16.09.2026
IHK-Gremium Hof: Unternehmen leiden unter Gewerbesteuer
- Aber: Kommunen mit immer höheren Kostenbelastungen
- Hof liegt unter dem Oberfranken-Durchschnitt
- Schwache Konjunktur verschärft den Druck
- Belastungen für Unternehmen steigen immer mehr an
- Kein Zusammenhang zwischen Höhe des Hebesatzes und Steueraufkommen
- Weniger Ausgaben statt mehr Einnahmen
- Gewerbesteuer bleibt eine deutsche Besonderheit
Aber: Kommunen mit immer höheren Kostenbelastungen
“Dass unsere Kommunen in diesem Jahr nicht an der Gewerbesteuer gedreht haben, verdient Anerkennung“, sagt Michael Bitzinger, Vizepräsident der IHK für Oberfranken Bayreuth und Vorsitzender des IHK-Gremiums Hof. Zugleich mahnt er zur Vorsicht bei künftigen Erhöhungen: “Jeder zusätzliche Punkt beim Gewerbesteuerhebesatz würde Unternehmen treffen, die ohnehin enorm unter Druck stehen.“
Die aktuelle Realsteuerumfrage der IHK für Oberfranken Bayreuth zeigt: Im IHK-Gremium Hof hat 2026 keine Kommune ihren Gewerbesteuerhebesatz verändert. 2024 hatten Hof (von 400 auf 415 Punkte), Schauenstein (von 380 auf 400), Gattendorf (von 350 auf 360 Punkte) und Regnitzlosau (von 330 auf 350) erhöht, 2025 kamen Feilitzsch (von 330 auf 430) und Trogen (von 330 auf 350) dazu. Eine Senkung der Gewerbesteuerhebesätze realisierten 2024 Sparneck (von 370 auf 330) und Weißdorf (von 370 auf 350). Bitzinger: “In den vergangenen Jahren haben doch einige Kommunen an der Gewerbsteuer-Schraube gedreht. Gut, dass unsere Kommunen 2026 ohne Erhöhungen klargekommen sind.”
Hof liegt unter dem Oberfranken-Durchschnitt
Der durchschnittliche Gewerbesteuerhebesatz im IHK-Gremium Hof liegt bei 345,8 Punkten und damit unverändert gegenüber dem Vorjahr. Damit liegt er unter dem Durchschnitt im Einzugsgebiet der IHK für Oberfranken Bayreuth von 358,9 Punkten. Die Stadt Hof selbst liegt mit 415 Punkten allerdings 56,1 Punkte über diesem kammerweiten Durchschnittswert.
Oberfrankenweit haben 20 der 196 Gemeinden ihre Realsteuern (Gewerbesteuer, Grundsteuer A und B) 2026 erhöht, nur 12 haben gesenkt. 13 Gemeinden planen für 2027 bereits weitere Erhöhungen, in acht weiteren wird darüber diskutiert.
Schwache Konjunktur verschärft den Druck
Der Konjunkturklimaindex im IHK-Gremium Hof fiel im Mai 2026 auf 83 Punkte, nach 95 Punkten zur Jahreswende 2025/2026. Damit liegt er unter der Grenze von 100 Punkten. Erst oberhalb dieser Grenze stehen die Zeichen auf Wirtschaftswachstum. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf Beschäftigten- und Investitionsplanungen.
Belastungen für Unternehmen steigen immer mehr an
“Auch ohne neue Hebesätze bleibt die steuerliche Belastung für unsere Betriebe hoch genug“, macht Bitzinger deutlich. So drohen den oberfränkischen Unternehmen neue Bürokratie- und Ausgabenbelastungen durch aktuelle steuerpolitische Vorhaben. Hervorzuheben sind hier neue Belastungen durch die geplante Einkommensteuerreform, die insbesondere den Mittelstand betrifft, die aktuellen Pläne zur Einführung der Registrierkassenpflicht und der digitalen Belegbereitstellungspflicht sowie die kürzlich eingeführte EU-Verpackungsverordnung. “Wir erwarten von der Politik Entlastung statt neuer Belastungen – auch die Kommunen im Raum Hof sollten diesen Kurs mittragen“, so Bitzinger.
