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Fachkräftenachwuchs spielerisch gewinnen
Wer im Zeitalter eines zunehmenden Fachkräftemangels junge Menschen begeistern möchte, muss innovativ sein. Aus diesem Grund hat sich die IHK Gießen-Friedberg im vergangenen Jahr für ein neues Messeformat entschieden, den „Karriere Kick“. Ein Konzept, das sowohl bei Ausstellern als auch Besuchern auf große Resonanz stieß, sodass es am 16. September 2026 eine Neuauflage geben wird.
25 Tischkicker stehen dann in der Friedberger Stadthalle für ein Speed-Dating zwischen Ausbildungsinteressierten und Arbeitgebern bereit. Zwei Teams aus je einem Jugendlichen und einem Unternehmensvertreter – in der Regel Ausbilder oder Personalverantwortliche – spielen so lange mit- beziehungsweise gegeneinander, bis das erste Zweierteam fünf Tore erzielt. Während des Spiels sind Fragen von beiden Seiten erwünscht. Die Jugendlichen können sich beispielsweise nach der Dauer der Ausbildung, den Verdienstmöglichkeiten oder den Karrierechancen erkundigen, während die Arbeitgeber etwas über den Werdegang und die Interessen ihrer Mitspieler erfahren. Für vertiefende Gespräche im Anschluss stellt die IHK Gießen-Friedberg den Ausstellern Stehtische zur Verfügung.
Eine App erleichtert die Kommunikation
Begleitet wird der „Karriere Kick“ von einer smarten App, die nicht nur Matches organisiert und Spielergebnisse festhält, sondern zugleich auch der Vor- und Nachbereitung dient. Jugendliche können über die App vorab Termine mit Unternehmen ihrer Wahl buchen, Betriebe nach der Messe mit Auszubildenden in spe in Kontakt bleiben.
Unser Ziel ist es, echte Begegnungen und einen authentischen Austausch zwischen Ausbildungsinteressierten und potenziellen Arbeitgebern zu schaffen
betont Dagmar Löthe, die seitens der IHK Gießen-Friedberg auch in diesem Jahr wieder für die Organisation verantwortlich zeichnet. „Beim gemeinsamen Spiel schwinden die Berührungsängste und das Eis wird schneller gebrochen“, weiß Johannes Kirsch, mehrfacher Deutscher Meister im Tischfußball und Entwickler des „Karriere Kicks“ aus eigener Erfahrung. Eine Aussage, die 2025 nicht nur von den jungen Besuchern bestätigt wurde. Auch die Aussteller zeigten sich von dem neuen Format begeistert.
Viele von ihnen werden in diesem Jahr wieder mit dabei sein, so wie Michael Junk, Stabstellenleiter elektrotechnische Ausbildung bei der Ovag. „Wir sind immer auf der Suche nach engagierten, jungen Menschen“, betont Junk, der seit über 20 Jahren Ausbilder bei dem Friedberger Energieversorger ist. „Uns ist es wichtig, für den Eigenbedarf auszubilden.“ Aktuell bildet die Ovag 62 junge Menschen aus, 39 von ihnen in der Elektrotechnik.
Ein Tag voller Termine mit potenziellen Azubis
„Zuvor haben wir bereits viele Jahre am IHK-Berufswegekompass teilgenommen und waren mit der Resonanz immer sehr zufrieden“, unterstreicht Junk.
Das neue Modell hat nun alles noch einmal viel spannender gemacht. Wir hatten den ganzen Tag Termine. Leerlauf – wie er sonst auf Ausbildungsmessen vorkommen kann – hatten wir nie. Ein ganz großes Lob an die Organisatoren!
Obwohl für ein vertiefendes Gespräch im Anschluss an das Spiel Stehtische zur Verfügung standen, haben die vier Ausbilder der Ovag sehr viel schon am Kickertisch besprochen. „Die meisten jungen Leute wollten wissen, was die Ovag macht und wie viele Mitarbeiter und Auszubildende wir haben. Besonders interessant fand die Mehrheit unsere Ausbildungswerkstatt sowie spezifische Angebote wie beispielsweise die Crash-Kurse vor den Abschlussprüfungen“, erzählt Junk.
Besonderen Wert habe man darauf gelegt, dass neben dem elektrotechnischen Bereich auch die Ausbilder für Industriekaufleute, Fachinformatiker für Systemintegration und Anlagenmechaniker mit „am Ball“ waren. Am Ende des Tages habe Einigkeit darüber bestanden, dass man beim Spielen viel schneller und besser in Kontakt mit potenziellen Auszubildenden komme, freut sich Junk.
Lockere Atmosphäre senkt Hemmschwelle bei Jugendlichen
Wie schon 2025 wird auch die Haase GmbH aus Ober-Mörlen auch in diesem Jahr wieder an der Ausbildungsmesse „Karriere Kick“ teilnehmen. „Wir sind bereits angemeldet“, verrät Felix Datz, stellvertretender Verkaufsleiter. Er ist im Unternehmen der Ansprechpartner für Praktikanten und Auszubildende. Der Ansturm am Kicker-Tisch sei 2025 sehr groß gewesen. Aktuell bildet das Unternehmen einen Auszubildenden zum Kaufmann für Büromanagement aus.
„Mir hat an der Ausbildungsmesse sehr gut gefallen, dass alles gut erklärt und somit leicht verständlich war. Angefangen bei der App, über die im Prinzip alles lief und deren Anwendung übersichtlich und intuitiv gestaltet war“, erzählt Datz. Auch der Netzwerkabend, der vor dem Event stattgefunden hatte und an dem sich die teilnehmenden Firmen austauschen konnten, kam bei ihm gut an. Die Zulosung der Schüler am Messetag habe ebenfalls reibungslos funktioniert.
Durch das Kickern waren bei den Jugendlichen sowohl die Hemmschwelle als auch der Druck sofort weg, sodass wir direkt mit ihnen sprechen konnten
sagt Datz. Die meisten Schüler hätten sich zunächst nach den Verdienstmöglichkeiten erkundigt. Viele wollten auch wissen, wie lange die Ausbildung dauert und welche Bereiche im Rahmen der Ausbildung durchlaufen werden.
Kontakt
Dagmar Löthe
Stand: 29.04.2026