Von Claudia Lösler
Für exportorientierte Unternehmen eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten: Zölle werden schrittweise gesenkt, Marktzugänge erleichtert und öffentliche Ausschreibungen zugänglicher. Besonders Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, der Chemie- und Pharmabranche sowie der Medizintechnik könnten von den neuen Rahmenbedingungen profitieren.
Welche Chancen und Herausforderungen damit verbunden sind, steht im Mittelpunkt einer gemeinsamen Veranstaltung der IHK und der Wirtschaftsjunioren am 9. November in Heilbronn. Als Referent wird Dr. Peter Birle, Wissenschaftlicher Direktor des Ibero-Amerikanischen Instituts in Berlin, Einblicke in die wirtschaftliche Entwicklung der Mercosur-Staaten geben und aufzeigen, wie Unternehmen den Markteintritt in Südamerika erfolgreich gestalten können.
Brasilien ist mit Abstand der interessanteste Markt. Er ist groß, wirtschaftlich vielfältig und bietet viele Chancen für deutsche Unternehmen.
Dr. Peter Birle
Gleichzeitig verweist er darauf, dass das Freihandelsabkommen nicht automatisch alle Hindernisse beseitigt. „Markteintrittshürden verschwinden nicht einfach. Gerade deshalb sind lokale Partner häufig der Schlüssel zum Erfolg.“
Neben den wirtschaftlichen Chancen spielt auch die geopolitische Dimension eine wichtige Rolle. Während Europa nach Wegen sucht, Lieferketten breiter aufzustellen und Abhängigkeiten zu reduzieren, gewinnt Lateinamerika als Partner an Bedeutung. Zugleich hat China seinen Einfluss in der Region in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut und ist heute für alle vier Mercosur-Staaten der wichtigste Handelspartner.
„Die entscheidende Frage lautet: Was können wir bieten, was China nicht bietet?“, sagt Birle. Seine Antwort: technologisches Know-how, Qualität und langfristige Partnerschaften. Europäische Unternehmen hätten insbesondere dort gute Chancen, wo es um spezialisierte Lösungen und nachhaltige Zusammenarbeit gehe.
Ob Mercosur künftig eine echte Alternative zu asiatischen Märkten sein kann, lässt sich nicht pauschal beantworten. Für Birle steht jedoch fest, dass die Region häufig unterschätzt wird.
Lateinamerika ist uns kulturell deutlich näher als viele andere Weltregionen. Es gibt demokratische Strukturen, langjährige Beziehungen zu Europa und zahlreiche Anknüpfungspunkte für deutsche Unternehmen.
Dr. Peter Birle
Die Veranstaltung am 9. November soll Unternehmen dabei unterstützen, die Potenziale der Region besser einzuschätzen und konkrete Ansatzpunkte für die eigene Internationalisierungsstrategie zu identifizieren.