Von Claudia Lösler
Am 13. Juni öffnete der Innovation Park Artificial Intelligence erstmals sein Baufeld für die Öffentlichkeit. In geführten Rundgängen wurden zentrale Elemente des künftigen Campus vorgestellt. Ziel war es, Transparenz zu schaffen und die Entwicklung eines internationalen KI‑Standorts frühzeitig für die Bevölkerung nachvollziehbar zu machen.
Auf dem rund 30 Hektar großen Gelände im Norden Heilbronns entsteht derzeit ein einzigartiges Ökosystem, das Wirtschaft, Wissenschaft, Start-ups und Gesellschaft zusammenbringt. Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Hochschulen sollen hier künftig eng zusammenarbeiten, um Künstliche Intelligenz gezielt in die Anwendung zu bringen und Innovation schneller in die Praxis zu überführen.
Auf einer Fläche von rund 42 Fußballfeldern sollen künftig rund 5.000 Arbeitsplätze entstehen. Eine große Glasfassade über dem Reallabor ist darauf ausgerichtet, Innovation sichtbar zu machen. So können Interessierte jederzeit beispielsweise beim Testen von Roboterarmen direkt zuschauen. Das Kommunikationszentrum mit einem 65 Meter hohen Turm ist der zentrale Ort des Campus für Austausch, Information und Bildung rund um das Thema Künstliche Intelligenz. Es richtet sich an Bürgerinnen und Bürger ebenso wie an Fachpublikum. Ein Restaurant und eine Rooftop Bar ergänzen das Angebot.
Autofrei und nachhaltig
Der Campus wird komplett autofrei gestaltet. Ergänzt wird dies durch neue Mobilitätskonzepte, darunter ein zentraler Mobility Hub mit 900 Parkplätzen für Pkws und 1.000 Fahrradstellplätzen. Perspektivisch soll eine Seilbahn den Standort mit der Innenstadt und dem Bahnhof verbinden. Auch unterirdische Infrastruktur und neue Logistiklösungen zeigen, wie konsequent Zukunft hier gedacht wird.
Zugleich ist das Projekt stark von Nachhaltigkeit geprägt. Innovative Ansätze bei Energieversorgung, Wassermanagement und Bauweise tragen dazu bei, den Campus als zukunftsfähigen urbanen Raum zu entwickeln. So wird beispielsweise für die Wärmeversorgung die Abwärme aus den Kühlprozessen der Kaufland-Fleischwaren, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft befinden, genutzt. Für die Spülung der WC-Anlagen greift man auf das sogenannte Schwammstadtprinzip zurück, wobei Niederschlagswasser in Zisternen aufgefangen und in den Kreislauf zurückgebracht wird.
Die Bauarbeiten schreiten dabei mit hoher Dynamik voran. Erste Gebäude sollen bereits bis Ende 2027 fertiggestellt sein.
Geschichte meets KI
Eine besondere Dimension des Projekts wurde erst durch die Vorarbeiten sichtbar. Das gesamte Gelände im Bereich Steinäcker ist ein archäologisches Kulturdenkmal, weshalb vor Baubeginn umfangreiche Rettungsgrabungen durchgeführt wurden. Dabei kamen bedeutende Funde aus der Römerzeit ans Licht. Entdeckt wurde unter anderem eine rund 500 Meter lange römische Fernstraße, die einst wichtige Siedlungs- und Militärstandorte entlang des Neckars miteinander verband. Darüber hinaus fanden sich zahlreiche Spuren einer bislang unbekannten Siedlung, die vermutlich als Straßendorf diente. Besonders bemerkenswert sind die Überreste eines Merkurtempels sowie Teile einer Statue des römischen Gottes Merkur.
Diese Funde verleihen dem Standort eine zusätzliche Bedeutung. Sie zeigen, dass der Ort schon vor rund 2.000 Jahren ein Knotenpunkt für Austausch, Handel und Bewegung war. Im KI-Besucherzentrum der IPAI Foundation Spaces wird die Verbindung von Vergangenheit und Zukunft auf innovative Weise erlebbar gemacht. Der römische Gott Merkur spricht als KI-Avatar zu den Gästen und kommt mit ihnen ins Gespräch.
Leuchtturmprojekt für die Region
Das große Interesse am Tag der offenen Baustelle unterstreicht die Bedeutung des IPAI für die Region und darüber hinaus. Heilbronn entwickelt sich mit dem Campus zu einem zentralen Standort für Künstliche Intelligenz in Europa. Als offizieller Partner bietet die IHK Heilbronn‑Franken Unternehmen exklusiven Zugang zu einem starken Netzwerk aus Forschung, Wirtschaft und Anwendung.