Sie befinden sich auf der Seite der IHK für Oberfranken Bayreuth.
Möchten Sie diese Seite in einem Cookie als Ihre Heimat-IHK setzen?
Sie befinden sich auf der Seite der IHK für Oberfranken Bayreuth.
Bisher ist die als Ihre Heimat-IHK hinterlegt. Wollen Sie die Seite der IHK für Oberfranken Bayreuth in einem Cookie
als Ihre neue Heimat-IHK setzen?
Sie werden zum Angebot der weitergeleitet.
Nr. 7049682
08.05.2026
Wirtschaft und Partnerschaft: Afrikanische Märkte neu entdecken
IHK setzt auf Austausch: Wirtschaftliches Wachstum durch Netzwerke
Das in Bayreuth stattfindende Afrikaforum stand unter dem Motto: “Wie viel Bayern steckt in Afrika und wie viel Afrika braucht Bayerns Zukunft?“ Die 260 Teilnehmenden kamen aus ganz Bayern, aber auch aus Afrika. Die Informations- und Netzwerkplattform der bayerischen Industrie- und Handelskammern fand, organisiert von der IHK für Oberfranken Bayreuth, im neuen Forschungszentrum für Afrikastudien an der Universität Bayreuth statt.
Rund 230 oberfränkische Unternehmen sind auf dem afrikanischen Kontinent aktiv und das in 50 der 54 afrikanischen Länder, so IHK-Vizepräsident Jörg Lichtenegger und Dr. Johanna Horzetzky, Teamleiterin International bei der IHK. Darunter solche, die in mehr als 30 Ländern aktiv sind. Zum Vergleich: Rund 270 Unternehmen mit Geschäftskontakten nach China oder 210 mit Kontakten in die USA sind bei der IHK registriert. Das Volumen sei aber noch recht bescheiden. "Trotzdem wird der afrikanische Markt von vielen oberfränkischen Unternehmen noch unterschätzt", so Lichtenegger. Er macht in seiner Begrüßung deutlich: "Eine wirtschaftliche Zusammenarbeit funktioniert nicht als Einbahnstraße." Afrika biete Möglichkeiten zur Diversifizierung und Zugang zu neuen, dynamisch wachsenden Märkten, insbesondere angesichts globaler Umbrüche und sich verändernder Lieferketten.
Dr. Auma Obama hat in Bayreuth studiert und hielt ein Keynote auf dem Afrikaforum der IHK für Oberfranken Bayreuth. Unser Bild zeigt sie zusammen mit Wolfram Brehm, Hauptgeschäftsführer der IHK für Oberfranken Bayreuth, IHK-Vizepräsidenten Jörg Lichtenegger und dem Präsidenten der Universität Bayreuth, Prof. Dr. Stefan Leible.
Dr. Auma Obama: Afrika braucht keine Hilfe, Afrika braucht Zusammenarbeit
"Afrika ist kein Land, sondern ein Kontinent mit 54 unterschiedlichen Ländern und Kulturen. Jedes Land hat seine eigenen Chancen und Herausforderungen“, betont Dr. Auma Obama, Gründerin der kenianischen Sauti-Kuu-Stiftung. Darauf gelte es sich einzustellen. Sprache, Wirtschaftssysteme, Märkte, das alles sei von Land zu Land anders und genau diese Unterschiede würden oft unterschätzt.
Dr. Obama, die selbst in Bayreuth studierte und promovierte, fordert: "Nehmen Sie uns als gleichwertige Partner ernst. Afrika braucht keine Hilfe – wir brauchen Zusammenarbeit.“ Sie ist die Halbschwester des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama.
“Augenhöhe“, das bedeutet nach den Worten der prominenten Kenianerin beispielsweise, dass Projekte gemeinsam entwickelt und gestemmt werden, dass die lokale Wertschöpfung gestärkt wird und dass Gewinne fair aufgeteilt werden. Wissen und Erfahrung müssen zusammengebracht werden. “Wir sollten nicht über Afrika sprechen, sondern gemeinsam mit Afrika die Zukunft gestalten.“
Unternehmen berichten: Erfolg durch Dialog und lokale Netzwerke
Wie die Zusammenarbeit mit Ländern des afrikanischen Kontinents erfolgreich funktionieren kann, machen mehrere Unternehmerinnen und Unternehmer deutlich, die bereits auf entsprechende Erfahrungen zurückgreifen können. “Gespräche auf Augenhöhe, das gehört sich einfach“, sagt Timo Piwonski, CEO der Iprotex GmbH aus Münchberg. Der Spezialist für technische Textilien hatte schon vor 20 Jahren auf dem afrikanischen Kontinent Fuß gefasst. Mittlerweile hat das Unternehmen drei Standorte in Tunesien. Ziel war es, näher am Kunden zu produzieren, Lieferketten zu verkürzen und direkt vor Ort alle Fertigungsprozesse abzudecken.
Wichtig sei es, eine Partnerschaft Schritt für Schritt aufzubauen, macht Frederik Hornung deutlich, Gründer von ZamBamSports, ein Start-Up-Unternehmen, an dem einige Studenten aus Bayreuth beteiligt sind und das unter anderem Schienbeinschoner aus Bambus mit Partnern vor Ort entwickelt hat. Wichtig sei, voneinander zu lernen.
