16.09.2026

Forchheimer Unternehmen leiden unter Gewerbesteuer

Aber: Kommunen mit immer höheren Kostenbelastungen

“Unsere Betriebe kämpfen mit den schwierigsten Rahmenbedingungen seit Jahren“, macht Dr. Michael Waasner deutlich, IHK-Präsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Forchheim. Er mahnt die Kommunen im Landkreis zu Zurückhaltung bei weiteren Steuererhöhungen: “Jeder zusätzliche Punkt beim Gewerbesteuerhebesatz schwächt Unternehmen, die ohnehin mit dem Rücken zur Wand stehen.“

Die aktuelle Realsteuerumfrage der IHK für Oberfranken Bayreuth zeigt, dass im IHK-Gremium Forchheim wieder eine Kommune den Gewerbesteuerhebesatz angehoben hat: Die Stadt Forchheim von 350 auf 370 Punkte. Alle anderen Gemeinden im Landkreis ließen ihren Hebesatz unverändert.

Landkreis liegt über dem Oberfranken-Durchschnitt

Im Oberfranken-Vergleich liegt der Landkreis weit oben. Der durchschnittliche Gewerbesteuerhebesatz im IHK-Gremium Forchheim liegt bei 378,3 Punkten, 0,7 Punkte mehr als im Vorjahr. Damit übertrifft er den Durchschnitt im Einzugsgebiet der IHK für Oberfranken Bayreuth von 358,9 Punkten um 19,4 Punkte. Nur im IHK-Gremium Lichtenfels liegt der Wert noch höher.

Der Trend im Kammerbezirk zeigt weiter nach oben

Oberfrankenweit haben 20 der 196 Gemeinden ihre Realsteuern (Gewerbesteuer, Grundsteuer A und B) 2026 erhöht, nur 12 haben gesenkt. 13 Gemeinden planen für 2027 bereits weitere Erhöhungen, in acht weiteren wird darüber diskutiert.

Schwache Konjunktur verschärft den Druck

Diese Erhöhungen treffen auf eine angespannte Wirtschaftslage. Der Konjunkturklimaindex im IHK-Gremium Forchheim blieb im Mai 2026 mit 94 Punkten unter der Grenze von 100 Punkten. Erst oberhalb dieser Grenze stehen die Zeichen auf Wirtschaftswachstum. Die Auftragslage ist mau. Im Saldo planen die Forchheimer Unternehmen zudem einen Stellenabbau und mehr Auslandsinvestitionen auf Kosten von Investitionen vor Ort.

Belastungen für Unternehmen steigen immer mehr an

"Gewerbesteuerhöhungen sind auch im Lichte der aktuellen Steuerpolitik bedenklich", macht Dr. Waasner deutlich. So drohen den oberfränkischen Unternehmen neue Bürokratie- und Ausgabenbelastungen durch aktuelle steuerpolitische Vorhaben. Hervorzuheben sind hier neue Belastungen durch die geplante Einkommensteuerreform, die insbesondere den Mittelstand betrifft, die aktuellen Pläne zur Einführung der Registrierkassenpflicht und der digitalen Belegbereitstellungspflicht sowie die kürzlich eingeführte EU-Verpackungsverordnung.

"Wir fordern die politischen Entscheidungsträger daher auf, keine zusätzlichen Belastungen zu schaffen, sondern für Entlastungen zu sorgen ‑ hier sind auch die Kommunen gefragt", so Dr. Waasner.

Kein Zusammenhang zwischen Höhe des Hebesatzes und Steueraufkommen

"Es zeigt sich, dass kein belegbarer systematischen Zusammenhang besteht zwischen der Höhe des Hebesatzes und dem tatsächlichen Steueraufkommen, auch nicht mit zeitlicher Verzögerung", macht Andreas Wandner deutlich, Leiter des Referats Steuern, Finanzen und Handelsregister bei der IHK für Oberfranken Bayreuth. Und er macht deutlich: "Wirtschaftliches Wachstum erhöht die Einnahmen nachhaltiger als ein höherer Gewerbesteuerhebesatz."

Immer wieder sei zu hören, dass Unternehmen von einer Gewerbesteuererhöhung kaum betroffen seien. "Für Kapitalgesellschaften wie einer GmbH gelte dies allerdings nicht, diese sind vollumfänglich von einer Erhöhung betroffen", so Wandner. Jedes dritte beitragspflichtige Mitgliedsunternehmen der IHK ist eine Kapitalgesellschaft. "Ab einem Gewerbesteuerhebesatz von über 400 Punkten sind auch Personengesellschaften potenziell von Gewerbesteuererhöhungen betroffen. "Durch die Hinzurechnung von Zinsen, Mieten, Pacht oder Lizenzen kann die Steuer Unternehmen auch dann treffen, wenn keine ausreichenden Erträge erzielt werden. Betriebe zahlen damit teilweise auch in Verlustjahren oder bei hohen Investitions- und Finanzierungskosten", macht Dr. Waasner deutlich.

Weniger Ausgaben statt mehr Einnahmen

Bevor Kommunen an der Steuerschraube drehen, müssen sie – so wie Unternehmen es auch tun müssen ‑ zunächst alle Einsparpotenziale auf der Ausgabenseite ausschöpfen.

Allerdings wird die Ausgabenseite zunehmend fremdbestimmt. "Die Kommunen bekommen immer mehr Pflichtaufgaben aufgebrummt, ohne dass die entsprechende Gegenfinanzierung gesichert ist", kritisiert Dr. Waasner. "Die Zeiten großer Anstiege von Gewerbesteuereinnahmen sind vielerorts vorbei, die finanzielle Ausstattung der Kommunen hält nicht Schritt mit den steigenden Anforderungen." Das Spektrum reiche vom Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder, über das Deutschland-Ticket, die kommunale Wärmeplanungen, Sozial‑, Kinder- und Eingliederungshilfe oder die Schuldigitalisierung. "Allesamt wichtige Aufgaben, aber mit dem Makel behaftet, dass nicht der bezahlt, der die Leistungen 'bestellt' hat", sagt Dr. Waasner. “Kein Wunder, dass die deutschen Kommunen 2025 das größte Finanzierungsdefizit ihrer Geschichte hatten.”

Gewerbesteuer bleibt eine deutsche Besonderheit

Im europäischen Vergleich fällt die Gewerbesteuer aus dem Rahmen ‑ Die meisten Nachbarländer kennen eine vergleichbare Abgabe gar nicht. "Deutschland liegt bei der Unternehmensbesteuerung bereits an der Weltspitze", macht Wandner deutlich. Deutschlands durchschnittliche steuerliche Gesamtbelastung für Unternehmen liegt derzeit bei rund 30 Prozent, der EU-Schnitt bei 21,1 Prozent. „Für eine Region mit hoher industrieller Wertschöpfung wie Oberfranken wiegt dieser Abstand doppelt“, so Dr. Waasner. „Für die Industrieunternehmen ist Wettbewerbsfähigkeit im Standortvergleich entscheidend“.

Alle Ergebnisse der Realsteuerumfrage 2026 finden Sie im oberfränkischen Wirtschaftsatlas, entwickelt von den drei Wirtschaftskammern: www.bayreuth.ihk.de/wirtschaftsatlas