Dr. Waasner. “Investiert wird in Ersatz, kaum noch in Wachstum. Für den Standort Oberfranken ist das ein Warnsignal.“ Jedes vierte Unternehmen gibt an, keinerlei Investitionen tätigen zu wollen.
Am kritischsten ist die Lage in der Industrie. Sie fährt ihre Investitionen im Inland deutlich zurück und plant im Ausland leicht höhere Ausgaben. Auch dort geht es aber inzwischen vor allem um Ersatzbeschaffung und Rationalisierung, aber auch um Produktinnovationen.
Negative Beschäftigungsvorhersagen aufgrund von Personalabbau
Auch bei der Beschäftigung ist keine Trendwende in Sicht – und zwar über alle Wirtschaftszweige hinweg. Gerade einmal acht Prozent der befragten Unternehmen im Einzugsgebiet der IHK für Oberfranken Bayreuth planen einen Beschäftigtenzuwachs, 27 Prozent dagegen einen Abbau. Damit fallen die Beschäftigtenprognosen ähnlich negativ aus wie in der Frühjahrsbefragung.
Während 19 Prozent angeben, offene Stellen aufgrund fehlender Bewerbungen nicht nachbesetzen zu können, geben 81 Prozent an, Personal abzubauen. Dieses Ergebnis stimmt mit dem Befund überein, dass im Kammerbezirk der Fachkräftemangel zunehmend für die Unternehmen an Brisanz verliert. Im Ausland gehen dagegen tendenziell mehr Unternehmen von einer steigenden Belegschaft aus.
Sinkende Beschäftigtenzahlen bei rückläufigen Investitionsplanungen zeigen, dass die oberfränkische Wirtschaft von einem Wachstumsschub noch weit entfernt ist.
“Von den angekündigten Reformen ist in den Betrieben bislang wenig angekommen. Die Unternehmen warten noch immer auf den versprochenen Wachstumsbooster“, kritisiert Waasner. “Wir brauchen jetzt Tempo: bezahlbare Energie, stabile Lohnnebenkosten und eine Wirtschaftspolitik, auf die sich die Unternehmen verlassen können. Der Aufschwung ist kein Selbstläufer.“
Hintergrundinformation:
Der IHK-Konjunkturklimaindex ist ein wichtiger Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung. In die Berechnungen fließen die Bewertungen für die aktuelle Geschäftslage und die Geschäftserwartungen für die kommenden 12 Monate zu gleichen Teilen ein. Ein Indexwert über 100 signalisiert eine gute konjunkturelle Grundstimmung unter den Unternehmen; ein Wert unter 100 zeigt Pessimismus und wirtschaftliche Probleme an.
Der IHK-Konjunkturklimaindex ist ein wichtiger Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung. In die Berechnungen fließen die Bewertungen für die aktuelle Geschäftslage und die Geschäftserwartungen für die kommenden 12 Monate zu gleichen Teilen ein. Ein Indexwert über 100 signalisiert eine gute konjunkturelle Grundstimmung unter den Unternehmen; ein Wert unter 100 zeigt Pessimismus und wirtschaftliche Probleme an.