Da hätten die afrikanischen Länder einiges zu bieten, so Elmar Lindner vom Pumpen- und Armaturenhersteller KSB in Pegnitz. Eine große Technologieoffenheit zum Beispiel, eine gewaltige Umsetzungsdynamik, eine positive Herangehensweise und ein offenherziges Miteinander. Die KSB betreibt bereits seit vielen Jahrzehnten ein eigenes Werk in Johannesburg und ist in mehreren Ländern Afrikas aktiv.
Einer, der sich ebenfalls in vielen Ländern Afrikas gut auskennt ist Dierk Reichelt, Geschäftsführer der Eurosped GmbH mit Sitz in Kranzberg nahe München. Über ein Partnernetzwerk ist das Unternehmen in mittlerweile 29 Ländern aktiv. Er hebt die Bedeutung der persönlichen Kontakte hervor, den Aufbau von Netzwerken und den Austausch mit denselben.
Impacc ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Deutschland, Kenia und Äthiopien, gegründet im Jahr 2020. Spenden an die Organisation werden laut COO Marie-Claire Bartmann in Beteiligungen an afrikanische Start-ups investiert. Die Erlöse gehen nicht zurück nach Europa, sondern in neue Start-ups.
Netzwerke sind der Schlüssel
Alle betonen, dass ohne lokale Netzwerke kein deutsches Unternehmen in Afrika erfolgreich sein könne. Extrem wichtig seien auch die Auslandshandelskammern (AHK) vor Ort mit ihren Fachleuten und ihren Netzwerken. Afrikanische Unternehmen und Partner sind oft extrem innovativ und schnell in der Umsetzung. Umgekehrt können bayerische Unternehmen ihr Know-how, ihre Qualitätsstandards und Technologien einbringen. Wichtig ist, dass deutsche Partner offen für die Dynamik und oft schnelleren Prozesse ihrer afrikanischen Kollegen sind. Von einer Zusammenarbeit profitieren beide Seiten, so die Unternehmensvertreter unisono.
Fachleute aus neun AHKs und der Bayerische Repräsentanz in Äthiopien sind bei der Veranstaltung vor Ort, stehen Unternehmerinnen und Unternehmern Rede und Antwort, stehen für Erstberatungen zur Verfügung. In Parallelsessions zu Finanzierungsfragen, zu Fachkräften, Rohstoffen oder Cybersicherheit, zu Agrar- und Lebensmittelinnovationen, Automotive und Maschinenbau; Energie und Wasser, Lieferanten und Logistik haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich untereinander und mit Vertretern der AHKs sowie Fachleuten der IHKs auszutauschen.
Staatssekretär Gotthardt: Bayerische Wirtschaft muss sich breiter aufstellen
"Vieles, was bisher noch Gültigkeit hatte, funktioniert plötzlich nicht mehr. Märkte brechen weg, Partner werden unzuverlässig. Umso wichtiger ist es daher, nicht nur über Diversifizierung zu sprechen, sondern tatsächlich zu handeln und neue Märkte zu entdecken und gemeinsam anzugehen", so der Schirmherr des Afrikaforums Bayern 2026, der bayerische Wirtschaftsstaatssekretär MdL Tobias Gotthardt.
Universität Bayreuth: Gemeinsam forschen, nicht von oben herab
Auch in der Afrika-Forschung an der Universität Bayreuth spielt das Thema Augenhöhe eine wichtige Rolle. In Bayreuth forsche man nicht über Afrika, sondern mit Afrika, so Universitätspräsident Prof. Dr. Stefan Leible. Als “unglaublich starken, dynamischen und sympathischen Partner“ hatte zu Beginn die Moderatorin des Afrikaforums, Yvonne Kay Odhiambo, die Länder des Kontinents vorgestellt. Odhiambo ist nicht nur Unternehmerin, sondern auch Präsidentin der Wirtschaftsjunioren Augsburg. Natalie Schrogl, Beirätin des Africa First Network, räumt mit Eindrücken vom „homogenen Kontinent“ auf: „Afrika hat einen eigenen, unabhängigen Weg beschritten und enorme Resilienz gezeigt. Gerade in der Vielfalt liege ein Megapotenzial. Die Veranstaltung wurde von der IHK in Kooperation mit den Wirtschaftsjunioren Bayreuth, der Universität und weiteren Partnern organisiert.
Rund 260 Teilnehmende zählte das Afrikaforum der IHK für Oberfranken Bayreuth. Unser Foto zeigt (v.l.) IHK-Vizepräsidenten Jörg Lichtenegger, Universitätspräsidenten Prof. Dr. Stefan Leible, Wirtschaftsstaatssekretär MdL Tobias Gotthardt, IHK-Teamleiterin International Dr. Johanna Horzetzky, Natalie Schrogl von Africa First Network, Moderatorin Yvonne Kay Odhiambo, IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfram Brehm und Florian Eagan von den Wirtschaftsjunioren Bayreuth.