Kein Zusammenhang zwischen Höhe des Hebesatzes und Steueraufkommen
"Es zeigt sich, dass kein belegbarer systematischer Zusammenhang besteht zwischen der Höhe des Hebesatzes und dem tatsächlichen Steueraufkommen, auch nicht mit zeitlicher Verzögerung", macht Andreas Wandner deutlich, Leiter des Referats Steuern, Finanzen und Handelsregister bei der IHK für Oberfranken Bayreuth. Und er macht deutlich: "Wirtschaftliches Wachstum erhöht die Einnahmen nachhaltiger als ein höherer Gewerbesteuerhebesatz."
Immer wieder sei zu hören, dass Unternehmen von einer Gewerbesteuererhöhung kaum betroffen seien. "Für Kapitalgesellschaften wie einer GmbH gelte dies allerdings nicht, diese sind vollumfänglich von einer Erhöhung betroffen", so Wandner. Jedes dritte beitragspflichtige Mitgliedsunternehmen der IHK ist eine Kapitalgesellschaft. Ab einem Gewerbesteuerhebesatz von über 400 Punkten sind auch Personengesellschaften potenziell von Gewerbesteuererhöhungen betroffen. "Mieten, Pacht, Zinsen oder Lizenzgebühren fließen anteilig wieder in die Bemessungsgrundlage ein. Selbst wenn am Jahresende ein Minus steht oder große Investitionen realisiert wurden, kann Gewerbesteuer anfallen", so Bitzinger.
Weniger Ausgaben statt mehr Einnahmen
Bevor Kommunen an der Steuerschraube drehen, müssen sie – so wie Unternehmen es auch tun müssen ‑ zunächst alle Einsparpotenziale auf der Ausgabenseite ausschöpfen.
“Unsere Kommunen bekommen immer mehr Pflichtaufgaben aufgebürdet, ohne dass die Finanzierung mitwächst“, kritisiert Bitzinger. “Die finanzielle Ausstattung der Kommunen hält nicht Schritt mit den steigenden Anforderungen.“ Das Spektrum reiche vom Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder, über das Deutschland-Ticket, die kommunale Wärmeplanung, Sozial-, Kinder- und Eingliederungshilfe oder die Schuldigitalisierung. “Alles wichtige Leistungen, nur bezahlt sie am Ende nicht der, der sie bestellt hat, vielmehr bleiben sie bei den Kommunen hängen“, sagt Bitzinger. “Kein Wunder, dass die deutschen Kommunen 2025 das größte Finanzierungsdefizit ihrer Geschichte hatten.“
Gewerbesteuer bleibt eine deutsche Besonderheit
Im europäischen Vergleich fällt die Gewerbesteuer aus dem Rahmen – die meisten Nachbarländer kennen eine vergleichbare Abgabe gar nicht. "Deutschland liegt bei der Unternehmensbesteuerung bereits an der Weltspitze", macht Wandner deutlich. Deutschlands durchschnittliche steuerliche Gesamtbelastung für Unternehmen liegt derzeit bei rund 30 Prozent, der EU-Schnitt bei 21,1 Prozent.
"Oberfranken grenzt direkt an günstigere Standorte, das spüren unsere Betriebe im Wettbewerb um jeden Auftrag", macht Bitzinger deutlich. "Zieht die Belastung weiter an, geraten wir zusätzlich ins Hintertreffen, erst Recht durch die direkte Nachbarschaft zu Tschechien."
Alle Ergebnisse der Realsteuerumfrage 2026 finden Sie im oberfränkischen Wirtschaftsatlas, entwickelt von den drei Wirtschaftskammern: www.bayreuth.ihk.de/wirtschaftsatlas
