16.09.2026
IHK-Gremium Bayreuth: Unternehmen leiden unter Gewerbesteuer
- Aber: Kommunen mit immer höheren Kostenbelastungen
- Bayreuth liegt über dem Oberfranken-Durchschnitt
- Der Trend im Kammerbezirk zeigt weiter nach oben
- Schwache Konjunktur verschärft den Druck
- Belastungen für Unternehmen steigen immer mehr an
- Kein Zusammenhang zwischen Höhe des Hebesatzes und Steueraufkommen
- Weniger Ausgaben statt mehr Einnahmen
- Gewerbesteuer bleibt eine deutsche Besonderheit
Aber: Kommunen mit immer höheren Kostenbelastungen
“Unsere Unternehmen stehen wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand“, macht Jörg Lichtenegger deutlich, Vizepräsident der IHK für Oberfranken Bayreuth und Vorsitzender des IHK-Gremiums Bayreuth. Er mahnt die Kommunen zur Zurückhaltung bei weiteren Gewerbesteuererhöhungen: “Jeder zusätzliche Punkt beim Gewerbesteuerhebesatz nimmt unseren Unternehmen Luft zum Atmen.“
Die aktuelle Realsteuerumfrage der IHK für Oberfranken Bayreuth zeigt, dass im IHK-Gremium Bayreuth eine Kommune ihren Gewerbesteuerhebesatz angehoben hat: Mehlmeisel von 350 auf 380 Punkte. Heinersreuth senkte seinen Satz dagegen von 390 auf 370 Punkte. Besonders hoch bleibt der Hebesatz in Pegnitz mit 400 Punkten, auch die Stadt Bayreuth selbst verlangt mit 390 Punkten einen überdurchschnittlichen Satz.
Bayreuth liegt über dem Oberfranken-Durchschnitt
Der durchschnittliche Gewerbesteuerhebesatz im IHK-Gremium Bayreuth liegt bei 366,3 Punkten, 0,3 Punkte mehr als im Vorjahr. Damit übertrifft er den Durchschnitt im Einzugsgebiet der IHK für Oberfranken Bayreuth von 358,9 Punkten um 7,4 Punkte.
Der Trend im Kammerbezirk zeigt weiter nach oben
Oberfrankenweit haben 20 der 196 Gemeinden ihre Realsteuern (Gewerbesteuer, Grundsteuer A und B) 2026 erhöht, nur 12 haben gesenkt. 13 Gemeinden planen für 2027 bereits weitere Erhöhungen, in acht weiteren wird darüber diskutiert.
Schwache Konjunktur verschärft den Druck
Der Konjunkturklimaindex im IHK-Gremium Bayreuth fiel im Mai 2026 auf 91 Punkte, nach 105 Punkten zur Jahreswende 2025/2026. Damit liegt er unter der Grenze von 100 Punkten. Erst oberhalb dieser Grenze stehen die Zeichen auf Wachstumskurs. Lage und Erwartungen werden von den Unternehmen schlechter eingeschätzt, was nicht ohne Auswirkungen auf die erwartete Beschäftigtenentwicklung und Investitionen bleibt.
Belastungen für Unternehmen steigen immer mehr an
“Steuererhöhungen sind angesichts der aktuellen Steuerpolitik das völlig falsche Signal“, macht Lichtenegger deutlich. So drohen den oberfränkischen Unternehmen neue Bürokratie- und Ausgabenbelastungen durch aktuelle steuerpolitische Vorhaben. Hervorzuheben sind hier neue Belastungen durch die geplante Einkommensteuerreform, die insbesondere den Mittelstand betrifft, die aktuellen Pläne zur Einführung der Registrierkassenpflicht und der digitalen Belegbereitstellungspflicht sowie die kürzlich eingeführte EU-Verpackungsverordnung “Die Politik muss endlich entlasten, statt immer mehr zu belasten ‑ das schließt unsere Kommunen mit ein“, fordert Lichtenegger.
Kein Zusammenhang zwischen Höhe des Hebesatzes und Steueraufkommen
"Es zeigt sich, dass kein belegbarer systematischer Zusammenhang besteht zwischen der Höhe des Hebesatzes und dem tatsächlichen Steueraufkommen, auch nicht mit zeitlicher Verzögerung", macht Andreas Wandner deutlich, Leiter des Referats Steuern, Finanzen und Handelsregister bei der IHK für Oberfranken Bayreuth. Und er macht deutlich: "Wirtschaftliches Wachstum erhöht die Einnahmen nachhaltiger als ein höherer Gewerbesteuerhebesatz."
Immer wieder sei zu hören, dass Unternehmen von einer Gewerbesteuererhöhung kaum betroffen seien. "Für Kapitalgesellschaften wie einer GmbH gelte dies allerdings nicht, diese sind vollumfänglich von einer Erhöhung betroffen", so Wandner. Jedes dritte beitragspflichtige Mitgliedsunternehmen der IHK ist eine Kapitalgesellschaft. Ab einem Gewerbesteuerhebesatz von über 400 Punkten sind auch Personengesellschaften potenziell von Gewerbesteuererhöhungen betroffen. “Über die Hinzurechnung von Zinsen, Mieten, Pachten und Lizenzen belastet die Steuer Betriebe auch dann, wenn kaum Ertrag da ist. Gezahlt wird so mitunter selbst in Verlustjahren oder bei hohen Investitionskosten, was die Unternehmen erheblich ausbremsen kann“, macht Lichtenegger deutlich.
Weniger Ausgaben statt mehr Einnahmen
Bevor Kommunen an der Steuerschraube drehen, müssen sie – so wie Unternehmen es auch tun müssen ‑ zunächst alle Einsparpotenziale auf der Ausgabenseite ausschöpfen, so die IHK-Forderung.
"Zwischen dem, was Kommunen leisten müssen, und dem, was sie etwa vom Bund dafür bekommen, klafft eine wachsende Lücke", so Lichtenegger. Dazu zählen der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung, das Deutschland-Ticket, die kommunale Wärmeplanung, Sozial-, Kinder- und Eingliederungshilfe sowie die Schuldigitalisierung. "Alles wichtige Aufgaben, keine Frage. Aber bezahlt werden sie nicht von dem, der sie bestellt hat", erklärt Lichtenegger. “Das zeigt sich 2025 im neuen Rekord-Finanzierungsdefizit der deutschen Kommunen.”
Gewerbesteuer bleibt eine deutsche Besonderheit
Im europäischen Vergleich fällt die Gewerbesteuer aus dem Rahmen – die meisten Nachbarländer kennen eine vergleichbare Abgabe gar nicht. "Deutschland liegt bei der Unternehmensbesteuerung bereits an der Weltspitze", macht Wandner deutlich. Deutschlands durchschnittliche steuerliche Gesamtbelastung für Unternehmen liegt derzeit bei rund 30 Prozent, der EU-Schnitt bei 21,1 Prozent. “Für eine Region wie Oberfranken mit dem Wettbewerber Tschechien vor der Haustüre, schlägt dieser Abstand doppelt zu Buche“, so Lichtenegger. “Jede weitere Erhöhung der schwächt unsere Wettbewerbsfähigkeit im Standortvergleich.“
Alle Ergebnisse der Realsteuerumfrage 2026 finden Sie im oberfränkischen Wirtschaftsatlas, entwickelt von den drei Wirtschaftskammern: www.bayreuth.ihk.de/wirtschaftsatlas
