03.09.2026

Wettbewerb mit China setzt Unternehmen unter Druck

Welche Strategien haben heimische Unternehmen? Wie soll die EU agieren?

Viele oberfränkische Unternehmen spüren die wachsende Konkurrenz durch chinesische Anbieter und das sowohl im Inland und der EU als auch auf Drittmärkten, macht Dr. Michael Waasner deutlich, Präsident der IHK für Oberfranken Bayreuth.

Das zeigen die Ergebnisse einer Sonderumfrage der Deutschen IHK (DIHK) zum Wettbewerb mit China. Die hiesigen Unternehmen reagieren vor allem mit Kostensenkungen und Produktinnovation auf diese Situation. Bei der Frage, ob die EU eine härtere Handelspolitik gegenüber China einschlagen sollte, gehen die Meinungen deutlich auseinander.

“China ist für unsere Unternehmen Absatzmarkt, Zulieferer und Wettbewerber zugleich. Das macht die Lage kompliziert, für die Handelspolitik in Brüssel genauso wie für jedes einzelne Unternehmen hier in Oberfranken“, so Dr. Waasner.

China zählt zu den wichtigsten Handelspartnern der bayerischen Wirtschaft. Bei den Exporten liegt das Land 2025 auf Rang 5 der Ausfuhrländer, bei den Importen führt China die Rangliste sogar an. Die kürzlich veröffentlichten vorläufigen Ergebnisse der Außenhandelsstatistik des Bayerische Landesamts für Statistik zeigen, dass Bayern im ersten Halbjahr 2026 Waren im Wert von 16,8 Milliarden aus China eingeführt hat. Das entspricht einem Plus von knapp 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig gingen jedoch die bayerischen Exporte nach China um 5 Prozent auf insgesamt 6,3 Milliarden Euro zurück.

Auch für Oberfranken ist China ein wichtiger Handelspartner, wie Dr. Johanna Horzetzky betont, Teamleiterin International bei der IHK für Oberfranken Bayreuth. Über 260 Unternehmen mit Handelsbeziehungen zu China sind bei der IHK registriert, darunter 26 mit Niederlassungen und 16 mit Produktionsstätten. Zum Vergleich: Mit den USA pflegen rund 220 Unternehmen Geschäftsbeziehungen (36 Niederlassungen, 16 Produktionsstätten), mit Tschechien sind es gut 200 (24 Niederlassungen, 20 Produktionsstätten).

Die AHK Greater China ist Teil des Netzes der deutschen Auslandshandelskammern mit 150 Büros in 93 Ländern und Regionen weltweit. Über 1.800 Unternehmen sind Mitglied der AHK China mit ihren elf Standorten.

78 Prozent der bayerischen Unternehmen spüren wachsende Konkurrenz

Die enge Verbindung zu China hat nicht nur Vorteile, wie eine aktuelle Sonderumfrage der DIHK zeigt. 78 Prozent der befragten bayerischen Unternehmen geben an, eine wachsende Konkurrenz durch chinesische Wettbewerber zu spüren. Bei fast der Hälfte der Befragten (47 Prozent) wird der Druck sogar stark bis sehr stark bewertet. Dabei sind chinesische Wettbewerber bereits weltweit sehr aktiv. Über 60 Prozent berichten von spürbarem Druck durch chinesische Anbieter im Inland, auf dem EU-Binnenmarkt und auf Drittmärkten. Aber auch auf dem chinesischen Markt selbst (49 Prozent) wird der Wettbewerbsdruck wahrgenommen.

Wie reagieren Unternehmen auf den Wettbewerb aus China?

“Unsere Unternehmen setzen ganz unterschiedliche Hebel an, um mit dem wachsenden Wettbewerb aus China umzugehen“, erläutert Dr. Horzetzky. Am weitesten verbreitet sind Kostensenkungen. Das gaben zwei Drittel der Befragten an. Fast genauso viele, nämlich 64 Prozent, setzen auf Produktinnovation. Weitere Strategien sind die verstärkte Suche nach neuen Absatzmärkten (41 Prozent). “Wir führen dazu aktuell viele Beratungsgespräche mit unseren Mitgliedsunternehmen“, sagt Horzetzky. “Im Zusammenhang mit Afrika hören wir dabei regelmäßig: ‘Das lohnt sich doch gar nicht mehr, da sind ja schon überall die Chinesen.‘“

Die Kooperation mit chinesischen Partnern (30 Prozent) sowie der Verlagerung von Investitionen (28 Prozent) sind weitere Strategien. 14 Prozent ziehen sich sogar ganz aus dem Geschäftsfeld zurück. “Kostensenkungen sind ein schneller Hebel, können aber auf Dauer auch eine gefährliche Strategie sein. Eine gute und nachhaltige Entwicklung ist jedoch, dass ebenso viele Unternehmen auf Innovationen statt allein auf den Preis setzen“, macht Dr. Waasner deutlich.

Was erwarten die Unternehmen von der Politik

Uneinig sind sich die Unternehmen bei der Frage, wie entschlossen die EU gegenüber China auftreten sollte. Konkret geht es um stärkere handelspolitische Maßnahmen, um Wettbewerbsverzerrungen zu begegnen, auch wenn diese für die Unternehmen selbst negative Konsequenten hätten, etwa durch Bürokratiekosten, höhere Preise, Zölle, Gegenmaßnahmen oder Lieferengpässe. 55 Prozent der Befragten befürworten ein härteres Vorgehen trotz dieser Risiken, 41 Prozent lehnen es eher ab.

"Ein Beispiel für den Umgang mit chinesischen Importen ist die EU-Handelsschutzmaßnahme bei Stahl", so Dr. Waasner. "So wie die EU diese aktuell ausgestaltet hat, ist sie leicht zu umgehen. Sie hat nur Stahlprodukte im Blick, aber keine stahlintensiven Folgeprodukte. Die Anreize sind hoch, die Wertschöpfung stahlintensiver Produkte aus der EU zu verlagern ‑ etwa Elektrobleche, Transformatoren, Generatoren oder Elektromotoren. Damit hat die Maßnahme nur Verlierer, weil sie die Stahlhersteller nicht effektiv schützt, die stahlverarbeitenden Betriebe gar nicht, und dabei hohen Aufwand verursacht. Die angedachte Ausweitung auf nachgelagerte Produktionsschritte wäre insofern folgerichtig, da sie den Grundgedanken, industrielle Wertschöpfung in Europa zu schützen, logisch zu Ende führt.”

“Wettbewerb ist gut, solange die Regeln für alle gelten. Die Zahlen zeigen aber, dass die bayerische Wirtschaft beim Umgang mit China gespalten ist: Die einen wollen Schutz vor unfairem Wettbewerb, die anderen fürchten die Folgen für das eigene Unternehmen“, macht Dr. Waasner deutlich.

“Wettbewerbsfähig bleiben wir nicht durch Abschottung, sondern durch eigene Stärke: gute Ausbildung, schnelle Genehmigungen und Freiräume für Innovation. Daran müssen Politik und Wirtschaft jetzt gemeinsam arbeiten“, sagt Dr. Michael Waasner mit Blick auf die kommenden Monate.