29.06.2026
IHK: Bayreuther Wirtschaft verliert deutlich an Fahrt
Jörg Lichtenegger: Der "Bürokratieriegel" muss weg
Die Konjunktur in der Wirtschaftsregion Bayreuth kühlt erheblich ab. Das zeigt die aktuelle Konjunkturbefragung der IHK für Oberfranken Bayreuth. Die aktuelle Geschäftslage ‑ zuletzt noch recht positiv bewertet ‑ wird nur noch ausgeglichen bewertet, die Erwartungen trüben sich spürbar ein. Der IHK-Konjunkturklimaindex für Bayreuth sinkt um 14 auf 91 Punkte.
Jörg Lichtenegger, Vorsitzender des IHK-Gremiums Bayreuth, warnt aber trotz der schwierigen Rahmenbedingungen und der schwierigen Konjunktur davor, den Standort Bayreuth schlecht zu reden: "Die konjunkturellen Rahmenbedingungen fordern unsere Unternehmen so stark wie selten zuvor.", so Lichtenegger. "Ich habe aber Vertrauen in die Krisenresilienz und den Ideenreichtum unserer Unternehmen. Deshalb: Mehr Unternehmertum statt zu viel Bürokratie, fehlender Planungssicherheit oder nicht wettbewerbsfähiger Energiepreise!"
Die aktuelle Geschäftslage wird von den Unternehmen aus Stadt und Landkreis Bayreuth deutlich kritischer beurteilt als noch zu Jahresbeginn. 24 Prozent der Befragten bewerten ihre Lage positiv, 25 Prozent negativ. Mit einem Saldo von -1 ist die Lagebewertung damit von einem soliden Wert von +14 wie zur Jahreswende weit entfernt.
Auftragsvolumen und Kapazitätsauslastung unter Druck
Das Auftragsvolumen im Inland verschlechtert sich spürbar: 38 Prozent der Unternehmen berichten von gesunkenen Aufträgen in den vorangegangenen sechs Monaten, nur 16 Prozent verzeichnen einen Aufwärtstrend. Der Saldo rutscht damit von -3 auf -22 Punkte. Besser als in anderen Teilregionen Oberfrankens wird die Kapazitätsauslastung beurteilt. Positive und negative Bewertungen halten sich die Waage (je 23 Prozent).
“Dass der Konjunkturklimaindex für die Region Bayreuth nach über einem Jahr wieder unter die Wachstumsschwelle von 100 Punkten gefallen ist, macht deutlich, dass sich unsere vergleichsweise robuste Wirtschaftsregion Bayreuth dem bundesweiten Abwärtstrend nicht entziehen kann. Steigende Energiepreise infolge des Nahostkonflikts und die Unsicherheit durch Handelskonflikte mit den USA belasten zunehmend auch unsere heimische Wirtschaft“, erläutert Jörg Lichtenegger, Vorsitzender des IHK-Gremiums Bayreuth.
Erwartungen für 2026 deutlich pessimistischer
Die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate trüben sich merklich ein. 12 Prozent der Befragten erwarten laut IHK-Konjunkturbefragung eine Verbesserung ihrer Geschäftslage, 29 Prozent dagegen eine Verschlechterung. Der Saldo sinkt von -2 auf -17 Punkte. Auch das erwartete Auftragsvolumen im Inland nimmt deutlich ab. Die Investitionsplanungen im Inland verbleiben mit einem Saldo von -8 Punkten im negativen Bereich. Auch die Prognosen zur Entwicklung der Beschäftigung zeigen nach unten. Nur noch neun Prozent der Unternehmen planen einen Beschäftigtenzuwachs, mehr als jedes vierte Unternehmen geht von einem Beschäftigtenabbau aus.
“Ein nachhaltiger wirtschaftlicher Aufschwung erfordert stabile und verlässliche Rahmenbedingungen. Unsere Unternehmen benötigen insbesondere wettbewerbsfähige Energiekosten, eine spürbare Entlastung von bürokratischen Hürden sowie eine moderne, zukunftsfähige Infrastruktur. Von zentraler Bedeutung ist dabei eine leistungsfähige Bahnanbindung, um die Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität der Region langfristig zu sichern“, macht Lichtenegger deutlich. "Solange der 'Bürokratieriegel' hält, solange wird es mit dem Standort Deutschland nicht wieder aufwärts gehen."
Lichtenegger sieht aber auch positive Signale: "In letzter Zeit registriere ich eine Änderung in der Tonalität. Das politische Berlin spricht neuerdings wieder über Tempo und über Wettbewerbsfähigkeit. Da könnte sich tatsächlich ein Bruch anbahnen mit dem lähmenden Klein-klein der vergangenen Jahre. Bitte mehr davon!"
Hintergrundinformation:
Der IHK-Konjunkturklimaindex ist ein wichtiger Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung. In die Berechnungen fließen die Bewertungen für die aktuelle Geschäftslage und die Geschäftserwartungen für die kommenden 12 Monate zu gleichen Teilen ein. Ein Indexwert über 100 signalisiert eine gute konjunkturelle Grundstimmung unter den Unternehmen; ein Wert unter 100 zeigt Pessimismus und wirtschaftliche Probleme an.
Der IHK-Konjunkturklimaindex ist ein wichtiger Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung. In die Berechnungen fließen die Bewertungen für die aktuelle Geschäftslage und die Geschäftserwartungen für die kommenden 12 Monate zu gleichen Teilen ein. Ein Indexwert über 100 signalisiert eine gute konjunkturelle Grundstimmung unter den Unternehmen; ein Wert unter 100 zeigt Pessimismus und wirtschaftliche Probleme an.
