10.07.2026
Wege aus dem Förderdschungel
IHK-Gremium Lichtenfels informiert über Fördermittel, Finanzierung und IHK-Wahl
Sinkende Beschäftigtenzahlen, gedämpfte Konjunkturerwartungen, rückläufige Investitionen. Vor diesem Hintergrund lädt das IHK-Gremium Lichtenfels Unternehmerinnen und Unternehmer in den Kaisersaal von Kloster Banz ein. Das Thema des Abends: Wie kommen Betriebe an Fördermittel und an die passende Finanzierung? Fachleute der Regierung von Oberfranken und der LfA-Förderbank Bayern informieren.
Warum das Thema gerade jetzt drängt, macht Wilhelm Wasikowski, Vizepräsident der IHK für Oberfranken Bayreuth und Vorsitzender des Gremiums Lichtenfels, gleich zu Beginn an Zahlen fest. Zwischen 2019 und 2025 ist die Zahl der Beschäftigten im Landkreis um rund 2.300 auf 26.600 gesunken. Besonders das Verarbeitende Gewerbe, der Handel und die wirtschaftsnahen Dienstleistungen verlieren Stellen. In der Industrie trifft es vor allem die Automobilzulieferer. Auch der Blick in die Zukunft trägt nicht dazu bei, die Sorgenfalten der Unternehmerinnen und Unternehmer zu glätten. In der jüngsten IHK-Konjunkturbefragung rechnen nur 9 Prozent der Lichtenfelser Betriebe mit besseren Geschäften für die kommenden 12 Monate, 36 Prozent erwarten schlechtere.
Förderung beginnt mit einem Anruf
Dr. Markus Seufert von der Wirtschaftsförderung der Regierung von Oberfranken räumt mit einem verbreiteten Vorurteil auf. Ein Förderantrag sei kein Bürokratiemonster. “Wir verstehen uns als Servicedienstleister und freuen uns über jeden, den wir beraten dürfen", macht er deutlich. Im vergangenen Jahr ging jeder vierte Euro der Regionalförderung in Bayern für kleine und mittlere Unternehmen nach Oberfranken, verteilt auf 47 Vorhaben. Mit den Fördermitteln sollen Standortnachteile ausgeglichen werden.
Gefördert werden klassische Investitionen, Transformationsvorhaben oder auch PV-Anlagen. Eine Regel aber gilt ohne Ausnahme. Der Antrag muss unbedingt vor Investitionsbeginn gestellt sein. Nicht förderfähig sind etwa Grundstücke, reine Ersatzbeschaffungen oder Fahrzeuge mit Zulassung für den Straßenverkehr. Dr. Seuferts Rat an die gut 50 anwesenden Unternehmensvertreter fällt entsprechend knapp aus: “Frühzeitig mit uns Kontakt aufnehmen und im Zweifel lieber einmal zu viel anrufen."
Digitalisierung und IT-Sicherheit: Ein Fall für den "Digitalbonus"
Wie Unternehmen Investitionen in ihre digitalen Abläufe und ihre IT-Sicherheit fördern lassen können, zeigt Ümmühan Akkaya von der Regierung von Oberfranken am Digitalbonus-Förderprogramm auf. Bayernweit gibt es jährlich etwa 300 Anträge für das Programm. Die Förderquote beträgt 50 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben. Förderfähig sind Ausgaben für Leistungen externer Anbieter und die Einführung der entwickelten Lösungen, konkret Software, Hardware, einschließlich Roboter-Hardware, Beratung und Schulung. "Nicht förderfähig sind bereits begonnene Maßnahmen, außerdem solche, die über Mietkauf oder Leasing finanziert werden oder Lösungen, die gegen Entgelt in anderen Unternehmen zum Einsatz kommen sollen", macht Akkaya deutlich.
Geld für die Lücke
Zuschüsse decken nur einen Teil ab. Den Rest muss ein Betrieb anders finanzieren. Hier setzt die LfA-Förderbank Bayern an, so Rüdiger Laß vom LfA-Förderstützpunkt Hof. "Im Angebot sind Zuschüsse für alle Lebensphasen eines Unternehmens", so Laß. Die LfA vergibt zinsgünstige Darlehen über die Hausbank und übernimmt einen Teil des Ausfallrisikos. Genau das mache Vorhaben möglich, die eine Bank oder Sparkasse oft allein nicht stemmen könne, erklärt Laß. "Auch hier gilt: erst der Antrag, dann der Auftrag!" Kredite gebe es je nach Programm etwa für Investitionen und Betriebsübernahmen, für Waren und Betriebsmittel oder für Innovation und Digitalisierung.
IHK-Wahl 2027: erstmals digital
Den Blick nach vorn richtet IHK-Justiziar Stefan Cordes auf die IHK-Wahl 2027. Rund 3.900 Unternehmen aus dem Landkreis wählen dann ihre Vertretung im Gremium Lichtenfels. Neu ist, dass jedes Mitglied wählen kann, wie es möchte, per Brief wie bisher oder erstmals elektronisch. Damit will die IHK die Beteiligung erhöhen.
Wasikowski wirbt dafür, sich selbst als Kandidat einzubringen, und nimmt den Unternehmensvertreterinnen und -vertretern die Sorge vor zu viel Aufwand. Vier bis fünf Termine im Jahr, meist abends, dazu der direkte Draht zur Politik. “Unseren Landrat treffen wir ebenso regelmäßig zum offenen Gespräch wie unsere Abgeordneten", sagt er. "Ich freue mich über alle Unternehmerinnen und Unternehmer, die Interesse an einer Kandidatur haben." Wer sich einbringen möchte, die Interessen der Wirtschaft im Raum Lichtenfels zu vertreten, kann sich hier informieren: bayreuth.ihk.de/wahl. Hinzu komme ein spannendes und vielschichtiges Netzwerk.
Beim anschließenden Come Together nutzen die Gäste die Gelegenheit, ihre Fragen direkt mit den Fachleuten zu klären.
