22.06.2026
IHK: Lichtenfelser Konjunkturzahlen geben weiter nach
Wilhelm Wassikowski: Die ganzen "Erfolgsblocker" müssen weg!
Die wirtschaftliche Situation in der Region Lichtenfels verschlechtert sich erneut. Das zeigt die aktuelle Konjunkturbefragung der IHK für Oberfranken Bayreuth. Das Auftragsvolumen befindet sich auf einem sehr niedrigen Niveau, die Geschäftserwartungen und Investitionsplanungen verschlechtern sich noch mehr. Der IHK-Konjunkturklimaindex für Lichtenfels fällt um 11 Punkte auf einen Wert von 77.
Die aktuelle Geschäftslage in der Wirtschaftsregion Lichtenfels trübt sich deutlich ein. Nur noch 15 Prozent der befragten Unternehmen der Region bewerten ihre Geschäftslage positiv, 35 Prozent dagegen negativ. Der Saldo verschlechtert sich damit von -4 zu Jahresbeginn auf -20. Besonders kritisch ist die Auftragslage. So geben 62 Prozent der Unternehmen ein in den vorangegangenen sechs Monaten gesunkenes Auftragsvolumen im Inland zu Protokoll, nur 12 Prozent ein gestiegenes. Der Saldo liegt damit bei -50. Die Kapazitätsauslastung ist entsprechend mau: 10 Prozent der Befragten berichten von einer vollen, 36 Prozent dagegen von einer nicht ausreichenden Auslastung.
“Der Konjunkturklimaindex für die Region Lichtenfels bewegt sich nun seit über vier Jahren unter der Wachstumsschwelle von 100 Punkten. Das spiegelt die tiefe Krise der regionalen Wirtschaft eindringlich wider. Gerade die Unternehmen der energieintensiven Branchen leiden unter den erneut gestiegenen Energiepreisen. Dazu kommen die Automobilzulieferer, die unter den Schwächen der deutschen Pkw-Hersteller leiden. In Kombination mit den Handelskonflikten zwischen der EU und den USA gefährdet das die Existenz vieler exportabhängiger Betriebe in der Region“, so Wilhelm Wasikowski, Vorsitzender des IHK-Gremiums Lichtenfels.
Erwartungen lassen weiter nach
Die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate in der Region Lichtenfels verschlechtern sich erneut. Nur neun Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage, 36 Prozent mit einer Verschlechterung. Der Saldo sinkt von -18 auf -27 Punkte. Auch die erwarteten Inlandsinvestitionen nehmen deutlich ab. Insgesamt 11 Prozent der Befragten planen mit steigenden Investitionen im Inland, 43 Prozent sinkende. Der Saldo verschlechtert sich von -10 auf -32. Wasikowski: "Ohne Investitionen aber kein Aufschwung!" Die Beschäftigtenprognose bewegen sich weiterhin im tiefroten Bereich. Gerade einmal sechs Prozent planen in den kommenden zwölf Monaten einen Belegschaftsaufbau vor Ort, 29 Prozent dagegen eine Reduzierung.
Über 20 Prozent der Arbeitszeit in Unternehmen für Bürokratie
“Wenn sich diese Absichten bewahrheiten und unsere Unternehmen noch weniger im Inland investieren und zudem Personal abbauen, verliert die Region Substanz, die sich nicht ohne Weiteres wieder aktivieren lässt. Wir brauchen endlich eine Wirtschaftspolitik, die den Standort stärkt, statt ihn mit immer neuen Auflagen zu belasten. Diese ganzen 'Erfolgsblocker' müssen endlich weg", fordert Wasikowski. "Für Wirtschaftswachstum sind drei Dinge wichtig: Zum einen müssen die Unternehmen wieder mehr investieren. Dafür brauchen sie steuerliche Entlastungen und Planungssicherheit. Zum zweiten müssen alle die Ärmel hochkrempeln. Und zum dritten brauchen wir mehr Produktivität ‑ und das geht nicht ohne Bürokratieabbau. Einer Studie des Ifo-Institutes zufolge entgehen Deutschland wegen der enormen Belastungen durch Bürokratie jährlich bis zu 146 Milliarden Euro an Wirtschaftsleistung. Wasikowski: "Auf Oberfranken heruntergebrochen sind wir bei 1,4 bis 1,5 Milliarden Euro. Über 20 Prozent der Arbeitszeit in Unternehmen fließt in Verwaltung und Nachweise", so Wasikowski. "Zeit, die wir besser in Innovationen und die Erschließung neuer Märkte investieren sollten."
Wasikowski macht aber auch deutlich, dass Deutschland bei genauerem Hinsehen mehr Potenziale hat, als der düstere Zeitgeist vermuten lasse. “Man muss uns Unternehmer aber auch machen lassen. Und damit meine ich nicht das Bearbeiten von immer neuen Berichtspflichten, Statistiken, Dokumentations- und Nachweispflichten, sondern das Entwickeln neuer Ideen und neuer Produkte oder das Bearbeiten neuer Märkte.”
Hintergrundinformation:
Der IHK-Konjunkturklimaindex ist ein wichtiger Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung. In die Berechnungen fließen die Bewertungen für die aktuelle Geschäftslage und die Geschäftserwartungen für die kommenden 12 Monate zu gleichen Teilen ein. Ein Indexwert über 100 signalisiert eine gute konjunkturelle Grundstimmung unter den Unternehmen; ein Wert unter 100 zeigt Pessimismus und wirtschaftliche Probleme an.
Der IHK-Konjunkturklimaindex ist ein wichtiger Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung. In die Berechnungen fließen die Bewertungen für die aktuelle Geschäftslage und die Geschäftserwartungen für die kommenden 12 Monate zu gleichen Teilen ein. Ein Indexwert über 100 signalisiert eine gute konjunkturelle Grundstimmung unter den Unternehmen; ein Wert unter 100 zeigt Pessimismus und wirtschaftliche Probleme an.
