Von Claudia Lösler
Als die Stadt das Freibad vergangenes Jahr von der Liste des kommunalen Haushalts streichen wollte, sprang der Verein ein und organisierte den Betrieb selbst, mit dem Ziel, das Defizit auszugleichen. Der Zuspruch war enorm. Unternehmen wie ebm-papst, das Ingenieurbüro Joachim Weigel, Schott & Meissner, Japan Koi Hohenlohe, das Ofenhaus Künzelsau, EnBW und Energie Rath sowie umliegende Gemeinden unterstützen den Verein finanziell. Hinzu kamen viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. „Dass vieles möglich ist, wenn man zusammenhält, hat Langenburg eindrucksvoll gezeigt. Bürgerinnen und Bürger engagieren sich für ihre Heimat, bringen ihre Fähigkeiten ein und beweisen, dass jeder Einzelne notwendig ist, um Großes umzusetzen“, sagt Brigitte Rath-Beck, die das Projekt ebenfalls unterstützt.
Besonders sichtbar wird dieses Engagement beim Festival „s’ Freibad tanzt“, das vom 17. bis 19. Juli das Freibadgelände bereits zum zweiten Mal in eine große Open-Air-Location verwandelt. Mit DJ-Nächten, Schirmbar und Familientag wird gefeiert und sämtliche Erlöse fließen in den Erhalt des Freibads. Geplant und organisiert wird die Veranstaltung vor allem von der Familie Rath und einem Kreis von Freunden und Bekannten. Hinzu kommen zahlreiche Helferinnen und Helfer, die sich um Technik, Dekoration, Catering und Logistik kümmern. „Das gesamte Fest entsteht fast vollständig in Eigenleistung. Von der Organisation über die Musikauswahl bis hin zum Bühnenbau investieren viele Menschen unzählige Stunden ihrer Freizeit“, betont Rath-Beck.
Dabei ist das Festival nur ein Teil einer viel größeren Bewegung. Mittlerweile engagieren sich mehr als 100 Menschen ehrenamtlich bei den Freibadfreunden Langenburg. Allein für das Festival werden rund 40 Ehrenamtliche im Einsatz sein. Dass das Freibad überhaupt noch öffnen kann, ist das Ergebnis tausender Arbeitsstunden und eines außergewöhnlichen Gemeinschaftsgeists. Bereits im vergangenen Jahr leisteten Ehrenamtliche rund 6.000 Stunden Arbeit für den Erhalt und Betrieb der Einrichtung.
Für Rath-Beck steht das Freibad deshalb sinnbildlich für etwas, das weit über Langenburg hinausgeht. „Wir sprechen oft über Herausforderungen, über knappe Kassen und darüber, was alles nicht mehr möglich ist. Das Freibad Langenburg zeigt das Gegenteil. Menschen haben Verantwortung übernommen, nicht lange diskutiert, sondern gehandelt. Solche Macherinnen und Macher machen eine Region lebendig.“
Das Freibad sei längst mehr als ein Ort zum Schwimmen geworden. Sommerfeste, Veranstaltungen der DLRG, Aqua-Fitness-Kurse der Volkshochschule oder nun das Festival „s’ Freibad tanzt“ bringen Menschen zusammen und stärken das Miteinander.
Gerade im Jahr des 800-jährigen Stadtjubiläums passe dieses Engagement besonders gut zu Langenburg, findet Rath-Beck. „Dieses Freibad ist ein Stück Identität. Seit 1977 gehört es zum Leben in Langenburg. Dass heute wieder geschwommen wird, ist keine Selbstverständlichkeit. Es ist das Ergebnis von Zusammenhalt, Ehrenamt und dem Mut vieler Menschen, die gesagt haben: Wir machen das jetzt einfach.“