Von Claudia Lösler
„Man merkt relativ schnell, wenn es einem Azubi nicht gut geht“, sagt Brigitte Käfer, Ausbildungsbegleiterin bei der IHK. Doch hinter diesen ersten Anzeichen steckt selten nur ein Problem. Vielmehr sind es häufig persönliche Krisen, Konflikte im Betrieb oder Überforderung im neuen Alltag, die sich bemerkbar machen.
Seit dem 1. April 2025 gibt es bei der IHK Heilbronn-Franken die Ausbildungsbegleitung, ein Angebot, das Azubis nicht nur punktuell berät, sondern sie über einen längeren Zeitraum begleitet. Landesweit existieren entsprechende Unterstützungsinstrumente bereits seit 2015, gefördert durch das Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus, mit dem Ziel, Ausbildungsabbrüche zu verhindern und junge Menschen auf ihrem Weg zu stabilisieren.
Der Bedarf ist groß. Die IHK Heilbronn-Franken verzeichnete in den vergangenen Jahren einen Anstieg von gelöschten Verträgen vor allem in höheren Ausbildungsjahren. Die Gründe sind vielfältig. Genau hier setzt die Ausbildungsbegleitung an. Sie versteht sich bewusst nicht als einmalige Beratung, sondern als kontinuierliche individuelle Unterstützung für Azubis.
Damit sich die jungen Menschen öffnen, braucht es Zeit. Es muss erst Vertrauen aufgebaut werden
Brigitte Käfer
Zwischen Konfliktlösung und Lebensberatung
Die Gespräche drehen sich dabei nicht nur um fachliche Themen. Viele Auszubildende kommen mit Problemen, die weit über den Ausbildungsplatz hinausgehen. Schwierigkeiten mit Vorgesetzten, ein rauer Umgangston im Betrieb, Überstunden oder das Gefühl, allein gelassen zu werden. All das sind wiederkehrende Themen. Gleichzeitig wirken sich auch private Belastungen unmittelbar auf den Ausbildungsalltag aus.
Die Rolle der Ausbildungsbegleiter geht deshalb weit über die klassische Beratung hinaus. Sie hören zu, ordnen ein, vermitteln und verweisen gegebenenfalls an andere Stellen. Wenn rechtliche Fragen auftauchen oder ein Ausbildungsabbruch im Raum steht, helfen sie dabei, passende Unterstützungsangebote zu finden oder neue Perspektiven zu entwickeln.
“Ziel des Programms ist es, dass es weniger Abbrüche gibt und wir die Azubis stabilisieren”, sagt Markus Jung ebenfalls Ausbildungsbegleiter bei der IHK.
Was das Duo bei ihrer Arbeit immer wieder erlebt, ist ein ähnliches Muster. Viele Auszubildende suchen erst Hilfe, wenn die Situation bereits eskaliert ist. „Dann ist schon so viel vorgefallen, dass sowohl der Azubi als auch das Unternehmen kurz vor der Beendigung des Vertragsverhältnisses stehen“, beschreibt Jung. Er wünscht sich, dass die Begleitung schon viel früher einsetzt und die jungen Menschen rechtzeitig auf die IHK zukommen.
Denn die ersten Monate gelten als besonders kritisch. Studien zeigen, dass ein großer Teil der Ausbildungsabbrüche bereits in der Anfangsphase erfolgt. Gerade hier kann frühzeitige Unterstützung entscheidend sein.
Um möglichst nah an den Auszubildenden zu sein, ist das Duo immer wieder an einigen Berufsschulen in der Region unterwegs. Dort bieten sie feste Sprechstunden an und stehen als Ansprechpartner zur Verfügung. Die Kooperation mit Berufsschulen stellt einen Schwerpunkt ihrer Arbeit dar. Die Berufsschulen zeigen sich sehr dankbar für dieses neue Angebot an die Auszubildenden.
Ausbildung ist ein Lernprozess – für beide Seiten
In ihrer täglichen Arbeit erleben Brigitte Käfer und Markus Jung nicht nur die Herausforderungen der Azubis, sondern auch die der Betriebe. Ausbildung sei ein intensiver Prozess auf beiden Seiten, betont Jung.
Ausbildung ist anstrengend und hat auch einen erzieherischen Auftrag
Markus Jung
Viele junge Menschen müssten sich nach der Schule erst in eine völlig neue Struktur einfinden. Gleichzeitig hätten Betriebe mitunter Schwierigkeiten, sich auf veränderte Erwartungen der neuen Generation einzustellen.
Entscheidend ist für beide Berater ein Grundprinzip: zuhören. Es geht nicht darum, schnelle Lösungen zu präsentieren, sondern gemeinsam Wege zu entwickeln. Oft sind es kleine Schritte, die eine große Wirkung entfalten.
Das zeigt auch das Feedback der Teilnehmenden. Viele reagieren dankbar auf die Unterstützung. Einige berichten, dass sie ihre Ausbildung nur durch diese Begleitung durchgehalten haben, sie sei Kraft spendend und wie eine helfende Hand. Hinter diesen Rückmeldungen stehen oft persönliche Geschichten, die deutlich machen, wie wichtig ein verlässlicher Ansprechpartner sein kann.
Dialog schaffen, auch zwischen den Beteiligten
Neben der individuellen Begleitung setzt das Team auf Austauschformate. Es gibt Veranstaltungen speziell für Unternehmen oder für Auszubildende, aber auch gemeinsame Formate. In sogenannten Tandem-Veranstaltungen kommen beide Seiten zusammen, etwa um Themen wie Handynutzung im Betrieb zu diskutieren. Dabei geht es vor allem um gegenseitiges Verständnis und darum, Konflikte frühzeitig zu entschärfen. Auch sensible Themen wie psychische Probleme oder Grenzerfahrungen werden aufgegriffen.
Ein besonderes Format steht zum Jahresende an: ein Planspiel zur Demokratiebildung. Ziel ist es, Auszubildende in ihrer Werteorientierung, Selbstwirksamkeit und im reflektierten Umgang mit Themen wie Künstlicher Intelligenz zu stärken.