16.09.2026

IHK-Gremium Bamberg: Unternehmen leiden unter Gewerbesteuer

Aber: Kommunen mit immer höheren Kostenbelastungen

“Die Marktlage, mit der unsere Unternehmen zu tun haben, ist so schwierig, wie selten zuvor“, macht Herbert Grimmer deutlich, Vizepräsident der IHK für Oberfranken Bayreuth und Vorsitzender des IHK-Gremiums Bamberg. Er mahnt die Kommunen im Raum Bamberg zur Zurückhaltung bei weiteren Steuererhöhungen: “Jede weitere Anhebung beim Gewerbesteuerhebesatz trifft Unternehmen, die ohnehin um jeden Auftrag kämpfen.“

Die aktuelle Realsteuerumfrage der IHK für Oberfranken Bayreuth zeigt, dass im IHK-Gremium Bamberg zwei Kommunen den Gewerbesteuerhebesatz angehoben haben: Gundelsheim von 360 auf 380 Punkte und Pettstadt von 320 auf 360 Punkte. Besonders hoch liegt der Hebesatz bereits in Hirschaid und Reckendorf mit jeweils 420 Punkten, auch die Stadt Bamberg verlangt mit 390 Punkten einen überdurchschnittlichen Satz.

Raum Bamberg liegt über dem Oberfranken-Durchschnitt

Der durchschnittliche Gewerbesteuerhebesatz im IHK-Gremium Bamberg liegt bei 369,2 Punkten, 1,6 Punkte mehr als im Vorjahr. Damit übertrifft er den Durchschnitt im Einzugsgebiet der IHK für Oberfranken Bayreuth von 358,9 Punkten um 10,3 Punkte.

Der Trend im Kammerbezirk zeigt weiter nach oben

Oberfrankenweit haben 20 der 196 Gemeinden ihre Realsteuern (Gewerbesteuer, Grundsteuer A und B) 2026 erhöht, nur 12 haben gesenkt. 13 Gemeinden planen für 2027 bereits weitere Erhöhungen, in acht weiteren wird darüber diskutiert.

Schwache Konjunktur verschärft den Druck

Der Konjunkturklimaindex im IHK-Gremium Bamberg fiel im Mai 2026 auf 78 Punkte, nach 100 Punkten zur Jahreswende 2025/2026. Damit liegt er deutlich unter der Grenze von 100 Punkten. Erst oberhalb dieser Grenze stehen die Zeichen auf Wirtschaftswachstum. Lage und Erwartungen werden negativ beurteilt, die Unternehmen planen im Saldo einen Beschäftigtenabbau, Investitionen sind rückläufig.

Belastungen für Unternehmen steigen immer mehr an

“Gewerbesteuererhöhungen sind gerade in der aktuell herausfordernden Lage das falsche Signal“, macht Grimmer deutlich. So drohen den oberfränkischen Unternehmen neue Bürokratie- und Ausgabenbelastungen durch aktuelle steuerpolitische Vorhaben. Hervorzuheben sind hier neue Belastungen durch die geplante Einkommensteuerreform, die insbesondere den Mittelstand betrifft, die aktuellen Pläne zur Einführung der Registrierkassenpflicht und der digitalen Belegbereitstellungspflicht sowie die kürzlich eingeführte EU-Verpackungsverordnung “Die Politik muss aufhören, neue Lasten zu verteilen, und endlich für Entlastung sorgen ‑ das gilt auch für unsere Kommunen“, so Grimmer.

Kein Zusammenhang zwischen Höhe des Hebesatzes und Steueraufkommen

"Es zeigt sich, dass kein belegbarer systematischer Zusammenhang besteht zwischen der Höhe des Hebesatzes und dem tatsächlichen Steueraufkommen, auch nicht mit zeitlicher Verzögerung", macht Andreas Wandner deutlich, Leiter des Referats Steuern, Finanzen und Handelsregister bei der IHK für Oberfranken Bayreuth. Und er macht deutlich: "Wirtschaftliches Wachstum erhöht die Einnahmen nachhaltiger als ein höherer Gewerbesteuerhebesatz."

Immer wieder sei zu hören, dass Unternehmen von einer Gewerbesteuererhöhung kaum betroffen seien. "Für Kapitalgesellschaften wie einer GmbH gelte dies allerdings nicht, diese sind vollumfänglich von einer Erhöhung betroffen", so Wandner. Jedes dritte beitragspflichtige Mitgliedsunternehmen der IHK ist eine Kapitalgesellschaft. Ab einem Gewerbesteuerhebesatz von über 400 Punkten sind auch Personengesellschaften potenziell von Gewerbesteuererhöhungen betroffen. "Zinsen, Mieten, Pachten und Lizenzen werden der Gewerbesteuer teilweise wieder hinzugerechnet. Deshalb zahlen manche Betriebe selbst dann, wenn unter dem Strich kaum etwas übrigbleibt, in Verlustjahren oder wenn gerade hohe Investitionen anstehen", so Grimmer.

Weniger Ausgaben statt mehr Einnahmen

Bevor Kommunen an der Steuerschraube drehen, müssen sie unbedingt ‑ so wie Unternehmen es auch tun müssen ‑ zunächst alle Einsparpotenziale noch stärker auf der Ausgabenseite ausschöpfen, so die IHK-Forderung.

"Die Liste der kommunalen Pflichtaufgaben wächst schneller als die Mittel, mit denen sie bezahlt werden sollen", kritisiert Grimmer. Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder, Deutschland-Ticket, Wärmeplanung, Sozial-, Kinder- und Eingliederungshilfe, Schuldigitalisierung: Die Liste ist lang. "Jede einzelne Aufgabe ist sinnvoll. Trotzdem bleibt am Ende die Rechnung bei den Kommunen hängen, nicht dort, wo sie beschlossen wurde, also EU, Bund oder Land ", erklärt Grimmer. Das Ergebnis: 2025 verzeichneten Deutschlands Kommunen das größte Finanzierungsdefizit ihrer Geschichte.

Gewerbesteuer bleibt eine deutsche Besonderheit

Im europäischen Vergleich fällt die Gewerbesteuer aus dem Rahmen – die meisten Nachbarländer kennen eine vergleichbare Abgabe gar nicht. "Deutschland liegt bei der Unternehmensbesteuerung bereits an der Weltspitze", macht Wandner deutlich. Deutschlands durchschnittliche steuerliche Gesamtbelastung für Unternehmen liegt derzeit bei rund 30 Prozent, der EU-Schnitt bei 21,1 Prozent. "Als Grenzregion spürt Oberfranken das besonders deutlich", sagt Grimmer. "Jede weitere Erhöhung schwächt uns im Wettbewerb der Standorte."

Alle Ergebnisse der Realsteuerumfrage 2026 finden Sie im oberfränkischen Wirtschaftsatlas, entwickelt von den drei Wirtschaftskammern: www.bayreuth.ihk.de/wirtschaftsatlas