Von Claudia Lösler
Wie Unternehmen in diesem Umfeld widerstandsfähig bleiben und Risiken frühzeitig erkennen können, steht im Mittelpunkt der IHK-Woche „Resilienz in der Außenwirtschaft: Orientierung für eine unsichere Welt“, die vom 28. September bis 2. Oktober stattfindet. Die kostenfreie Webinarreihe beleuchtet aktuelle Herausforderungen für Exportwirtschaft, Lieferketten, KI und die damit verbundenen Risiken und Chancen in der Außenwirtschaft, Rohstoffversorgung und Finanzmärkte. „Mit der Resilienzwoche wollen wir Unternehmen dabei unterstützen, ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit auch in einem zunehmend instabilen Umfeld zu sichern“, sagt Christine Nahr-Ettl, Leiterin Unternehmen & International der IHK Heilbronn-Franken.
Dass Unsicherheit mittlerweile zum unternehmerischen Alltag gehört, bestätigt auch Dr. Thomas Meißner, Abteilungsleiter Research Finanzmarktstrategie der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Doch sie zeigt sich nicht überall in gleichem Maße. „Die Devisenmärkte sind derzeit überraschend ruhig“, sagt er. Für deutlich mehr Bewegung sorgen aus seiner Sicht die Rentenmärkte. „Da geht derzeit die Post ab.“ Nach vielen Jahren mit Niedrig- und Nullzinsen habe sich das Umfeld grundlegend verändert.
Wir hatten lange Zeit eine Welt der Nullzinsen. Heute bewegen wir uns bei deutlich höheren Renditen. Selbst in Japan kann man mittlerweile wieder Geld mit Anleihen verdienen.
Dr. Thomas Meißner
Die Auswirkungen seien für Unternehmen unmittelbar spürbar. Höhere Finanzierungskosten erschweren Investitionen und verteuern die Kapitalbeschaffung. Davon seien längst nicht mehr nur klassische Industrieunternehmen betroffen.
Selbst Technologieunternehmen und Investitionen in Zukunftsthemen wie Künstliche Intelligenz müssen sich letztlich am Rentenmarkt orientieren.
Dr. Thomas Meißner
Wechselkursrisiken nicht unterschätzen
Ein Schwerpunkt der Resilienzwoche ist die finanzielle Widerstandsfähigkeit international tätiger Unternehmen. Dazu gehört auch der Umgang mit Wechselkursrisiken. Zwar seien die Devisenmärkte zuletzt vergleichsweise stabil gewesen, doch Meißner warnt vor Selbstzufriedenheit. „2025 haben wir beim US-Dollar starke Bewegungen erlebt. Solche Entwicklungen können jederzeit wieder auftreten.“ Gerade exportorientierte Unternehmen sollten vorhandene Möglichkeiten zur Absicherung nutzen. Die Kosten dafür seien aktuell überschaubar.
Auch geopolitische Risiken prägen die Agenda der Resilienzwoche. Bereits zum Auftakt am 28. September geht es um die „neue geopolitische Realität“, globale Konfliktlinien sowie Strategien wie Diversifizierung und De-Risking.
Meißner beobachtet, dass Unternehmen gelernt haben, mit vielen Unsicherheiten umzugehen.
Man gewöhnt sich an Dauerkrisen und Dauerkonflikte.
Dr. Thomas Meißner
Trotz Ukraine-Krieg, Nahost-Konflikten und zunehmender handelspolitischer Spannungen zeigten sich Wirtschaft und Finanzmärkte vielfach widerstandsfähiger als erwartet. „Das Wirtschaftssystem ist resilient geworden.“ Dennoch blieben erhebliche Risiken bestehen. Besonders neue geopolitische Eskalationen könnten bestehende Lieferketten und Märkte erneut unter Druck setzen. Als Beispiel nennt Meißner einen möglichen Konflikt um Taiwan, der weltweit massive wirtschaftliche Auswirkungen hätte.
Diversifizierung als Schlüssel zur Resilienz
Für Unternehmen in Heilbronn-Franken sieht er deshalb vor allem eine strategische Aufgabe: wirtschaftliche Abhängigkeiten reduzieren und neue Märkte erschließen. „Unternehmen sollten sich breiter aufstellen und diversifizieren“, empfiehlt er. Die Konzentration auf einzelne Absatzmärkte könne in einer zunehmend fragmentierten Welt schnell zum Risiko werden.
Europa ziehe bereits Konsequenzen aus den veränderten Rahmenbedingungen und suche verstärkt nach neuen Handels- und Kooperationsmöglichkeiten, wie durch das Mercosur-Abkommen. Neue Märkte aufzubauen brauche allerdings Zeit. Umso wichtiger sei es, frühzeitig die richtigen Weichen zu stellen. „Resilienz bedeutet heute mehr als Krisenbewältigung“, betont Meißner. „Es geht darum, Risiken zu erkennen, sich abzusichern und flexibel zu bleiben.“