Von Claudia Lösler
Internationale Konflikte, Sanktionen und immer neue Vorschriften haben die Exportkontrolle in den Mittelpunkt unternehmerischer Entscheidungen gerückt. Unternehmen sehen sich einer Dynamik gegenüber, die kaum noch zu bewältigen scheint: Regelungen ändern sich schnell, sind nicht immer ausgereift – und lassen Interpretationsspielräume offen.
Gleichzeitig wächst die Verunsicherung: Behörden halten sich oft mit klaren Auslegungen zurück, während Unternehmen die Verantwortung tragen. Besonders der Mittelstand steht unter Druck, ständig neue Risiken zu bewerten und Prozesse anzupassen. „Früher war Exportkontrolle ein Randthema, heute ist es das Thema in fast jedem Unternehmen mit Auslandsbeziehungen“, sagt Viktoriia Kitsun, Teamkoordinatorin Außenwirtschaft von der IHK Heilbronn-Franken. In der Region betrifft das mehr als die Hälfte der Unternehmen.
Eine Woche, die Klarheit bringen soll
Genau hier setzt die Exportkontrollwoche der IHK Heilbronn-Franken an, die vom 22. bis 26. Juni bereits zum dritten Mal stattfindet.
Das Besondere: Die IHK bündelt ein hochkomplexes Thema in fünf kompakten Tagen. Damit schafft sie ein besonderes Format, das weit über die Region hinaus Aufmerksamkeit erzeugt. Interessierte kommen aus ganz Deutschland, aber auch aus den Nachbarländern. Die Teilnahme an den Webinaren ist kostenfrei, eine Anmeldung jedoch notwendig.
Die Zielgruppe ist klar definiert: Experten, Praktiker und Anwender aus Unternehmen – vor allem aus dem Mittelstand –, die nicht bei null anfangen, sondern ihr Wissen vertiefen und auf den neuesten Stand bringen wollen.
Vertreter von Behörden kommen zu Wort, ebenso Experten aus den verschiedenen Themengebieten. Es geht um Fragen wie: Welche Neuerungen gibt es in der europäischen und nationalen Exportkontrolle? Worauf muss ich achten, um die Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden effizienter zu gestalten? Welche Exportkontrollvorschriften müssen berücksichtigt werden, wenn die Rüstungsbranche beliefert wird? Und KI und humanoide Roboter als Dual-Use-Gut?
Ein besonderes Augenmerk außerdem auf die beiden derzeit stärksten Handelspartner USA und China gelegt.
Wenn amerikanisches Recht weltweit wirkt
Gerade der Blick in die USA zeigt, wie ernst die Lage ist. Das amerikanische Exportkontrollsystem gehört zu den strengsten weltweit – und wirkt oft weit über die eigenen Landesgrenzen hinaus. Europäische Unternehmen können betroffen sein, selbst wenn sie nicht direkt in den USA tätig sind.
Hier setzt der Vortrag von Prof. Dr. Schindler aus Karlsruhe an. „Ich erkläre, wann eine GmbH dem US-Exportrecht unterliegt, teile Hauptrisiken mit und zeige auf, worauf Unternehmen achten müssen.“ Für ihn ist Exportkontrolle kein statisches Regelwerk. „Die Grundlagen versteht man irgendwann, aber die aktuellen Fälle muss man ständig prüfen.“ Jede Woche analysiert er in einem festen Termin die neuesten Entwicklungen in den USA. Eine Routine, die zeigt, wie dynamisch das Thema geworden ist.
Sanktionen, die Lieferketten zerstören
Besonders heikel ist die Entwicklung der US-Sanktionen gegen chinesische Unternehmen. Sie treffen nicht nur die direkt Betroffenen, sondern ziehen weite Kreise durch internationale Lieferketten.
Auch ein Unternehmen aus der Region Heilbronn-Franken ist aktuell davon betroffen
Prof. Dr. Schindler
Wichtige Lieferanten geraten auf US-Sanktionslisten, Geschäftsbeziehungen werden plötzlich riskant, die Produktion steht infrage. Die Folge ist ein Dominoeffekt, eine unsichtbare Bedrohung für ganze Wertschöpfungsketten.
Parallel dazu baut auch China seine Exportkontrollen massiv aus. Neue Vorschriften, zusätzliche Listen und weitreichende Eingriffsmöglichkeiten führen zu wachsender Unsicherheit. Unternehmen müssen heute oft mehrere Kontrollsysteme gleichzeitig im Blick behalten. Schon geringe Anteile chinesischer Komponenten können ausreichen, um Genehmigungspflichten auszulösen oder Transaktionen zu blockieren. Die globale Wirtschaft wird damit zu einem Geflecht aus sich überlagernden Regeln und jedes einzelne Unternehmen muss seinen Weg hindurch finden.
Das Problem gibt es seit Jahrzehnten, nur nicht so extrem
Prof. Dr. Schindler
Gemeint ist die Extraterritorialität, also der Anspruch von Staaten, ihre Regeln auch außerhalb der eigenen Grenzen durchzusetzen. Was früher punktuell war, ist heute systematisch und allgegenwärtig.
Die Exportkontrollwoche liefert deshalb weit mehr als theoretisches Wissen. Sie bietet Orientierung, konkrete Handlungsempfehlungen und vor allem ein Bewusstsein für die Tragweite der Themen.