16.09.2026

IHK-Gremium Kronach: Unternehmen leiden unter Gewerbesteuer

Aber: Kommunen mit immer höheren Kostenbelastungen

“Unsere Kommunen zeigen, dass Verlässlichkeit möglich ist, gerade in schwierigen Zeiten“, lobt Hans Rebhan, Vizepräsident der IHK für Oberfranken Bayreuth und Vorsitzender des IHK-Gremiums Kronach, die stabilen Gewerbesteuerhebesätze im Landkreis Kronach. Er mahnt dennoch zur dauerhaften Zurückhaltung: “Jeder zusätzliche Punkt beim Gewerbesteuerhebesatz würde Betriebe treffen, die ohnehin um jeden Auftrag kämpfen.“

Die aktuelle Realsteuerumfrage der IHK für Oberfranken Bayreuth zeigt: Im IHK-Gremium Kronach hat 2026 keine einzige Kommune ihren Gewerbesteuerhebesatz erhöht. Zuletzt erfolgten 2024 Erhöhungen, in Tschirn (von 350 auf 400 Punkte), in Tettau (von 330 auf 350), in Schneckenlohe (von 300 auf 335) und in Wallenfels (von 331 auf 335).

Kronach bleibt deutlich unter dem Oberfranken-Durchschnitt

Der durchschnittliche Gewerbesteuerhebesatz im IHK-Gremium Kronach liegt bei 330,9 Punkten und damit unverändert gegenüber dem Vorjahr. Damit liegt er 28 Punkte unter dem Durchschnitt im Einzugsgebiet der IHK für Oberfranken Bayreuth von 358,9 Punkten. Damit ist der Landkreis als Ganzes der günstigste Standort. "Angesichts der zuletzt negativen Konjunkturdaten im Landkreis ein wichtiger Standortfaktor", lobt Rebhan.

Oberfrankenweit haben 20 der 196 Gemeinden ihre Realsteuern (Gewerbesteuer, Grundsteuer A und B) 2026 erhöht, nur 12 haben gesenkt. 13 Gemeinden planen für 2027 bereits weitere Erhöhungen, in acht weiteren wird darüber diskutiert.

Schwache Konjunktur verschärft den Druck

Der Konjunkturklimaindex im IHK-Gremium Kronach fiel im Mai 2026 auf 82 Punkte, nach 86 Punkten zur Jahreswende 2025/2026. Damit liegt er unter der Grenze von 100 Punkten. Erst oberhalb dieser Grenze stehen die Zeichen auf Wirtschaftswachstum. Die Auswirkungen zeigen sich in den Beschäftigten- und Investitionsplanungen.

Belastungen für Unternehmen steigen immer mehr an

“Auch ohne höhere Hebesätze bleibt der Druck durch die Bundespolitik groß genug“, macht Rebhan deutlich. So drohen den oberfränkischen Unternehmen neue Bürokratie- und Ausgabenbelastungen durch aktuelle steuerpolitische Vorhaben. Hervorzuheben sind hier neue Belastungen durch die geplante Einkommensteuerreform, die insbesondere den Mittelstand betrifft, die aktuellen Pläne zur Einführung der Registrierkassenpflicht und der digitalen Belegbereitstellungspflicht sowie die kürzlich eingeführte EU-Verpackungsverordnung. “Wir erwarten von der Politik Entlastung statt neuer Belastungen, auch damit unsere Kommunen diesen verantwortungsvollen Kurs halten können“, so Rebhan.

Kein Zusammenhang zwischen Höhe des Hebesatzes und Steueraufkommen

"Es zeigt sich, dass kein belegbarer systematischer Zusammenhang besteht zwischen der Höhe des Hebesatzes und dem tatsächlichen Steueraufkommen, auch nicht mit zeitlicher Verzögerung", macht Andreas Wandner deutlich, Leiter des Referats Steuern, Finanzen und Handelsregister bei der IHK für Oberfranken Bayreuth. Und er macht deutlich: "Wirtschaftliches Wachstum erhöht die Einnahmen nachhaltiger als ein höherer Gewerbesteuerhebesatz."

Immer wieder sei zu hören, dass Unternehmen von einer Gewerbesteuererhöhung kaum betroffen seien. "Für Kapitalgesellschaften wie einer GmbH gelte dies allerdings nicht, diese sind vollumfänglich von einer Erhöhung betroffen", so Wandner. Jedes dritte beitragspflichtige Mitgliedsunternehmen der IHK ist eine Kapitalgesellschaft. Ab einem Gewerbesteuerhebesatz von über 400 Punkten sind auch Personengesellschaften potenziell von Gewerbesteuererhöhungen betroffen. "Ein Betrieb kann rote Zahlen schreiben und muss oft trotzdem Gewerbesteuer zahlen, weil Zinsen, Mieten, Pacht und Lizenzen teilweise hinzugerechnet werden. Das kann Unternehmen erheblich unter Druck setzen", kritisiert Rebhan.

Weniger Ausgaben statt mehr Einnahmen

Bevor Kommunen an der Steuerschraube drehen, müssen sie – so wie Unternehmen es auch tun müssen ‑ zunächst alle Einsparpotenziale auf der Ausgabenseite ausschöpfen.

"Der Bund beschließt, die Kommunen zahlen: Diese Schere geht immer weiter auseinander", kritisiert Rebhan. Das Spektrum reiche vom Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder, über das Deutschland-Ticket, die kommunale Wärmeplanung, Sozial-, Kinder- und Eingliederungshilfe oder die Schuldigitalisierung. Rebhan: “Am Ende bleibt die Rechnung bei den Kommunen hängen. Kein Wunder, dass die Kommunen 2025 so tief in den roten Zahlen steckten wie nie zuvor.”

Gewerbesteuer bleibt eine deutsche Besonderheit

Im europäischen Vergleich fällt die Gewerbesteuer aus dem Rahmen – die meisten Nachbarländer kennen eine vergleichbare Abgabe gar nicht. "Deutschland liegt bei der Unternehmensbesteuerung bereits an der Weltspitze", macht Wandner deutlich. Deutschlands durchschnittliche steuerliche Gesamtbelastung für Unternehmen liegt derzeit bei rund 30 Prozent, der EU-Schnitt bei 21,1 Prozent.

Alle Ergebnisse der Realsteuerumfrage 2026 finden Sie im oberfränkischen Wirtschaftsatlas, entwickelt von den drei Wirtschaftskammern: www.bayreuth.ihk.de/wirtschaftsatlas